Die Deutschen bringen sich selbst um russisches Gas – Experte

© SNA / Nina SotinaWissenschaftsdirektor des Europa-Instituts in Moskau, Dr. Wladislaw Below
Wissenschaftsdirektor des Europa-Instituts in Moskau, Dr. Wladislaw Below - SNA, 1920, 23.01.2023
Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck behauptet, dass der russische Präsident für die aktuelle Energiekrise in Europa verantwortlich ist. Wladislaw Below, stellvertretender Direktor des Instituts für Europa der Russischen Akademie der Wissenschaften und Leiter des Zentrums für Germanistik, sieht es aber anders. Sein Kommentar gegenüber SNA.
„Für den deutschen Vizekanzler Habeсk ist es jetzt bequem zu sagen, dass Russland angeblich schuld an der aktuellen Gasknappheit ist, die im Sommer 2021 begonnen hat – lange vor den Kampfhandlungen in der Ukraine“, äußerte Below.
Gleichzeitig bediene sich Habeck der traditionellen Klischees mancher deutscher Politiker, Russland könne angeblich „Gas als Waffe“ einsetzen.
Russland soll Deutschlands Energiesicherheit ständig bedroht haben. Russisches Gas sei seit langem ein relativ günstiger Energieträger, der die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in der Welt sichere. Zusammen mit der Pipeline Nord Stream 1 seien zwei Stränge von Nord Stream 2 entstanden, so Below.
Am 21. Juli 2021 habe US-Präsident Biden in einer gemeinsamen Erklärung mit der damaligen deutschen Kanzlerin Merkel faktisch grünes Licht für die Gaspipelines gegeben – unter der Bedingung, sie würden nicht als Druckmittel auf ihre Partner angewendet.
„Zuallererst nicht auf Deutschland, sondern auf die Ukraine“, erklärte Below weiter.
In dieser Erklärung sei direkt die Bestimmung formuliert worden, dass Nord Stream 2 sofort gestoppt werde, „wenn Russland gegen diese Bedingung verstößt“. Und das habe wiederum Russland von Deutschland und den Vereinigten Staaten abhängig gemacht.

Deutschland verzichtet selbst auf russische Energiequellen

So sei die „Gas-Mauer“ von der deutschen Seite aufgebaut worden und werde von ihr beibehalten – nicht von der russischen. Dann hätten Spekulationen über die Aussichten für russische Gaslieferungen begonnen, und die Preise seien in die Höhe geschossen. Das Verhalten der Teilnehmer am Gasmarkt hing stark von diesen provokanten Argumenten ab.
„Und der schrittweise Verzicht auf russische Energiequellen – Gas, Öl und jetzt Kohle – ist zur Grundlage der Politik der Scholz-Regierung geworden und wird als Waffe gegen Russland eingesetzt“, schloss Below.
Man müsse aber dem Kanzler (Scholz – Anm. d. Red.) Tribut zollen. Er habe lediglich das Zertifikat für den Betrieb von Nord Stream 2 entzogen und „die Situation eingefroren“. Die Sanktionen gegen die Gaspipeline seien nur von den USA verhängt worden – und nicht einmal von Brüssel. Damit sei es möglich, den erhaltenen Pipeline-Zweig „buchstäblich innerhalb einer Woche“ zu zertifizieren.
„Darüber hinaus ist Russland bereit, die Gasversorgung durch andere Gaspipelines wiederherzustellen. Deutschland hat noch alle Möglichkeiten, es zu erhalten“, sagte Below.
Es gebe die von Polen blockierte „Jamal-Europa“-Gaspipeline sowie eine Gaspipeline durch die Ukraine – sie habe aber das Pumpen durch sie um 40 Prozent reduziert. Deutschland habe, so der Experte, reichlich Gelegenheit, „Druck auf seine Verbündeten auszuüben“. Darüber hinaus gebe es auch den „Türkischen Strom“, durch den Russland alle seine Verpflichtungen vollständig erfülle.
„Im Allgemeinen ist Russland bereit, Gas nach Deutschland zu liefern, aber die Deutschen selbst haben den Hahn abgedreht. Es sind sie, an denen es liegt, so viel Gas zu bekommen, wie sie brauchen, um ihre Häuser warm zu halten, Speicher zu füllen und Gas zu den Preisen zu bekommen, die derzeit auf dem Spotmarkt sind.“
Habeсks Aussage sei ein Versuch, die deutschen Verbraucher davon zu überzeugen, „dass Russland an all ihren Problemen schuld ist“. Leider vertraue die Mehrheit der deutschen Verbraucher ihrem Wirtschafsminister und nicht den objektiven Informationen, die sie auf der Gazprom-Website finden könnten, sagte Below abschließend.
Heinz-Christian Strache (Archivfoto)  - SNA, 1920, 23.01.2023
„Nachweislich die Unwahrheit“: Strache widerlegt Habecks Aussage zu russischen Gaslieferungen

Habeck gibt Putin für Energiekrise in Deutschland die Schuld

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat am Freitag bei der Eröffnung des schwimmenden LNG-Terminals in Brunsbüttel dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Schuld für die Gas-Probleme in Deutschland gegeben.
„Putin hat uns den Gashahn abgedreht“, sagte Habeck.
Dem Minister zufolge ist die Hälfte der bisherigen Lieferungen weggebrochen worden, die Gas-Leitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 seien kaputt und würden kaum in absehbarer Zeit wiederhergestellt.
Daher seien die drei LNG-Stationen, Wilhelmshaven, Lubmin und Brunsbüttel, wichtig, da man mit deren Hilfe bereits 55 Milliarden Kubikmeter Gas aufgebaut und somit einen Teil der weggebrochenen russischen Lieferungen gedeckt habe.
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