„Rezession wird unvermeidbar sein“: DIW-Chef sagt Deutschland düstere Zukunft voraus

© AP Photo / Michael SohnEine deutsche Nationalflagge weht vor dem Reichstagsgebäude, dem Sitz des Deutschen Bundestages, in Berlin am 3. Januar 2022.
Eine deutsche Nationalflagge weht vor dem Reichstagsgebäude, dem Sitz des Deutschen Bundestages, in Berlin am 3. Januar 2022. - SNA, 1920, 10.09.2022
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, rechnet mit einem tiefen und lang anhaltenden Abschwung im Land, den viele Unternehmen nicht überstehen werden.
„Die Rezession wird unvermeidbar sein, wir befinden uns schon in einem Abschwung“, sagte Fratzscher in einem Interview mit dem Redaktions¬Netzwerk Deutschland (RND).
Deutschland werde „einen riesigen Strukturwandel“ in der Wirtschaft erleben. Auch die langfristigen Aussichten sind nach Meinung des Ökonomen düster. Seine Sorge sei „gar nicht so sehr, dass wir in den nächsten zwei Quartalen schrumpfen werden, sondern dass es auch danach keine Erholung geben wird“.
„Wir rechnen mit einer schrumpfenden Wirtschaft für das Gesamtjahr 2023, und auch 2024 wird nicht so ein gutes Jahr werden“, warnte der DIW-Chef.
Deutschland werde sich auf einige Jahre Stagflation einrichten müssen.
Die aktuelle Situation sei mit der Corona-Krise nicht vergleichbar. Einen zweistelligen Einbruch der Wirtschaft wie im zweiten Quartal 2020 werde es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben. „Aber wir werden auf breiter Front weniger Aktivität sehen“, so Fratzscher. Das Besondere an dieser Krise sei der Rückgang des privaten Konsums, weil viele Menschen den Gürtel enger schnallen müssten.
Eine Zunahme der Insolvenzen lasse sich in dieser Lage nicht vermeiden. „Die bittere Wahrheit“ sei, Deutschland werde „einen riesigen Strukturwandel“ in der Wirtschaft erleben. „Viele energieintensive Unternehmen werden es nicht überleben“, sagte der DIW-Chef weiter. Die Kosten für Gas und andere fossile Energieträger seien nicht nur temporär erhöht.
Viele Unternehmen werden laut Fratzscher insolvent gehen – „und der Staat kann nicht alle retten“. Das sei allerdings auch gar nicht wünschenswert. „Man muss jetzt aufpassen, dass eine so tiefe Krise nicht die falschen Unternehmen trifft“, sagte er mit Blick auf Start-ups und andere innovative Firmen ohne große Rücklagen.
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