„Vor der Datenwand“: Wissenschaftler fordert Offenlegung von Impfstoff-Studien

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Spritze (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.09.2022
Der US-amerikanische Pharmazieprofessor Peter Doshi, der zusammen mit einer internationalen Forschergruppe schwerwiegende Nebenwirkungen bei Erwachsenen nach der mRNA-Impfung gegen Covid-19 analysierte hatte, hat die Geheimhaltung von Daten der Impfstoffstudien kritisiert und von Pharmaunternehmen mehr Transparenz in dieser Frage gefordert.
Die Studie, die auf den Daten der klinischen Phase-III-Studie beruht, die Pfizer und Moderna für die Beantragung der Eilzulassung vorgelegt hatten, ist kürzlich im Fachmagazin „Vaccine“ erschienen.
Dem Wissenschaftler zufolge steht die Öffentlichkeit „vor einer Datenwand“.

„Wir versuchen seit Langem, an die detaillierten, individuellen Teilnehmerdaten der großen mRNA-Zulassungsstudien aus dem Jahr 2020 zu gelangen. Ohne Erfolg“, beanstandete er in einem Interview mit der „Welt“. „Erst anhand dieser Daten lassen sich Risiken und Nutzen zuverlässig gegeneinander abwägen“.

Der Professor verwies darauf, dass Pfizer die Daten seiner Impfstoff-Studien erst im Februar 2024 veröffentlichen wolle. Bei Moderna stehe der 29. Dezember 2022 als Abschlussdatum fest. Die Geheimhaltung von Daten sei inakzeptabel, betonte er. „Da steht die Frage im Raum, wie Regierungen solche Produkte empfehlen oder gar anordnen können.“

Verfahrensfehler

Die US-Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA habe zwar mehrere Hunderttausend Seiten Daten öffentlich zugänglich gemacht. Die detaillierten Patientendaten der Studienteilnehmer seien jedoch nicht angegeben. Ohne die detaillierten Patientendaten könnten die Forscher lediglich einen Durchschnitt der schweren Nebenwirkungen in allen Altersgruppen feststellen.
Die Meta-Analyse seiner Forschergruppe habe ergeben, dass bei den mRNA-Impfstoffen schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen wie etwa Nierenschäden, bei einem von 800 Geimpften auftreten könnten. Der Wert liege deutlich höher als die ein bis zwei Fälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen pro einer Million Geimpfter, die für klassische Impfstoffe akzeptiert würden.
In der Pfizer/Biontech-Impfstoffgruppe seien schwere Nebenwirkungen um 36 Prozent häufiger aufgetreten als in der Placebogruppe. Bei Moderna habe dieser Wert bei sechs Prozent gelegen.
„Kombiniert man beide Studien, kommt man auf ein um 16 Prozent erhöhtes Risiko einer schweren Nebenwirkung durch Covid-Impfstoffe. Das ist bedenklich für Menschen, die ein niedriges Risiko für schwere Verläufe haben, etwa Kinder, Jugendliche oder gesunde Erwachsene unter 60 Jahren.“
Als Mangel der Studien von Pfizer und Moderna stufte Doshi die Verfahrensmethode ein, bei der auch die Probanden gezählt wurden, die nur eine Impfdosis erhalten hatten. Die Zahl der Teilnehmer werde somit vergrößert und das Nebenwirkungsrisiko rein rechnerisch vermindert.
Ein weiterer Verfahrensfehler sei, dass ein Großteil der Probanden „entblindet“ worden sei.
„Sechs Monate nach Studienbeginn waren dann nur noch sieben Prozent der Studienteilnehmer verblindet. Damit wurden die Impfstoff- und Placebogruppen immer weniger vergleichbar.“
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Zudem seien Hunderte Teilnehmer im Nachhinein von den Studien ausgeschlossen worden, wodurch das Ergebnis verzerrt worden sei. Dies hätte nach Doshis Ansicht den Wert der Wirksamkeit beeinflussen können.

mRNA-Impfstofe schützen nicht vor Infektion

Außerdem verwies der Wissenschaftler auf die Tatsache, dass die mRNA-Impfstoffe zwar schwere Krankheiten verhindern, aber nicht vor Übertragung der Krankheit schützen könnten, weil sie keine Herdenimmunität erzeugen würden, die eine Blockade der Infektion voraussetze. Die Impfstoff-Studien seien nicht auf die Frage eingegangen, ob die Vakzine das Risiko einer Sars-Cov-2-Infektion verringern würden. Erforscht sei lediglich der Aspekt, ob die Impfstoffe die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung verringern würden.
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Die Daten von Pfizer und Moderna hätten zwar gezeigt, dass das Risiko einer schweren Erkrankung verringert sei. Immer noch sei unklar, wie lange die Impfung wirke und bei wem. Wie stark sich die Virulenz des Virus inzwischen verändert habe und ob es eine zunehmende Immunflucht des Körpers vor den Impfstoffen gebe, sei ebenfalls unklar:
„Auch hier versagen die klinischen Daten der Hersteller. Vermutlich tritt gerade beim Nutzen-Schaden-Verhältnis eine drastische Verschiebung ein. Aber ohne ausreichende Daten ist auch das schwer zu beurteilen.“
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