Studie: Armut in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen

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Obdachlose - SNA, 1920, 24.11.2022
Die Armut in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen – und der „soziale Stresstest“ hält wegen Rekordinflation und Corona-Pandemie weiter an. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor.
Die Quote der sehr armen Menschen, die weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, sei zwischen 2010 und 2019 um gut 40 Prozent gestiegen, berichtete das WSI in seinem am Donnerstag veröffentlichten Verteilungsbericht 2022. Und vieles spreche dafür, dass die Corona-Pandemie, die Energiepreisexplosion und die hohe Inflation diese Entwicklung in den Folgejahren weiter verschärft hätten.
Die Studie zeigt laut WSI zudem, wie stark dauerhafte Armut in Deutschland die gesellschaftliche Teilhabe schon in wirtschaftlich stabilen Zeiten einschränkt. Arme müssten etwa deutlich häufiger auf Güter des alltäglichen Lebens wie eine Grundausstattung mit Kleidung oder Schuhen verzichten, sie könnten seltener angemessen heizen, lebten auf kleinerem Wohnraum.
Das führe bei vielen Betroffenen zu einer erhöhten Distanz gegenüber dem politischen System: Dem Bericht zufolge halten lediglich 68 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze die Demokratie für die beste Staatsform. Nur 59 Prozent finden, die Demokratie in Deutschland funktioniere gut. „Armut und soziale Polarisierung können die Grundfesten unseres demokratischen Miteinanders ins Wanken bringen, vor allem dann, wenn sie sich verfestigen“, sagte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch.
In dem neuen Verteilungsbericht wertete das WSI die aktuellsten vorliegenden Daten aus zwei repräsentativen Befragungen aus: Zum einen aus dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP), für das rund 16.000 Haushalte jedes Jahr interviewt werden, und das aktuell bis 2019 reicht. Zum anderen aus der Lebenslagenuntersuchung der Hans-Böckler-Stiftung, für die 2020 und 2021 gut 4000 Menschen befragt wurden.
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