Corona: Mit Johnson & Johnson Geimpfte gelten über Nacht als Ungeimpfte

Eine Dosis des Impfstoffs des Herstellers Johnson & Johnson genügte, um vollständig geschützt zu sein vor Sars-Cov-2. Bis letzten Samstag, als das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verkündete, dass ab sofort eine zweite Dosis nötig sei. Das macht alle mit „Janssen“ geimpfte Menschen zu Ungeimpften mit allen damit verbundenen Einschränkungen.
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Einer unserer Arbeitskollegen fiel am Montag aus allen Wolken, nachdem er das neueste Update seiner Corona-App installiert hatte. Plötzlich lautete sein Status „ungeimpft“. Dabei hatte er sich nach langem Zögern Anfang November mit dem Corona-Impfstoff „Janssen“ der Firma Johnson & Johnson impfen lassen. Das Besondere an diesem Vakzin war, dass als einziger aller in der EU zugelassenen Impfstoffe, von Janssen nur eine Dosis nötig war. Dem ist nun nicht mehr so. Per Mitteilung auf ihrer Website verkündete das für solche Entscheidungen zuständige Paul-Ehrlich-Institut am Samstag, dass ab sofort alle mit einer Dosis Janssen geimpften Menschen nicht mehr als „grundimmunisiert“ gelten.

Quasi ungeimpft

Nur die wenigsten mit Janssen geimpften Menschen dürften das bereits am Samstag mitbekommen haben. Die Meisten wissen dies wahrscheinlich bis heute nicht, da die mediale und politische Information darüber bisher spärlich ist. Dabei bedeutet das in der Konsequenz, dass diese Menschen nicht mehr ohne Test an den Arbeitsplatz, nicht mehr einkaufen, nicht mehr ohne PCR-Test fliegen und ohne Test in den Nahverkehr einsteigen dürfen.
Als geimpft mit vollständigem Grundschutz gilt man in Deutschland nun erst dann, wenn auf die Johnson & Johnson-Erstimpfung eine zweite Impfung erfolgt, so ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Dies solle möglichst mit einem mRNA-Vakzin wie dem von Biontech/Pfizer oder Moderna erfolgen, wie er bekräftigte. Der vollständige Schutz ist etwa für die Einhaltung von 2G-Zugangsregeln nötig. Eine entsprechende Vorgabe gelte seit dem Wochenende und solle nun technisch umgesetzt werden, sagte der Sprecher.
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Stiko-Empfehlung wird zum Gesetz – nur in Deutschland

Mit diesem Schritt soll einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nachgekommen werden. Diese empfiehlt allen Menschen ab 18 Jahren, die eine erste Janssen-Dosis erhalten haben, ihre Immunisierung mit einem mRNA-Präparat zu optimieren. Dies wird unabhängig vom Zeitpunkt der Erstimpfung empfohlen –aber mit einem Mindestabstand von vier Wochen.
Laut der EU-weiten Zulassung für Janssen hingegen ist für die Grundimmunisierung nur eine Dosis nötig – die Regeln in Deutschland weichen somit künftig hiervon ab. Betroffen von der neuen Regelung sollen in etwa 3,5 Millionen Menschen sein.
Kritik an der neuen Regelung kommt aus dem Bundestag von der Abgeordneten Zaklin Nastic von der Linkspartei. Sie schreibt auf Twitter:

Auch „Boosterstatus“ nach zwei Impfungen fällt weg

Die neue Regelung hat auch Auswirkungen auf den „Boosterstatus“ der mit Janssen erstgeimpften Menschen. Eine Drittimpfung sei auch nach Johnson & Johnson-Erstimpfung sowie einer Zweitimpfung sinnvoll, idealerweise mit einem mRNA-Impfstoff, so der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums.
Heute zählen in einigen Bundesländern Geimpfte mit Janssen nach nur einer weiteren Impfung schon als „geboostert“, wenn es um 2G-plus-Regeln geht und Eintritt nur Geimpften und Genesenen gestattet ist, die zudem getestet sind oder eine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Dies dürfte sich nach den neuen Regeln entsprechend so ändern, dass Menschen mit einer Dosis Janssen als ungeimpft und erst mit drei Dosen als geboostert gelten.
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