Serbischer Energieexperte: Europa schießt sich in Energiekrise selbst ins Knie

Милош Здравковић
Милош Здравковић - SNA, 1920, 24.01.2023
Trotz der Anschuldigung von Bundeswirtschaftsminister Habeck, dass Präsident Putin „den Gashahn zugedreht hat“, wärmt Russland Europa weiterhin auf – sei es durch direkte Öl- und Gasexporte oder die Sicherstellung des Flusses von Energieträgern durch sein Territorium, erklärte der serbische Energieexperte Milos Zdravkovich gegenüber SNA.
Zdravkovich zufolge hat Moskau wiederholt erklärt, dass Russland an Energielieferungen nach Europa interessiert sei, und darauf gedrängt, herauszufinden, wer genau die Pipeline Nord Stream 1 gesprengt hat.
Der Experte äußerte die Auffassung, dass die Gefahr für die Europäische Union darin besteht, dass sie nicht wisse, mit welchen Energiepreisen sie zu rechnen habe – es gehe dabei nicht mehr um Heizung, sondern um die Bedürfnisse der Industrie. Europäische Waren würden viel teurer als asiatische und amerikanische, was sich nachteilig auf die Wirtschaft des Alten Kontinents auswirken würde.
Moskau hat Zdravkovich zufolge gleichzeitig im Hinblick auf den Ausbau des Netzes ausländischer Verbraucher russischer Energiequellen viel getan:
„In den letzten zwanzig Jahren hat Russland etwas getan, dem die Medien nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt haben – die Diversifizierung der Exportrichtungen. Sie haben rechtzeitig damit begonnen, ihre Unternehmen auf den asiatisch-pazifischen Markt vorzubereiten.“
Zdravkovic wies auf die Unmöglichkeit hin, das fehlende Gas durch LNG zu ersetzen.
„Ohne mich mit dem Krieg in der Ukraine zu befassen, glaube ich, dass alles, was derzeit passiert, darin besteht, dass Russland Reservekapazitäten in Asien, im asiatisch-pazifischen Raum, hat – und Europa nicht. Wenn wir über Gas sprechen, verbraucht Europa jährlich mindestens 500 Milliarden Kubikmeter“, sagte der Experte weiter.
Der Verbrauch sei um etwa zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr gestiegen, während die Produktion in Europa, hauptsächlich in den Niederlanden, zurückgegangen sei. Dabei gehe es um den EU-Markt, nämlich den Konsum und dessen Wachstum bis hin zur russischen Spezialoperation in der Ukraine und der Energiekrise, - „ohne die Türkei miteinzubeziehen“.

„Wir wissen, dass davon 400 Milliarden Kubikmeter Importe sind. Die Gesamtflotte von LNG-Tankern und allen Terminals auf unserem Planeten auf allen Kontinenten beträgt 400 Milliarden Kubikmeter. Auch wenn all dies nach Europa gerichtet ist, was natürlich unmöglich ist (…). Und niemand kann die Japaner, Koreaner, andere asiatische Länder, die Chinesen und Indien daran hindern, Gas zu kaufen. Nicht nur russisches, sondern generell beliebiges“, so der Experte.

Zum „Bumerang-Effekt“ für Europa durch die Aufgabe russischer Energiequellen kommentierte Zdravkovic:
„In allem Schlechten kann man etwas Gutes finden. Ich bin davon überzeugt, dass nach dieser Krise und diesem Krieg niemand mehr in der Lage sein wird, vor allem die großen europäischen Volkswirtschaften, die Bewohner der Europäischen Union und die Bewohner unseres Kontinents zu einem solchen Abenteuer zu zwingen.“
Der serbische Energieexperte ist der Meinung, dass es in Zukunft viel mehr Zusammenarbeit geben werde und dass die Wirtschaft die Politik besiegen werde, „was für die europäischen Bürger am wichtigsten ist“.
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