Bei Lösung der Energiekrise hofft Habeck auf „ein bisschen Regen“

© AP Photo / Michael SohnDer deutsche Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck
Der deutsche Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck - SNA, 1920, 02.09.2022
Der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, hat sich in der neuen Folge des Podcasts „Aus Regierungskreisen“, die auf der Seite der Bundesregierung am Donnerstag publik gemacht wurde, über Deutschlands Optionen für eine Lösung der Gaskrise ausgesprochen und die Perspektiven für das nächste Jahr eingeschätzt.
Deutschland hat es laut Habeck innerhalb von ein paar Monaten geschafft, alternative Lieferquellen aufzutun und ins Land zu bringen.

„Zu hohen Preisen – das ist nicht schön. Das ist fürchterlich, ehrlich gesagt. Aber die Energieversorgung haben wir stabil gehalten“, so Habeck.

Zum Winter wird das Land Kapazitäten von zusätzlichen Lieferungen an den norddeutschen Küsten Wilhelmshaven und Brunsbüttel schaffen. Es gebe noch ein weiteres Projekt, das privatwirtschaftlich realisiert werde:
„Die Niederländer, die Belgier und die Franzosen haben nach intensiven Verhandlungen, die ich mit ihnen geführt habe, ebenfalls gesagt: ´Wir können unsere Leitungskapazitäten erhöhen, es kommt mehr Gas´.“
Frankreich war nämlich bisher ein Gasabnehmer. Jetzt soll Gas nun auch von dort nach Deutschland kommen.
„Die 55 Prozent, die wir von Russland bekommen haben, haben wir in großen Teilen kompensiert. Die bittere Wahrheit ist: nicht zu 100 Prozent. Und wenn der Winter kommt, wird ein Teil fehlen“, erklärte der Wirtschaftsminister.
Die Lücke muss nun laut Habeck mit Einsparungen geschlossen werden. Diese Einsparungen könne man grob mit 20 Prozent fürs Land beziffern. Das hänge natürlich von der Kälte des Winters ab: „Aber wir sind darauf angewiesen, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und diesen Anteil aufbringen.“
KanzlerGESPRÄCH mit Bundeskanzler Olaf Scholz (m.) in Essen am 01.09.2022 (Screenshot) - SNA, 1920, 02.09.2022
Scholz: Vollständiger Verzicht auf russisches Gas wäre „nicht so verantwortlich“
Was das nächste Jahr betrifft, so wird die Lage dem Wirtschaftsminister zufolge schon ganz anders aussehen. Eine deutliche Steigerung der Kapazitäten stelle sich dar. Die Leitungen aus den Niederlanden, aus Belgien und aus Frankreich würden noch weiter ausgebaut sein. Die erneuerbaren Energien würden einen Aufschwung bekommen haben. Darüber hinaus hofft er auf bessere Wetterbedingungen:
„Wir werden auch — hoffe ich jedenfalls — ein bisschen Regen bekommen haben, sodass die Versorgung der Kohlekraftwerke entlang des Rheins besser läuft“.
Zuvor war berichtet worden, dass die deutschen AKW laut der Bundesnetzagentur länger am Netz bleiben müssen, um im Winter Strombedarf auch in Europa zu decken. Bereits jetzt verstrome Deutschland zu viel, vor allem, um Frankreich zu helfen. Der Behördenchef Klaus Müller erklärte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass er den Atomstrom nicht als Ersatz für fehlendes Gas sehe, „denn wir benötigen das Gas als Grundstoff in der chemischen Industrie und für die Kraft-Wärme-Kopplung, also zum Heizen. Für beides ist Atomstrom kein Ersatz.“
Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zuvor am Donnerstagabend bei dem so genannten „KanzlerGespräch“ in Essen erklärt, dass Deutschland auf den kommenden Winter gut vorbereitet sei. Einen vollständigen Verzicht auf russisches Gas lehne er aber ab.
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