„Wir können zugucken, wie Menschen in die Armut rutschen“: Tafel-Chef warnt vor angespannter Lage

Geld, Symbolbild - SNA, 1920, 14.08.2022
Der Vorsitzende der Tafeln Deutschland hat vor einer steigenden Zahl der Bedürftigen in Deutschland gewarnt. Einerseits würden die Lebensmittelspenden zurückgehen, andererseits gäbe es immer mehr Tafel-Kunden.

„Es gibt viele Menschen, die keine finanziellen Reserven mehr haben. Die fragen sich: heizen oder essen?“, betonte Jochen Brühl.

Einer internen Abfrage zufolge berichteten so 40 Prozent der Einrichtungen von einer Steigerung der Kundenzahl um 50 Prozent. Rund ein Drittel der Tafeln soll deshalb sogar Aufnahmestopps verhängt haben.
„Es ist eine ziemlich angespannte Situation“, so Brühl. Die Tafeln in Baden-Württemberg hätten beispielsweise einen Kundenzuwachs von 49 Prozent verzeichnet. Und während im Frühjahr noch rund 40.000 Menschen in die Berliner Ausgabestellen kamen, seien es im Juli bereits knapp 74.000 gewesen. Zusätzliche 90.000 Menschen würden zudem Lebensmittel über soziale Einrichtungen erhalten.
Die neue Kundschaft sei bunt gemischt, von deutschen Studenten und Rentnern bis hin zu Geflüchteten aus Syrien, jedoch mache die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge einen großen Teil der Kundschaft aus. Allein die Tafel in Nürnberg habe zu den 5500 Kunden 5700 Menschen aus der Ukraine hinzubekommen. Dies stelle eine bundesweite Zusatzbelastung dar. Die Behörden würden die ukrainischen Geflüchteten dabei an die Tafeln verweisen, ganz als seien die ein staatliches Angebot. „Wenn Behörden die Leute zu uns schicken, sollten sie uns auch unterstützen.“
„Wir wollen und können nicht das staatliche Sozialsystem für armutsbetroffene Menschen ersetzen“, warnte der Tafel-Chef.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала