Ein Blick in die Geschichte der Regionen DVR, LVR, Cherson und Saporoschje

© SNA / Sergey Averin  / Zugriff auf das MedienarchivRettungskräfte des Katastrophenschutzministeirums der DVR hissen Russland-Flagge über dem Zentrum von Donezk
Rettungskräfte des Katastrophenschutzministeirums der DVR  hissen Russland-Flagge über dem Zentrum von Donezk - SNA, 1920, 23.09.2022
Vom 23. bis zum 27. September finden in den Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie in den von Russland kontrollierten Regionen Cherson und Saporoschje Referenden über den Beitritt zu Russland statt.
Am 21. Februar hat Russland offiziell die DVR und LVR als unabhängige Republiken anerkannt. Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte am 24. Februar den Beginn einer Spezialoperation in der Ukraine an – damit reagierte er auf die Hilferufe der beiden Republiken, deren überwiegend russischsprachige Bevölkerung zunehmenden Angriffen seitens Kiews ausgesetzt ist. Das nationalistische Kiewer Regime, das durch einen vom Westen unterstützten Putsch an die Macht kam, tötete im Laufe von acht Jahren Tausende von Zivilisten, wobei alle von Russland unternommenen Versuche, den Konflikt friedlich zu lösen, von den ukrainischen Beamten vereitelt wurden.
Im Laufe der Spezialoperation wurden große Teile der DVR und das gesamte Territorium der LVR befreit. Die russischen Streitkräfte übernahmen auch die Kontrolle über die Region Cherson und den Asowschen Teil der Region Saporoschje, und in den beiden Regionen wurden neue Verwaltungen eingesetzt. Nachfolgend ein Blick auf die Gebiete, die momentan über ihre Zukunft entscheiden.

Donezker Volksrepublik (LVR)

Die Donezker Volksrepublik hat gemeinsame Grenzen mit der Ukraine, Russland und der Volksrepublik Lugansk.
Nach Angaben des Hauptamtes für Statistik der DVR wird die Bevölkerung zum 1. März 2022 auf etwa 2.198.000 Einwohner geschätzt. Die DVR ist eine Präsidialrepublik mit den drei größten Städten Donezk, Makejewka und Gorlowka.
Die Stadt Donezk entstand in den frühen 1860er Jahren aus einer Bergbausiedlung.
Am Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Region einen industriellen Aufschwung mit dem Bau von Metallurgie- und Maschinenbaufabriken, Eisenbahnen und Bergwerken.
Während des Zweiten Weltkriegs (Großer Vaterländischer Krieg) wurde Donezk am 20. Oktober 1941 von deutschen Truppen besetzt. In den drei Konzentrationslagern, die die Nazis in der Stadt und in der Umgebung eingerichtet hatten, starben schätzungsweise 92.000 Menschen. Am 8. September 1943 wurde Donezk im Rahmen der Donbass-Offensive von den sowjetischen Truppen befreit.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 wurde das Gebiet der heutigen Volksrepublik Donezk Teil der Ukraine. Während seiner gesamten Geschichte konzentrierte sich die Wirtschaft der Region auf die Metallurgie, den Maschinenbau, die Chemie- und Kohleindustrie, die Elektrizitätswirtschaft, die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie.
Im Jahr 2014 begannen in den südöstlichen Regionen Proteste, da Menschen zunehmend mit der neuen Führung der Ukraine unzufrieden waren, nachdem der damalige Präsident Viktor Janukowitsch durch einen von Washington und Brüssel orchestrierten Staatsstreich gestürzt worden war. Dies löste einen Bürgerkrieg im Donbass aus.
Am 13. April 2014 kündigte der amtierende ukrainische Präsident Alexandr Turtschynow eine „groß angelegte Anti-Terror-Operation” unter Beteiligung der Armee gegen die überwiegend russischsprachigen südwestlichen Regionen an.
Am 11. Mai 2014 wurde in der Region Donezk ein Referendum über die Abspaltung abgehalten, da man befürchtete, dass die neuen nationalistischen Politiker ihnen das freie Sprechen der russischen Sprache verbieten würden. Am 12. Mai rief die DVR aufgrund der Souveränitätserklärung vom 7. April ihre Unabhängigkeit aus. Neben Russland wurde die Unabhängigkeit der DVR auch von der Lugansker Volksrepublik, der Republik Abchasien, der Republik Südossetien, Nordkorea und Syrien anerkannt.
Seit dem 24. Februar 2022 wurde der größte Teil der DVR, einschließlich der großen Hafenstadt Mariupol, von den Truppen des Kiewer Regimes befreit.

Lugansker Volksrepublik (LVR)

Die Lugansker Volksrepublik grenzt an die Ukraine, Russland und die DVR. Die Fläche der Republik beträgt 26.700 Quadratkilometer und zum Stand vom 1. Mai 2022 wird die Bevölkerungszahl auf circa 1.390.000 Menschen geschätzt. Die größten Städte der Republik sind Lugansk, Krasny Lutsch und Altschewsk.
Die Stadt Lugansk wurde in den Jahren 1795-1796 als Siedlung am Lugansker Eisenwerk gegründet, das auf Erlass der Zarin Katharina II. errichtet wurde.Das Werk wurde gegründet, um die Schwarzmeerflotte und die Festungen an der Küste mit Geschützen und Granaten zu versorgen.
Am 8. November 1917 wurde die Sowjetmacht in Lugansk etabliert. Während der Revolution und des Bürgerkriegs (von 1917 bis 1922) wurde die Stadt von April bis November 1918 von deutschen und österreichischen Truppen besetzt. Am 24. Dezember 1919 wurde die Stadt schließlich von Einheiten der Roten Armee befreit. Im Laufe der Jahre war Lugansk ein Verwaltungs-, Kreis- und Bezirkszentrum der Provinz Donezk, später der Region Donezk der Ukrainischen SSR.
Während des Zweiten Weltkriegs, am 17. Juli 1942, wurde Lugansk von deutschen Truppen besetzt. Die Stadt wurde am 14. Februar 1943 befreit. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde das Gebiet der heutigen Lugansker Volksrepublik Teil der Ukraine.
Im Jahr 2014 lösten die Maßnahmen der neuen ukrainischen Führung die gleichen Stimmungen im Gebiet Lugansk aus wie in der Region Donezk, und in den südöstlichen Regionen des Landes kam es zu Protesten. Am 11. Mai 2014 fand in der Region Lugansk ein Referendum über die Selbstbestimmung statt, und am 12. Mai 2014 wurde ihre Unabhängigkeit proklamiert.
Infolge der am 24. Februar eingeleiteten russischen Militäroperation wurde das gesamte Gebiet der Republik befreit.
Das industrielle Potenzial der Lugansker Volksrepublik liegt in der Schwerindustrie wie Maschinenbau, Chemie, Petrochemie, Lebensmittelindustrie, Holzverarbeitung, Textil- und Baustoffindustrie.
Im Jahr 2021 waren 73 Prozent der LVR-Exporte metallurgische Produkte.

Region Cherson

Die Region Cherson grenzt im Norden an die ukrainische Region Dnepropetrowsk, im Süden an die Halbinsel Krim, im Osten an die Region Saporoschje und im Westen an die Region Nikolajew.
Die Region Cherson hat Zugang zum Asowschen Meer im Südosten und zum Schwarzen Meer im Südwesten. Die Häfen am Schwarzen Meer sind Cherson und Skadowsk.
Cherson, Nowaja Kachowka und Kachowka sind einige der größten Städte der Region. Die Kaiserin Katharina die Große beschloss am 29. Juni 1778, die Stadt Cherson zu gründen. Vom Jahr 1785 bis zum Jahr 1794 befand sich in Cherson die Verwaltung der Schwarzmeerflotte.
Nach der Revolution von November 1917 bis Januar 1918 stand die Stadt unter der Kontrolle der Behörden der Ukrainischen Volksrepublik. Die Sowjetmacht wurde Ende Januar 1918 erklärt.
Das Gebiet Cherson wurde am 30. März 1944 durch einen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR als Teil der Ukrainischen SSR gebildet.
Vor der Revolution war das Gebiet eine typische Agrarregion, deren Industrie hauptsächlich aus der Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe, dem Schiffbau und der Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten bestand. In den Jahren des Sozialismus entwickelte sich die Region Cherson zu einer Industrie- und Agrarregion mit hoch entwickeltem Maschinenbau, Ölraffinerie, Leicht- und Lebensmittelindustrie. Die Region wurde durch das Wasserkraftwerk Kachowskaja und das Wärmekraftwerk Cherson mit Strom versorgt.
Im Zuge der russischen Sonderoperation in der Ukraine übernahmen russische Truppen die Kontrolle über die Region Cherson.

Region Saporoschje

Die Region Saporoschje grenzt an die Regionen Cherson, Dnepropetrowsk und Donezk. Die südlichen Grenzen der Region werden vom Asowschen Meer umspült.
Die größten Städte der Region sind Saporoschje, Melitopol, Berdjansk, Tokmak und Energodar.
Die Geschichte von Saporoschje reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1768 begann Katharina die Große einen Krieg gegen das Osmanische Reich und beschloss im Jahr 1770 den Bau der sogenannten Dnjepr-Verteidigungslinie. Sieben Festungen, die sich von den Stromschnellen des Flusses Dnjepr bis zum Asowschen Meer erstreckten, sollten Schutz vor Angriffen der Krimtataren bieten.
Die nördlichste und die größte Festung Alexandrowskaja wurde zu Ehren des Kommandeurs der Ersten Russischen Armee, Alexander Golizyn, genannt.
Nach dem Bau einer Eisenbahnlinie im Jahr 1873 nach Jekaterinoslaw und dann nach Sewastopol wurde Alexandrowsk zu einem Knotenpunkt für den Getreidetransport über Odessa nach Europa.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich Alexandrowsk zu einem Maschinenbauzentrum.
Während des Bürgerkriegs vom Jahr 1917 bis zum Jahr 1922 wurde Alexandrowsk von April bis November 1918 von deutschen und österreichischen Truppen besetzt. Die Stadt wechselte mehrmals den Besitzer und wurde zwischen 1919 und 1920 mehrmals von Truppen des ukrainischen Revolutionärs Nestor Machno eingenommen. Im Januar 1920 wurde Alexandrowsk von Einheiten der Roten Armee eingenommen und im Jahr 1921 in Saporoschje umbenannt.
Nach dem Bau des Dnjepr-Wasserkraftwerks, des größten Wasserkraftwerks am Dnjepr, wurde Saporoschje zu einem der größten Zentren der Eisen- und Nichteisenmetallurgie sowie der Energiewirtschaft der Sowjetunion.
Mit dem Ausbruch des Großen Vaterländischen Kriegs stellten die Unternehmen der Stadt auf die Rüstungsproduktion um. Vom Jahr 1941 bis zum Jahr 1943 war die Stadt von der deutschen Armee besetzt. Im Jahr 1943 wurde die Stadt von den sowjetischen Truppen von den Nazis befreit. Seit dem Jahr 1991, nach der Auflösung der UdSSR, war Saporoschje Teil der Ukraine. Die Region Saporoschje ist einer der größten Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln. Mindestens 12 Prozent des Weizens und 16 Prozent der ukrainischen Gerste werden in dieser Region angebaut, die reich an Schwarzerde ist.
In der Region sind Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Maschinenbau, Energie, Chemie und Petrochemie, Lebensmittel- und Leichtindustrie, Landwirtschaft und pharmazeutische Produktion angesiedelt.Über 160 große Industrieunternehmen sind hier tätig, darunter der Stahl- und Eisenproduzent Saporoschstal. Die Region produziert auch etwa 25 Prozent des ukrainischen Stroms. Das Atomkraftwerk Saporoschje befindet sich in der Stadt Energodar. Seit der Inbetriebnahme des sechsten Blocks im Jahr 1996 ist das Atomkraftwerk das größte in Europa und das drittgrößte in der Welt. Das Atomkraftwerk wird seit zwei Monaten von Kiews Truppen beschossen, obwohl Moskau dazu aufgerufen hat, eine nukleare Katastrophe zu verhindern.
In einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) über die Lage um das AKW Saporoschje wurde angesichts der internationalen Besorgnis über eine mögliche nukleare Katastrophe ein Ende des Beschusses der Anlage gefordert.
Während der von Moskau am 24. Februar eingeleiteten Militäroperation in der Ukraine gerieten das Atomkraftwerk und das umliegende Gebiet unter die Kontrolle der russischen Streitkräfte. Das russische Militär übernahm auch die Kontrolle über den Asowschen Teil der Region Saporoschje, der mehr als 70 Prozent dieser Region ausmacht.
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