Jahrestag von „Agent Orange“ in Vietnam: Nur gemeinsam kann man das Leid von Generationen lindern

© SNA / Ivanov TarasZentrum zur Unterstützung von Agent-Orange-Opfern
Zentrum zur Unterstützung von Agent-Orange-Opfern  - SNA, 1920, 10.08.2022
Der Chemiewaffenangriff der USA in Vietnam ist der längste Krieg dieser Art mit schwersten Konsequenzen in der Geschichte der Menschheit, er dauerte fast zehn Jahre.
Seit 61 Jahren versucht Vietnam die Folgen des Krieges zu überwinden. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Vereinigung der vietnamesischen Opfer von Agent Orange (VAVA). Seit 18 Jahren unterstützt VAVA die Opfer und vertritt ihre Interessen im Kampf um Gerechtigkeit.
Der Generalsekretär der Organisation, Generalleutnant Dr. Dang Nam Dien, sagte im Gespräch mit Sputnik: „In den letzten 18 Jahren hat VAVA mehr als 30 Billionen Dong (ca. 1,3 Millionen US-Dollar) gesammelt und 26 Rehabilitationszentren für Agent-Orange-Opfer errichtet. Wir schaffen auch Arbeitsplätze, sorgen für berufliche Ausbildung und finanzielle Hilfen“.
Zudem arbeitet die Vereinigung mit Freiwilligen und gesellschaftspolitischen Organisationen zusammen, um den Betroffenen zu helfen. Die Kommunistischen Partei Vietnams verpflichtete sich zudem, sich landesweit um die Überwindung der Folgen des Einsatzes von Pestiziden im Vietnamkrieg zu kümmern, die VAVA agiert dabei als eine Art Aufseher.
Der Leiter des Zentrums für Sozialschutz der Agent-Orange-Opfer in der Kommune Yên Bình, Nguyen Thang Long, zu den Hilfsprogrammen:
„Agent-Orange-Opfer bekommen Kredite mit niedrigen Zinsen, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Es gibt ein Programm, wobei die Familien der Betroffenen, die unter besonders schwierigen Umständen leben, kostenlos Wohnungen bekommen. Jedes Jahr finden kostenlose Entgiftungsprogramme statt. Alle Betroffenen, die sich an uns wenden, bekommen von der VAVA Geld für Medikamente“.
„In den letzten Jahren kooperiert die Vereinigung mit dem Veteranenverband und Jugend-Freiwilligenorganisation bei der Erörterung von Fällen, bei denen sich Menschen Ermäßigungen für Agent-Orange-Opfer erschleichen, aber nicht am Vietnamkrieg teilgenommen haben und nicht von der giftigen Substanz betroffen sind. Gleichzeitig kooperiert die Vereinigung mit den entsprechenden Organen, damit die echten Agent-Orange-Opfer anerkannt werden und das Recht auf staatliche Unterstützung bekommen“, sagt Dang Nam Dien.
VAVA kämpft für mehr Gerechtigkeit für die Betroffenen. Gerichtsprozesse gegen US-Chemieunternehmen wurden in die Wege geleitet, allerdings ist die Sache noch nicht abgeschlossen.
„Wir wissen, dass es ein sehr langer Prozess ist. Deshalb wollen wir in der nächsten Zeit unsere Anstrengungen im Kampf um Gerechtigkeit für Agent-Orange-Opfer mit dem Weltfriedensrat, der Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen und anderen Friedensorganisationen wie dem ‚Japanischer Rat gegen Atom- und Wasserstoffbomben‘ bündeln“, so Dang Nam Dien.
VAVA half bereits bei einem Gerichtsprozess der aus Vietnam stammenden Französin Tran Thi To Nga gegen US-Chemiekonzerne, die Dioxin für Militäreinsätze während des Vietnamkriegs produzierten. Der Prozess läuft bereits seit sieben Jahren. Die Frau erhebt weiterhin Klagen vor den oberen Gerichten in Paris.
Filialen der Vereinigung, die vorwiegend von Kriegsveteranen geleitet werden, gibt es in allen 63 Provinzen und direkt der Zentralregierung unterstehenden Städten sowie in 600 Landkreisen und mehr als 6000 Kommunen Vietnams.
„Der massive Einsatz des Giftes Agent Orange im Laufe einer langen Zeit hat große und andauernde Auswirkungen auf die Umwelt, Ökosysteme und die Gesundheit der Menschen ausgelöst. In den vergangenen Jahren kooperiert VAVA mit dem Tropenzentrum Vietnam-Russland in den Bereichen Entgiftung und Forschung. Noch heute ist an den Orten, wo toxische Substanzen während des Kriegs gelagert, gemischt und eingesetzt wurden, die Konzentration der Dioxinen extrem hoch, insbesondere nahe der Flughäfen von Da Nang, Bien Hoa und Phu Cat. Das Tropenzentrum Vietnam-Russland erforschte die Verseuchung der Umwelt nahe des Flughafens Bien Hoa, doch die Arbeiten mussten aus gewissen Gründen eingestellt werden. Wir rechnen mit einer aktiveren Zusammenarbeit mit dem Tropenzentrum in der nächsten Zeit zur Dekontamination der mit Dioxinen verseuchten Gebiete in Vietnam“, sagte General Dang Nam Dien.
Zum Schluss sprach er noch über die nächsten Vorhaben.
„Erstens werden wir weiterhin über die Folgen des Einsatzes von Pestiziden berichten, die staatlichen und Parteiorgane dazu bewegen, die Betroffenen mehr in den Fokus zu nehmen. Zweitens werden wir weiterhin die Opferzahl von Agent Orange, insbesondere in der dritten und vierten Generation, untersuchen.
Die vietnamesische Regierung hat immer noch keine Hilfsmaßnahmen für die Agent-Orange-Opfer in dritter Generation beschlossen. In der nächsten Zeit werden wir uns an die entsprechenden Regierungsorgane und die Nationalversammlung mit der Bitte wenden, dieses Problem in kurzer Zeit zu lösen.
Bei vielen Hilfsprogrammen für die Agent-Orange-Opfer gibt es Potenzial für Nachbesserung. So haben Menschen, die Familien mit mehreren schwer Betroffenen helfen, keinen offiziellen Status und Rechte. Die Krankenversicherung ist freiwillig. Wir wollen, dass sie ein Stimmrecht bei der Besprechung und Anwendung der staatlichen Maßnahmen bekommen. Wenn bei einem Agent-Orange-Opfer die Eltern verstorben sind, muss der Staat einspringen, und nicht die Gesellschaft, wie es früher der Fall war. Das sind die Fragen, an deren Lösung die VAVA sich aktiv beteiligen muss“.
Trotz großer Anstrengungen sind unsere Ressourcen in den zwei Jahren der Corona-Pandemie zurückgegangen.
„Deswegen bemühen wir uns, neue Formen der Tätigkeit zu finden, die Kampagnen, sowie Kooperationen mit Wirtschaft und Wohltätigkeitsorganisationen, kleinen und mittleren Unternehmen auszubauen, wobei wir uns vor allem um junge Leute, die an Freiwilligenarbeit interessiert sind, kümmern müssen“, so Dang Nam Dien.
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