Gas-Notfallplan: Was EU-Länder zur Umsetzung (nicht) unternehmen

© SNA / Stringer / Zugriff auf das MedienarchivDer mitteleuropäische Gasknotenpunkt Baumgarten
Der mitteleuropäische Gasknotenpunkt Baumgarten - SNA, 1920, 09.08.2022
Am heutigen Dienstag ist der EU-Notfallplan zur Vorbereitung auf einen möglichen Lieferstopp von russischem Gas in Kraft getreten. Die Deutsche Presse-Agentur hat eine Übersicht der Maßnahmen zusammengestellt, die von konkreten EU-Ländern zur Umsetzung der geplanten Reduzierung des Gasverbrauchs ergriffen werden.
In Deutschland, das seinen Gaskonsum um etwa zehn Milliarden Kubikmeter verringern müsse, sollen Kohlekraftwerke wieder ans Netz. Zudem solle eine Kampagne die Menschen zum Energiesparen bewegen. In öffentlichen Gebäuden sollten die nur sporadisch genutzten Bereiche wie Flure oder Foyers nicht mehr geheizt werden. Für Erdgasheizungen in Wohngebäuden sei eine verpflichtende Überprüfung vorgesehen. Unternehmen dürften ungenutzte Gasmengen in Auktionen verkaufen.
Von Anfang August 2022 bis März 2023 sollen die EU-Länder ihren Gasverbrauch im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre freiwillig um 15 Prozent reduzieren.
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In Österreich sollen Großbetriebe und Kraftwerke ab Herbst die Möglichkeit bekommen, Gas durch Erdöl zu ersetzen; die Kosten für die Umrüstung trage der Staat. Im Bedarfsfall könnte das stillgelegte Kohlekraftwerk Mellach wieder in Betrieb genommen werden. Im Herbst werde zudem eine Kampagne zum Energiesparen gestartet. Nach Angaben des Energieministeriums ging der Gasverbrauch infolge der hohen Preise im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund sieben Prozent zurück.
Frankreich habe Energiesparpläne bei der Klimatisierung und Beleuchtung von Gebäuden ausgearbeitet. Behörden würden aufgefordert, weniger zu kühlen und zu heizen sowie Geräte am Ende des Arbeitstages auszuschalten. Einige Supermärkte wollten die Türen bei laufenden Klimaanlagen konsequenter schließen. Die stark heruntergefahrenen Atomkraftwerke sollten so gut es geht im Winter eingesetzt werden. Die Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen solle gefördert werden.
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Die Niederlande sollen die Bevölkerung dazu aufrufen, kürzer zu duschen und die Heizung mindestens um ein Grad niedriger stellen. Nach dem Sommer sollen auch Vorgaben für die Industrie bekannt gegeben werden.
Auch Belgien habe seine Bürger zum Energiesparen aufgefordert.
In Italien dürfen Klimaanlagen in den öffentlichen Büros nur noch auf 25 Grad eingestellt werden. Beim Heizen solle die Temperatur von 20 auf 19 Grad abgesenkt werden. Auch die Verkürzung der Heizperiode um zwei Wochen werde in Aussicht gestellt. Für die Industrie sind zunächst keine Vorgaben vorgesehen.
In Griechenland sei die Straßenbeleuchtung auf das absolut Notwendige reduziert worden. In den Räumen der Behörden solle nur auf 26 Grad gekühlt werden. Dank einem mit staatlichen und EU-Mitteln finanzierten Programm könnten die Bürger alte Klimaanlagen und Kühlschränke durch neue, energiesparende Geräte ersetzen. Gaskraftwerke sollten auf Erdölbetrieb umgeschaltet werden. Manche Kohlekraftwerke würden wieder in Betrieb genommen.
In spanischen Behörden, aber auch in Kaufhäusern, Arbeitsstätten, Hotels, Flughäfen und Bahnhöfen dürfe nur noch auf 27 Grad gekühlt und auf höchstens auf 19 Grad geheizt werden. Türen in Läden und Betrieben müssen automatischen geschlossen werden. Die Beleuchtung von nicht genutzten Büros, Schaufenstern und Denkmälern müsse nach 22 Uhr ausgeschaltet werden.
Finnland wolle zunächst keine Sparmaßnahmen einführen: Nach Angaben der Regierung wurde der Gasverbrauch in den vergangenen zehn Jahren halbiert und seit der Einleitung der russischen Spezialoperation in der Ukraine weiter verringert.
Dänemark habe sein Energiesparziel ebenfalls erreicht.
In Schweden werde die Bevölkerung mit Hilfe eines umfassenden Onlineratgebers zum Energiesparen angeregt.
Estland habe Wärmeversorger und die Industrie zum Gassparen und zum Umstieg auf andere Kraftstoffe aufgerufen, obwohl der Gasverbrauch bereits um 16 Prozent reduziert worden sei. In der kommenden Heizperiode könnte zudem heimischer Ölschiefer das Gas teilweise ersetzen.
In Litauen hätten hohe Preise einen Rückgang der Nachfrage nach Gas verursacht. Die Hauptstadt Vilnius plane, Erdgas in der kommenden Heizperiode durch Heizöl zu ersetzen. Weitere Maßnahmen zum Energiesparen seien vorerst nicht vorgesehen.
In Lettland werde noch an Richtlinien zur Umsetzung von Energiesparmaßnahmen gearbeitet.
Keine konkreten Pläne gebe es auch in Slowenien.
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In Polen betone die Regierung die Freiwilligkeit der Regelung und strebe daher nicht das beschlossene Einsparziel von 15 Prozent an. Premierminister Morawiecki hat die staatlichen Unternehmen angewiesen, umgehend 4,5 Millionen Tonnen Kohle zu kaufen.
Ungarn habe eine Umsetzung des Einsparziels ausdrücklich ausgeschlossen.
In Tschechien, wo die hohen Preise den Gasverbrauch bereits reduziert hätten, werde weitgehend auf freiwillige Maßnahmen gesetzt.
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