Trotz Sanktionen: Stahl aus Russland kommt nach Deutschland

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Stahlindustrie (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.09.2022
Zwar wurden Metall-Importe aus Russland seit März von der EU sanktioniert – dennoch kommt Stahl aus Russland weiterhin in nahezu unveränderten Mengen nach Europa. Insider und Experten der Branche stellen fest, dass dieses Phänomen sowohl durch Ausnahmeregelungen, als auch durch das Verschleiern des Herkunftslandes zu erklären ist.
„Die EU-Sanktionen sind in diesem Feld nicht konsequent ausgelegt und zu lückenhaft“, stellte Klaus Schmidtke von der Wirtschaftsvereinigung Stahl fest. „Es ist unverständlich, dass gerade Stahl aus Russland teilweise von den Sanktionen ausgenommen ist.“
Laut einer entsprechenden EU-Verordnung fallen Zwischenprodukte, so genanntes Halbzeug wie Brammen und Knüppel, nicht unter die Sanktionierung.
Bestimmte russische Stahlerzeugnisse können auch weiterhin rechtmäßig in die EU eingeführt werden“, bestätigte Matteo Somaini, Präsident der Schweizer Stahlhändlervereinigung LCTA in Lugano. Voraussetzung sei, dass die Erzeugnisse von Unternehmen hergestellt würden, die nicht von den Sanktionen betroffen seien.
Nach der Verhängung der EU-Sanktionen mussten sich russische Unternehmen auf andere Märkte umstellen. Größere Mengen dieser Produkte gingen unter anderem nach China oder in die Türkei. Dort sollen Teile auch weiter nach Deutschland geschafft worden sein, als Ware, die umetikettiert wurde oder als Produkt, dessen Herkunft schlicht unbekannt ist, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Für Stahlimporte gebe es zwar Einfuhrquoten, doch seien diese derart lasch, dass die Waren nahezu frei auf den Weltmärkten zirkulieren.
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Zugleich müssen deutsche Metallunternehmen zunehmend mit hohen Energiekosten kämpfen und eine Rezession befürchten. Im Juni 2022 wurden knapp 3,2 Millionen Tonnen Rohstahl produziert. Dies entspricht einem Rückgang von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Wie „Die Welt“ berichtete, wird etwa Stahl-Hersteller Arcelor Mittal demnächst zwei Anlagen in Deutschland vorerst stilllegen, andere Hersteller könnten folgen. Die Kosten seien wegen der hohen Strom- und Gaspreise einfach zu hoch.
Wie Schmidtke betonte, würde dies zu beträchtlichen Nachteilen im internationalen Wettbewerb führen. Dass die steigenden Energiekosten ebenfalls eine unmittelbare Folge der EU-Sanktionen sind, ist mittlerweile eine derart offensichtliche Selbstverständlichkeit, dass er diese wohl nicht mehr zu erwähnen brauchte.
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