Große Militärmesse bei Moskau: Auch ballistische Interkontinentalrakete präsentiert

Topol
Topol  - SNA, 1920, 19.08.2022
Die mächtigste Waffe von allen, die auf der laufenden Rüstungsmesse „Army 2022“ bei Moskau gezeigt werden, ist das strategische ICBM-System Topol (Nato-Codename SS-25 Sickle) mit ballistischer Interkontinentalrakete. Von Experten wird es zu den gelungensten russischen Entwicklungen gezählt.
Der Oberst, der ein solches Lenkwaffenregiment kommandiert hat und dessen Name nicht bekannt gegeben werden darf, teilt mit, dass die Rakete ihre gesamte Lebensdauer hindurch in einem hermetischen Transport- und Abschussbehälter bleibt, 22 Meter lang und mit zwei Meter Durchmesser. Dieser dient ihr nicht nur als Schutz gegen Außeneinwirkungen, sondern sichert auch die erforderlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse.
In der Presse findet man die Information, dass der Detonationswert einer Topol-Rakete das 40- bis 50-fache von dem der beiden Bomben beträgt, die 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. „Dies möchte ich nicht mit ansehen“, so der Oberst.
Das System ist auf einem Sieben-Achs-Fahrwerk untergebracht, an dem darüber hinaus Transport- und Startanlagen angebracht sind. Der Behälter dient auch als Leitbahn beim Abfeuern der Rakete. Sie wird aus dem Behälter in eine Höhe von 20 bis 26 Meter hinausgestoßen, worauf das Marschtriebwerk der ersten Raketenstufe zündet. Die Rakete startet zwei Minuten nach dem Befehlsempfang. Das System wird von drei Personen bedient. „Mehr sind auch nicht nötig“, sagt der Oberst.
Die Startanlage mit der Rakete wiegt rund 100 Tonnen. Dennoch ist die Topol-Anlage sehr beweglich. Sie entwickelt eine Geschwindigkeit von ca. 40 km/h und eignet sich gut für durchschnittenes Gelände, vor allem für Wald, der eigentlich eine natürliche Deckung darstellt. Diese Fahreigenschaften der Anlage erschweren ihre Ortung und als Folge die Bestimmung des Startpunkts der Rakete. Denn die USA haben immer versucht, Waffen zu entwickeln, die jede Startvorrichtung vernichten können, bevor sie einsatzbereit ist.
Der Raketenstart kann von jedem Punkt der Patrouillenroute erfolgen, der im Voraus geodätisch eingemessen worden ist. Jährlich erfolgt auf dem Testgelände von Plessezk 600 km östlich von Sankt-Petersburg der Prüfstart einer Topol-Feststoffrakete Richtung Testgelände Kura auf Kamtschatka. Seit der Inbetriebnahme des Systems sind rund 50 Prüfstarts der Raketen durchgeführt worden. Alle sind störungsfrei verlaufen, selbst bei den Raketen, die seit 20 Jahren in Bereitschaft gestanden hatten.
Ihrerzeit hatte die Führung der UdSSR der Entwicklung ähnlicher mobiler Systeme erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Die Raketensilos konnten trotz all ihrer Vorteile den garantierten Gegenschlag nicht gewährleisten, der die Entfesselung eines Atomkrieges als Abschreckungsfaktor verhinderte. Es musste eine Rakete erschaffen werden, die sich im getankten Zustand befördern ließ, während Interkontinentalraketen sonst vor dem Start getankt wurden.
Die neue Rakete musste mit Feststoff angetrieben werden und eine Lafette haben, die praktisch jedes flache Gelände befahren kann.
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