Atomausstieg verursacht mehr CO₂-Ausstoß als deutscher Pkw-Verkehr – Energieexperte

CC BY-SA 3.0 / E.ON Kernkraft GmbH - E.ON Kernkraft GmbH / WikimediaCommonsDas Kernkraftwerk Isar
Das Kernkraftwerk Isar - SNA, 1920, 17.02.2023
Der ehemalige SPD-Umweltsenator in Hamburg und Energieexperte Fritz Vahrenholt ist sich sicher, dass Deutschland zur Atomenergie zurückkehren muss. In einem Interview mit der „Bild“ hat er über seine Haltung aufgeklärt.
Zwar sei eine solche Rückkehr politisch aktuell nicht realistisch, räumte der frühere Top-Manager bei Shell, RWE und dem Windkraftkonzern REpower ein. Allerdings sei der von der Altkanzlerin Merkel „eingeläutete“ Atomausstieg eine „Geisterfahrt, die uns teuer zu stehen kommt und zu mehr CO₂-Ausstoß führt als der gesamte deutsche Pkw-Verkehr“.
Deutschland werde zur Atomenergie zurückkehren, ist Vahrenholt überzeugt. Irrsinn sei, dass im April das weltweit effizienteste und sicherste AKW Isar 2 stillgelegt werde.
„Also beziehen wir Strom aus teils veralteten Atomkraftwerken in Tschechien, Frankreich, bald auch aus Polen.“
Die „verbohrte“ Ampel-Politik gefährdet seiner Ansicht nach Arbeitsplätze am Industriestandort Deutschland.

Keine Hoffnung auf Flüssiggas

Die Gasversorgung über LNG-Terminals könne nur einen Bruchteil der Ausfälle beim Russland-Gas ersetzen, betonte Vahrenholt, der diese Woche sein neues Buch „Die Große Energiekrise“ vorlegt.
Er warnte zudem vor neuen Abhängigkeiten und Engpässen. „Kanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck haben sich ja in Katar, Norwegen, Israel eine Abfuhr eingehandelt, weil Deutschland das Erdgas nur noch für einige Jahre ordern will. Danach sollen Wind und Strom den Job erledigen.“
Allerdings ist das gesetzte Ziel, 80 Prozent des Stroms ab 2030 aus Wind und Sonne zu produzieren, aus Sicht des Experten „nicht machbar“.
Die Kompressorstation Sayda verbindet die Pipelinesysteme der Tschechischen Republik (Gazela-Pipeline) und Deutschlands.  - SNA, 1920, 24.01.2023
„Werden große wirtschaftliche Probleme haben“ – Tschechischer Energieexperte zu LNG-Importen

Industrie braucht „verlässliche Energie“

An Tagen, wo es keinen Wind und kaum Sonne gebe, stamme der Strom zu 60 bis 70 Prozent aus Kohle, Gas und „dem letzten Rest Kernenergie. Wenn wir die – wie geplant – abschalten, herrscht an 140 Tagen im Jahr Stillstand.“ Dabei würden 75 Prozent der deutschen Stromproduktion in Gewerbe und Industrie gehen, die „verlässliche Energie“ brauchen.
Auf Lieferungen von umweltfreundlichem Strom aus dem Ausland sei angesichts der europaweiten Wetterlagen kein Verlass: „Steht der Wind in Deutschland still, dreht sich auch in Dänemark, Frankreich, Polen und den Niederlanden kaum ein Windrad.“
Mit der aktuellen Energiepolitik verliere Deutschland massenhaft Wohlstand und Wirtschaftskraft, beanstandete Vahrenholt. „Millionen Arbeitsplätze gehen verloren, weil die Industrie in Länder abwandert, die preiswertere Energie bieten.“
Das Weltklima werde dadurch aber nicht besser:
„Wenn Daimler wegen zu hoher Energiekosten seine Motorenproduktion nach Shanghai verlagert, wächst die CO₂-Emission auf das Dreifache. Das kann kein Klimaaktivist gut finden. Und der grüne Abschalt-Minister Habeck auch nicht.“
Bundeskanzler Olaf Scholz  - SNA, 1920, 18.10.2022
Scholz: Betrieb der AKWs wird maximal bis Mitte April verlängert
Mit Wind und Sonne allein, ohne Absicherung durch Kohle, Gas oder Kernenergie, werde man sich uns in eine Sackgasse manövrieren, betonte Vahrenholt und begründete seine Forderung, das Frackingverbot in Deutschland aufzuheben.
Die deutschen Erdgasressourcen würden bei derzeitigem Gasverbrauch für mindestens 23 Jahre reichen und seien „wesentlich billiger als jeder Gastanker, bei dem durch Verflüssigung und Transport 25 Prozent mehr CO₂ produziert wird“, sagte er. Zudem setzte sich Vahrenholt für „grüne“ Kohlekraftwerke ein, bei denen das CO₂ bei der Verbrennung abgeschieden in tiefen Gesteinsschichten eingelagert werde.
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