- SNA, 1920, 19.08.2022
Russische Spezialoperation in der Ukraine
Die wichtigsten Nachrichten über die Lage in der Ukraine und Russlands Spezialeinsatz zu deren Entmilitarisierung und Entnazifizierung.

Neutralität an der Schule? Lehrer in Hannover wegen „falscher“ Ukraine-Haltung entlassen – Exklusiv

CC0 / coyot / Pixabay / Klasse (Symbolbild)
Klasse (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.10.2022
Über sieben Jahre hat Christian Weinholtz Deutsch und Kunst an einer Gesamtschule in Hannover unterrichtet und einen guten Umgang mit seinen Schülern gepflegt – bis er sich einen Tag wagte, bei Einschätzung des Ukraine-Konflikts im Unterricht vom öffentlichen Kurs der Regierung abzuweichen und zur Neutralität an der Schule aufzurufen.
Mittlerweile ist Christian vom Schuldienst suspendiert worden. Anfang der Woche erhielt er seine Entlassungsurkunde. Im Begleitschreiben der Landesschulbehörde wurden gesundheitliche Gründe genannt. Dabei erfreut er sich bester Gesundheit. Die Hintergründe für seine Entlassung hat Christian in einer E-Mail an SNA erklärt und mit Beweisen belegt. Im Folgenden wird die kurze Fassung seines Schreibens angeführt.
Anfang März erhielten die Lehrer die Mitteilung der Schulleitung, dass für den 04.03.2022 eine Schweigeminute für die Ukraine angesetzt war. Bereits am 28.02.2022 schrieb uns die Rektorin Frau L., dass es Videos zum Ukraine-Konflikt gibt, die wir im Unterricht einsetzen können.
E-Mail der Schuldirektorin der IGS Büssingweg an die Mitarbeiter mit Einladung zur Schweigeminute-Aktion (Screenshot)
E-Mail der Schuldirektorin der IGS Büssingweg an die Mitarbeiter mit Einladung zur Schweigeminute-Aktion (Screenshot) - SNA, 1920, 24.10.2022
E-Mail der Schuldirektorin der IGS Büssingweg an die Mitarbeiter mit Einladung zur Schweigeminute-Aktion (Screenshot)
Am Freitag, den 04.03.2022 sprach ich mit den Schülern meines Deutschkurses des neunten Jahrgangs über diese Schweigeminute und erinnerte sie daran, dass die Teilnahme freiwillig sei. Ich sprach mit ihnen über die Einseitigkeit der Berichterstattung in den Medien und der aufgeheizten Stimmung gegen Russland in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung.
Zudem äußerte ich meine starken Bedenken, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Ich sagte ihnen, dass früher die Schulkinder am Sedantag (er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee 1870) während des Kaiserreichs, am Geburtstag Hitlers während des 3. Reichs und zum 40. Jahrestages der DDR zu öffentlichen Kundgebungen gehen mussten. Die Schule von heute als neutraler Ort, was religiöse, gesellschaftliche und ideologische Dinge betrifft, dürfe die Schüler nicht zu politisch motivierten Manifestationen missbrauchen. Dazu zählen ich auch Aktionen von „Fridays For Future“, zu denen die Schule eine eindeutig positive Ansicht vertritt.
E-Mail des Schulleiters der Integrierten Gesamtschule Büssingweg über die „Fridays for Future“-Demos an die Mitarbeiter (Screenshot)
E-Mail des Schulleiters der Integrierten Gesamtschule Büssingweg über die „Fridays for Future“-Demos an die Mitarbeiter (Screenshot) - SNA, 1920, 24.10.2022
E-Mail des Schulleiters der Integrierten Gesamtschule Büssingweg über die „Fridays for Future“-Demos an die Mitarbeiter (Screenshot)
Um den Schülern zu zeigen, für wen sie in dieser Schweigeminute Position beziehen, forderte ich sie auf, im Internet nach dem Begriff „Asow-Bataillon“ zu suchen. Dort lasen sie über die vom Innenministerium in Kiew finanzierten rechtsextremen und faschistischen paramilitärischen Einheiten und sahen ihre Symbole Hakenkreuz und SS-Runen. Und sie fanden ein Foto Witali Klitschkos zusammen mit Asow-Führern. Ich erzählte ihnen auch, dass der Konflikt schon im Jahre 2014 mit dem Putsch in Kiew und mit den Angriffen der ukrainischen Faschisten (die Symbole auf den Fotos zeigten es eindeutig, also sprach ich auch dieses Wort aus) auf die Bewohner des Donbass begann, wo zahlreiche Frauen, Männer und Kinder ermordet wurden.
Einige Schüler erklärten daraufhin, dass sie der Veranstaltung fern bleiben wollten. Ich mahnte sie zur Vorsicht, wenn sie bestimmte „Wahrheiten“ hörten und dass sie immer mehrere Quellen nutzen und ihre Kenntnissen in Geschichte vermehren sollten.
In der Woche darauf überschlugen sich die Ereignisse. Zuerst kam eine Kollegin, eine Förderlehrerin, zu mir in die Deutschstunde. Sie sagte, dass sie noch freie Kapazitäten hätte und mich gerne bei den Schülern unterstützen will, die noch nicht gut Deutsch sprechen. Meine Schulleiterin verlangte von mir am nächsten Tag eine detaillierte schriftliche Planung meiner Unterrichtseinheit mit einer fachlichen und didaktischen Analyse, in der jede einzelne Stunde berücksichtigt wird.
Dann sagte mir ein Schüler, dass seine Klassenlehrerin gesagt hätte, dass ich lügen würde: Es gäbe keine Nazis in der Ukraine und das wären alles „Fake-News“. Dann sagte mir eine Schülerin, dass es einen Mitschüler im Kurs gäbe, der erzählt, dass ich heimlich in der Schule Alkohol trinken würde.
Das Gespräch mit der Schulleitung fand am folgenden Tag statt. Im Gespräch wurde mir der Beschwerdebrief eines Schülers vorgelesen, dessen Name mir nicht genannt wurde. Er beklagte, dass ich einen schlechten Unterricht mache und dass ich sehr lange im Deutschunterricht über Lügen hinsichtlich des Ukraine-Konflikts gesprochen und mich auf die Seite Russlands gestellt hätte.
Man erklärte mir, dass ein eindeutiger Verstoß meinerseits gegen das Beamtenrecht vorliege und ich eine staatsfeindliche Delegitimierung der BR Deutschland betreibe. Auf meinen Einwand, dass ich mich auf historische Vergleiche stütze und auch, dass die Berichte der deutschen Medien aus den Jahren 2014 und 2015 über das rechtsradikale Asow-Bataillon noch immer im Internet zu finden sind, ging niemand ein.

Auf meine Frage, ob der Aufruf seitens der Schule zu einer politischen Aktion für die Ukraine dem Neutralitätsgrundsatz entsprechen würde, sagte sie mir, dass ich meine Haltung sofort ändern müsse, da ansonsten mein Status als Beamter und mein Beruf als Lehrer in Gefahr wären.

Seit diesem Tag war ich nicht mehr in der Schule. Mein Hausarzt schrieb mich wegen depressiver Verstimmungen krank. Im Mai erhielt ich einen Termin bei einer Amtsärztin, der durch die Landesschulbehörde veranlasst wurde und im Juli sollte ich mich bei einem Psychiater vorstellen, der meine Dienstfähigkeit feststellen sollte. Ende September erhielt ich ein Schreiben der Landesschulbehörde, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich aus dem Schuldienst entlassen werden soll.
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