„Wie aus der Zeit gefallen“: Steuerzahlerbund, Union und Linke gegen Kanzleramts-Erweiterung

Vor dem Hintergrund der Energiekrise dringen mehrere Politiker auf Moratorium für den Erweiterungsbau des Kanzleramts. Auch der Steuerzahlerbund findet ihn nicht zeitgemäß, schreibt die „Augsburger Allgemeine“ am Freitag.
„Angesichts hoher Schulden, einer drohenden Rezession und voraussichtlich knapp gefüllter Kassen in den nächsten Jahrzehnten wirkt eine Verdopplung des Kanzleramts wie aus der Zeit gefallen“, so der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel.
Er befürchtetbereits, dass die tatsächlichen Kosten den gesteckten Rahmen sprengen könnten.

„Der Neubau muss in der Form gestoppt werden“, so Holznagel.

Die CDU/CSU im Bundestag dringt auf ein Moratorium, obwohl die Planungen in die Amtszeit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel zurückreichen.
„Wir haben den Erweiterungsbau damals in einer stabilen Situation beschlossen, nun aber haben sich die Zeiten massiv geändert“, erklärt der Fraktionsvize Ulrich Lange. Die Bundesregierung wolle das Projekt durchziehen, als wäre die Welt in Ordnung.
Als unzeitgemäß bezeichnet den Erweiterungsbau auch der Linke-Fraktionschef, Dietmar Bartsch: „Gerade in diesen Zeiten wäre Bescheidenheit und Zurückhaltung angesagt.”
© Schultes Frank Architekten / BundesregierungEine erhöhte Landeplattform für Hubschrauber ersetzt die ursprüngliche Landefläche im Park.
Eine erhöhte Landeplattform für Hubschrauber ersetzt die ursprüngliche Landefläche im Park.  - SNA
1/5
Eine erhöhte Landeplattform für Hubschrauber ersetzt die ursprüngliche Landefläche im Park.
© Foto : Schultes Frank Architekten / BundesregierungEine neue Fußgängerbrücke im Süden als Verbindung über die Spree.
Eine neue Fußgängerbrücke im Süden als Verbindung über die Spree.  - SNA
2/5
Eine neue Fußgängerbrücke im Süden als Verbindung über die Spree.
© Foto : Schultes Frank Architekten / BundesregierungBlick von der Nordbrücke auf Kantine, Hubschrauberlandeplatz und Bürogebäude
Blick von der Nordbrücke auf Kantine, Hubschrauberlandeplatz und Bürogebäude  - SNA
3/5
Blick von der Nordbrücke auf Kantine, Hubschrauberlandeplatz und Bürogebäude
© Foto : Schultes Frank Architekten / BundesregierungWintergarten, Blick zum Bundesministerium des Innern und für Heimat
Wintergarten, Blick zum Bundesministerium des Innern und für Heimat  - SNA
4/5
Wintergarten, Blick zum Bundesministerium des Innern und für Heimat
© Foto : Schultes Frank Architekten / BundesregierungBlick auf das geplante Ensemble mit bogenförmigem Bürogebäude, Hubschrauberlandeplattform sowie Post- und Logistikbereich.
Blick auf das geplante Ensemble mit bogenförmigem Bürogebäude, Hubschrauberlandeplattform sowie Post- und Logistikbereich.  - SNA
5/5
Blick auf das geplante Ensemble mit bogenförmigem Bürogebäude, Hubschrauberlandeplattform sowie Post- und Logistikbereich.

Komplexe Planungen

Das Kanzleramtsgebäude wurde im Jahr 2001 erstmals bezogen. Es war für maximal 460 Arbeitsplätze ausgelegt. Seitdem ist die Zahl der Beschäftigten gewachsen: von 410 auf derzeit 750. Mehr als 200 Mitarbeiter mussten auf andere Gebäude außerhalb des Kanzlerparks ausweichen. Durch den Erweiterungsbau sollen 400 zusätzliche Büros entstehen, heißt es vom Kanzleramt. Weil die Baumaßnahmen sehr komplex seien, sei eine umfangreiche Planungsphase bis Ende 2022 vorgesehen. Der Baubeginn sei für das Frühjahr 2023 geplant. Die Bauzeit werde voraussichtlich vier bis fünf Jahre betragen. Die Kosten werden derzeit auf 777 Millionen Euro geschätzt, so die Behörde.
Beim geplanten Erweiterungsbau für das Kanzleramt wird aber hinter den Kulissen bereits von einer Kostenverdoppelung auf eine Milliarde Euro ausgegangen, schreibt die „Augsburger Allgemeine“ unter Verweis auf Insiderquellen aus dem Kanzleramt.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала