100. Jahrestag der Gründung der UdSSR

© SNA / Maxim Blinov / Zugriff auf das MedienarchivFestabend zum 100. Jahrestag der Gründung der UdSSR
Festabend zum 100. Jahrestag der Gründung der UdSSR - SNA, 1920, 30.12.2022
Im Dezember vor genau 100 Jahren wurde die Sowjetunion gegründet. Die spätere Weltmacht erlebte einige große Kriege und eine politische Schlacht gegen einen anderen globalen Hegemon – die USA. Wie entstand die Sowjetunion und warum zerfiel die kommunistische Gemeinschaft so schnell?

Wann wäre die UdSSR 100 Jahre alt geworden?

Am 30. Dezember vor 100 Jahren wurde die UdSSR gebildet. Sie umfasste 15 sozialistische Sowjetrepubliken: die Russische, Ukrainische, Weißrussische, Usbekische, Kasachische, Georgische, Aserbaidschanische, Litauische, Moldawische, Lettische, Kirgisische, Tadschikische, Armenische, Turkmenische und die Estnische.
Nach dem Zerfall des sowjetischen Staates wurde die Russische Föderation seine Rechtsnachfolgerin. Als Nachfolgerin der territorialen und materiellen Rechte der RSFSR ist sie gleichzeitig der Nachfolgestaat der Sowjetunion im Rahmen der Erfüllung der Verpflichtungen aus den zuvor abgeschlossenen bilateralen und multilateralen Verträgen.

Wann und von wem wurde die UdSSR gegründet?

Das offizielle Gründungsdatum ist der 30. Dezember 1922. Das ereignete sich nach der Vereinigung der RSFSR mit der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik und der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik.
Die Idee eines sowjetischen Staates beruhte auf dem Marxismus-Leninismus (eine auf den Lehren von Wladimir Lenin und Karl Marx beruhendeIdeologie), der mit dem Sturz des kapitalistischen Systems und dem Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft verbunden war. Seine Hauptvertreter am Anfang des 20. Jahrhunderts waren Josef Stalin, Wladimir Lenin und Leo Trotzki.
Der sozialistische Aufbau bot eine Hoffnung für das einfache Volk, das während des Russischen Reiches schwere Zeiten erlebte. Die innere Krise und der Erste Weltkrieg waren Antriebsfaktoren für die Entstehung der Sowjetunion. Allerdings gab es auch andere Gründe:
- Außenpolitisch.
Die Partei der Bolschewiki wollte ihre Macht auf ein möglichst großes Territorium ausdehnen.
- Wirtschaftlich.
Die vom Bürgerkrieg betroffene Wirtschaft verursachte Hunger. Russland war auf die Unterstützung von Seiten der Unionsrepubliken angewiesen.
- Territorial.
Während der Lebensmittellieferungen war es wichtig, sich frei zu bewegen. Der einheitliche Staat schuf optimale Bedingungen dafür. Das gesamte riesige Territorium war durch ein einheitliches Eisenbahnnetz verbunden.
- Kulturell.
Trotz verschiedener Wurzeln koexistierten die Völker schon lange Zeit, was zur Herausbildung einiger gemeinsamer Traditionen führte.
- Politisch.
DerRegierungsapparat der Unionsrepubliken, der aus Bolschewiki bestand, war der Zentralmacht strikt untergeordnet.
Aber die Idee der Schaffung eines sozialistischen Staates wurde nicht von allen unterstützt – in jeder Republik wurde der Übergang zur UdSSR auf verschiedene Weise wahrgenommen.
So erlebte die Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik viele Kriege – sowohl innere als auch äußere – vor dem Beitritt zur Sowjetunion. Nationalistische Bewegungen in den Republiken (jetzt Aserbaidschan, Armenien und Georgien) ermöglichten es nicht, ruhig einem neuen Staat beizutreten. Zudem erlebte jedes Land kurze Perioden der Unabhängigkeit vom Russischen Reich, das wegen der schwachen wirtschaftlichen Lage nicht lange standhalten konnte.
Darüber hinaus störten nationalistische Stimmungen in der Ukraine bei der „Vereinigung aller Proletarier". Im Lande kam es zu erbitterten Kämpfen zwischen geflohenen Vertretern der Weißen Garde und Kommunisten. Der Bürgerkrieg zwischen der Ukrainischen Volksrepublik und der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik dauerte rund zwei Jahre und endete im Sommer 1919, nach dem Abschluss eines Vertrags mit der RSFSR über die Bildung einer militärischen und wirtschaftlichen Union.

Wann wurde die UdSSR aufgelöst?

Die Geschichte des Zerfalls des sowjetischen Staates begann lange vor den Ereignissen von August 1991. Der sowjetische Staatsaufbau existierte fast 69 Jahre. Der letzte und einzige Präsident der Sowjetunion war Michail Gorbatschow. Am 25. Dezember 1991 verkündete er in einer Fernsehansprache die Beendigung seiner Tätigkeit im Amt des Staatschefs und unterzeichnete einen Erlass über die Übergabe der Steuerung der strategischen Atomwaffe an Russlands Präsident Boris Jelzin.
Gorbatschow sagte im September 2021 in einem Interview für die Zeitung „The Times“, dass die Welt im Falle der Beibehaltung der Sowjetunion besser wäre. Der Zerfall der UdSSR ereignete sich ihm zufolge wegen Separatisten und Radikalen, die die Union nach dem gescheiterten Putsch vom August 1991 zerstörten.

Gründe des Zerfalls

Laut dem Politologen und stellvertretenden Leiter des Instituts für Geschichte und Politik der Pädagogischen Staatlichen Universität Moskau, Dr. hist. Wladimir Schapowalow, gab es viele Gründe, die den Zerfall der Sowjetunion beeinflussten.
Die Sowjetunion hatte dem Experten zufolge sehr bedeutende und große Siege zu verzeichnen: den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg, die Erschließung des Weltraums, Errungenschaften in Wissenschaft und Industrie, Beseitigung des Mangels an Bildung, Erschließung und Entwicklung der Territorien, Umsetzung des sozialen Gerechtigkeitsprinzips. Zugleich sei weder die Sowjetunion als Staat noch ihre Gesellschaft perfekt gewesen, sie hatte viele ziemlich ernstzunehmende und anfällige Elemente, so Schapowalow.
In erster Linie geht es um den Dogmatismus der sowjetischen Ideologie, der einen ziemlich engen Korridor für die Entwicklung der Gesellschaft schuf. Zudem hatte die endlose Konfrontation mit den westlichen Ländern einen starken Einfluss auf die Wirtschaft des Staates.
„Die wirtschaftliche Konfrontation und das Wettrüsten mit den USA erfolgten unter Bedingungen der starken Beschädigung des sowjetischen Territoriums im Ergebnis des Großen Vaterländischen Krieges. Die UdSSR musste kolossale Anstrengungen unternehmen, um diese Gebiete wiederherzustellen. Diese Anstrengungen mussten mit der Notwendigkeit, das Kräftegleichgewicht im Wettrüsten mit der deutlich stärkeren Wirtschaft der USA und ihrer Satelliten aufrechtzuerhalten, kombiniert werden“, so Schapowalow.
Dabei hatte die US-Wirtschaft damals keine solchen Schwierigkeiten. Diese Konfrontation zwischen den Ländern wirkte sich negativ auf das ganze Land aus, das führte unter anderem zu weiteren Fehlern bei der Entwicklung der Planwirtschaft, dem Rückgang der Ölpreise und mehreren anderen Wirtschaftsproblemen, so der Experte.

Wie beeinflusste der Zerfall der Sowjetunion die Welt?

Der Experte führte Worte des Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, an, der den Zerfall der Sowjetunion „die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“ nannte. Der Zerfall eines so großen Staates wirkte sich negativ auf die ganze Weltgemeinschaft aus.
„Erstens gab es niemanden mehr, der die USA und ihre aggressiven Bestrebungen zurückhalten konnte – es begann eine Ära ‘einer Welt auf amerikanische Art‘. Das Ergebnis waren Bombenangriffe auf Belgrad, Vernichtung ganzer Staaten, riesige Zivilopfer in den Ländern Asiens, Afrikas und Europas. Das alles war eine Folge davon, dass es keine Möglichkeit mehr gab, Amerika Widerstand zu leisten, das Kräftegleichgewicht war zerstört“, so der Experte.
Die Zerstörung des Kräftegleichgewichts führte zum Wachstum der Instabilität in der ganzen Welt. In den Ländern Lateinamerikas und Afrikas ereigneten sich immer wieder Konflikte. Laut dem Experten entstanden rund um die Welt mehrere Bedrohungen wegen des internationalen Terrorismus.
Zudem führte der Zerfall der Sowjetunion zum Dominieren primitiver libertärer Wirtschaftsideen im gesellschaftlichen Diskurs, die darauf basierten, dass die Hand des Marktes alles an seinen Platz weisen wird. Die sowjetische Sozialpolitik war vor dem Zerfall des Staates ein Teil der westlichen Gemeinschaft. Soziale Garantien waren in vielen Verfassungen der westlichen Länder verankert, aber nach dem Zerfall wurden diese Ideen außer Bord geworfen, so der Experte.

Wie soll der Jahrestag gefeiert werden?

Der Erste Stellvertreter des Vorsitzenden des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands, Juri Afonin, schlug am 6. Dezember vor, den 100. Jahrestag der Gründung der UdSSR zu einem landesweiten Feiertag zu erklären.
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow äußerte sich am 8. Dezember anlässlich des 100. Jahrestages der Sowjetunion. Der Apparat des Präsidenten Russlands bezeichnet die Bildung der UdSSR als einen wichtigen Teil der russischen Geschichte, allerdings beabsichtige man dort nicht, das Jubiläum zu feiern. Zudem fügte er hinzu, dass die Sowjetunion ein wichtiger, unabdingbarer Teil der russischen Geschichte sei.
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