US-Ökonom: „Die Sanktionen des Westens sind großartig für Russland“

© AP Photo / Jacquelyn MartinDie Flaggen der USA und der EU auf dem Dulles International Airport in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia (Archivbild)
Die Flaggen der USA und der EU auf dem Dulles International Airport in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia (Archivbild) - SNA, 1920, 07.08.2022
Der Wirtschaftskrieg, den der Westen gegen Russland entfesselt habe, habe zu einem Gegeneffekt geführt, hat der ehemalige Wall-Street-Finanzier und US-Ökonom Michael Hudson gegenüber der „Jungen Welt“ erklärt.
Hudson zufolge setzt Russland nun verstärkt auf Ersatz für Importe. Anstatt deutsche Autos zu importieren, wende sich Russland etwa nach China, um eine eigene Automobilindustrie zu entwickeln.
„Russland ist nun sehr schnell dabei, die Abhängigkeit vom Westen oder bei Industriegütern durch eine eigene Produktion im Inland zu ersetzen“, sagte Hudson.
Die Sanktionen hätten Russland aber nicht nur dazu gebracht, wirtschaftlich unabhängig zu werden, sondern hätten auch dem russischen Staatshaushalt durch die Verknappung von Öl und Gas Mehreinnahmen beschert. Die russische Wirtschaft werde im Grunde autark werden, so Hudson.
Der Westen habe sich seinerseits ins eigene Knie geschossen, indem er russische Konten in Euro und Dollar eingefroren habe. Russland habe zu einem Zahlungssystem in Rubel gewechselt, wodurch der Rubel an Wert gewonnen habe.

Deutschland als Konkurrenz ausgeschaltet

Der Experte wies zudem darauf hin, dass es den USA weitgehend egal sei, ob Russland im Konflikt mit der Ukraine gewinne oder nicht. Denn es sei Washington gelungen, seine Konkurrenz in Europa, vor allem in Deutschland, auszuschalten.
Die USA versuchten beispielsweise seit langem, Berlin und andere Nato-Länder zu Militärausgaben von zwei Prozent ihres BIPs zu zwingen.
„Jetzt werden sie drei oder vier Prozent ausgeben, wegen der angeblichen russischen Bedrohung.“
Als Ergebnis sei der Euro auf die Parität zum Dollar gefallen, und die USA rechneten damit, dass er um weitere 20 Prozent auf etwa 80 Cent falle, damit „die Kapitalflucht aus Europa und besonders aus Deutschland vorangetrieben wird“.
Mittlerweile wird die deutsche Industrie bedroht, da sie kein russisches Gas mehr kaufen solle. Als Beispiel führte der Analyst an, dass die Heizkosten hierzulande von 100 Euro pro Gaseinheit auf 220 Euro angestiegen seien.
„Das wird dazu führen, dass Industriebetriebe pleite gehen und Investoren damit beginnen können, sie günstig aufzukaufen“, prognostizierte Hudson.
Für diese Entwicklung macht der Ökonom die deutschen Politiker verantwortlich, die bei diesem „industriellen Selbstmord“ Deutschlands als Erfüllungsgehilfen der Nato dienten.
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