- SNA, 1920, 19.08.2022
Russische Spezialoperation in der Ukraine
Die wichtigsten Nachrichten über die Lage in der Ukraine und Russlands Spezialeinsatz zu deren Entmilitarisierung und Entnazifizierung.

Recherche: Ukrainer verkaufen Nato-Waffen in den Nahen Osten

CC0 / ArmyAmber / Pixabay / Rüstungsexporte (Symbolbild)
Rüstungsexporte (Symbolbild) - SNA, 1920, 05.08.2022
Seit Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine versorgt die Nato die ukrainische Armee im großen Stil mit Waffen. Damit wollten sie Russland bekämpfen, aber es wurde außer Acht gelassen, dass die Nato-Waffen auf dem Schwarzmarkt der Nato-Länder und rund um den Globus auftauchen können.
Sputnik Arabic hat bei einer eigenen Recherche nach Informationen über Verkäufe von Nato-Waffen aus der Ukraine in arabische Länder gesucht und gefunden.

Beginn der Recherche

Bei der Suche im Darknet wurde eine Webseite über Waffenverkauf gefunden, wo die Anzeige „UKRAINE WAFFEN“ (auf Russisch geschrieben) platziert wurde. Hier werden M4-Gewehre verkauft – laut Angaben der Webseite gab es bei dieser Anzeige mehr als 32 Deals. Die Preise beginnen ab 2400 US-Dollar. Standort ist Kiew.
Es sollte erwähnt werden, dass der offizielle Preis der M4-Gewehre laut Pentagon-Einschätzung je nach Modifikation von 600 bis 1200 US-Dollar ausmacht.
Abb. 1
Abb. 1 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Unter dieser Anzeige gab es auch ein Feedback über einen erfolgreichen Waffenkauf – laut Darknet-Regeln können Feedbacks nur Nutzer hinterlassen, die bereits eine Transaktion abgeschlossen haben. Mit anderen Worten: Ohne Kauf, kein Feedback.
Sputnik-Journalisten wandten sich an den Käufer und übernahmen die Rolle eines Auftraggebers – sie gaben sich als jemenitischer Huthi alias 3ladin_houthi aus, der Waffen kaufen will.
Via Formular auf der Webseite im Darknet bat der Käufer, in den Wickr-Messenger zu gehen. Die weitere Korrespondenz verlief ausschließlich dort. Um keinen Verdacht beim ukrainischen Verkäufer auszulösen, schrieben wir die Fragen auf Arabisch und übersetzten sie ins Englische via Online-Wörterbuch – so sah es glaubwürdiger aus.

„M4 mit Versand nach Jemen“

Zuallererst fragten wir den Verkäufer direkt, ob sie Waffen nach Jemen liefern können und bekamen eine bejahende Antwort. Die Lieferung erfolgt auf dem Seeweg.
Abb.2
Abb.2 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Dann fragte der Verkäufer: „Was genau brauchen Sie, und wie viel?“. Wir dachten da, dass sie nicht nur die in der Anzeige angegebenen Gewehre, sondern noch etwas anderes verkaufen können.
Dann wurde beschlossen, die genaue Transportroute zu ermitteln. Zugleich wurde zu verstehen gegeben, dass man an allen möglichen Waffen Interesse hat.
„Wir sind Huthis, wir kämpfen auch gegen die Besatzer in unserem Lande – wie auch sie“, sagten wir, um den Verkäufer zu umschmeicheln.

Waffen und Liefermethode

Wie sich aus der Antwort ergab, ist die ukrainische Seite tatsächlich bereit, nicht nur Gewehre aus US-Produktion, sondern auch Granaten zu verkaufen. Gewehre werden mit entsprechender Munition geliefert. Der Transportweg wurde ausführlich beschrieben:

„Die Waffen werden in Fässern mit Maschinenöl geliefert. In jedem Fass wird es zehn M4-Gewehre, 2000 Patronen, 200 Granaten geben. Die Beförderung übers Meer wird zehn Tage dauern. Im Hafen werden sie einfach die Fässer mit Maschinenöl bekommen, die keinen Verdacht erregen werden.“

Um zu verstehen, wie viel sie verkaufen können und welche Vorräte sie überhaupt haben, baten wir um 100 Fässer – in Fässern messen die ukrainischen Waffenhändler die Liefermengen.
Aber uns wurde gesagt, dass sie nicht so viele Fässer haben – nur 20.
„Insgesamt werden 20 Fässer rund 200 Gewehre mit Munition und 400 Granaten enthalten. Das alles wird ungefähr 400.000 Dollar kosten“.

Verkaufsschema

Wir mussten der genannten Menge des Schmuggels zustimmen. Dann haben wir gebeten, ausführlicher über die Bedingungen des Deals und der anschließenden Lieferung der Fässer in den Hafen von Hodeidah (der einzige Hafen, der von jemenitischen Huthis kontrolliert wird) Auskunft zu geben.
Uns wurde gesagt, dass es keine Probleme mit der Lieferung an diesen Hafen geben wird.
Abb. 3
Abb. 3 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Dann wurden die Bedingungen und das Schema des Deals beschrieben:
„Der Deal wird so aussehen: Wir laden einen Administrator in unseren Chat ein, in seiner Anwesenheit werden die Details des Deals besprochen.
1. Wenn vereinbart wird, schreiben wir in den Chat, dass die Bedingungen des Deals uns passen. Sie zahlen eine Summe in Höhe von 400.000 US-Dollar in Kryptowährung via Monero XMR auf ihr Konto ein.
2. Dann verschicke ich die Ware.
3. Sie erhalten die Ware. Prüfen sie. Wenn alles passt, schreiben sie in den Chat, dass der Verkäufer seine Verpflichtungen vollständig erfüllt hat und bitten, die Summe an den Verkäufer zu überweisen.
4. Dann überweist der Administrator die Summe an mich, mit Abzug von zwei Prozent von der Summe des Deals.
Das war’s!“.
Der Verkäufer erzählte mehr, als wir hofften. Es stellt sich heraus, dass ein Assistent auftaucht, der mit der Darknet-Plattform verbunden ist und als Garant des Deals auftritt. Er bekommt zwei Prozent von jedem Deal, in unserem Fall hätte er 8000 US-Dollar bekommen können.

Logistische Details der geschmuggelten Waffen

Wir wollten möglichst viele Informationen über die Lieferung bekommen – da der Hafen von Hodeidah ziemlich weit von der Ukraine entfernt ist, und die Fracht innerhalb von zehn Tagen geliefert werden soll, muss der Verkäufer ein fertiges Schema haben.
Abb. 4
Abb. 4 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Ein solches Schema war tatsächlich bei den ukrainischen Verkäufern ausgearbeitet. Es wurde ausführlich beschrieben:
„1. Wir werden die Ware vorbereiten, sie in Fässer laden und mit Hilfe unserer Kollegen aus Polen sie auf das Schiff verladen.
2. Das Schiff wird über die auf der Karte angegebene Route fahren. Es wird humanitäre Hilfe befördern – diese Schiffe werden gewöhnlich nicht inspiziert. Auch 20 Fässer werden keine Zweifel auslösen. Gerade deswegen können wir keine 100 Fässer liefern – es können Fragen aufkommen.“
Dann schickte der Verkäufer eine Karte zu – unterschrieben auf Russisch, mit einer per Hand gezeichneten Route. Es stellte sich heraus, dass die Waffen auf das Schiff erst an der Küste Portugals geladen werden. Und da die ukrainische Seite „Kollegen aus Polen“ erwähnt, kann es sein, dass an dieser Geschichte die europäische Waffenmafia beteiligt ist.
Abb.5
Abb.5 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Aber wie die Waffen aus Polen nach Portugal kommen– das ist uns nicht bekannt. Allerdings können das jene wissen, die in der Tat geschmuggelte Nato-Waffen kaufen. Der Verkäufer sagte:
„Sie werden eine Trackingnummer zur Verfolgung der Lieferroute zugeschickt bekommen“.
Abb.6
Abb.6 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Nach Angaben der ukrainischen Schmuggler bietet die Trackingnummer viele Informationen über Logistik – mit welchem Schiff die Fracht verschickt, aus welchem Hafen sie starteten, und wann sie am Zielhafen ankommen wird. Die gesamten Informationen bekommt der Käufer sofort nach der Überweisung des Betrages.
„Wenn etwas dazwischen kommt, kenne ich dich nicht, und du hast keinen Betrag auf dem Konto. Vielleicht bist du überhaupt ein Interpol-Agent. Ich habe allgemein beschrieben, wie das funktioniert“.
Am Ende der „Verhandlungen“ schrieb er uns, Huthis, eine herzliche Mitteilung:
„Kein Problem. Wie sind auf eurer Seite. Sie müssen kämpfen“.
Daraus folgt, dass die ukrainische Seite sich solidarisch im Kampf der Huthis gegen die arabische Koalition mit Saudi-Arabien an der Spitze verhält – jemenitische Huthis halten die Saudis für Besatzer.
Abb.7
Abb.7 - SNA, 1920, 05.08.2022
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Um den Dialog zu beenden gaben wir an, dass wir unseren Account verifizieren (das ist zur Überweisung der Summe in Kryptowährung notwendig) und zum Deal zurückkehren werden.
Darknet-Plattformen erfordern eine Verifizierung der Nutzeraccounts. Auf diese Weise wird versucht, sich gegen Sicherheitsdienste bzw. Rechtsschutzorganisationen zu wappnen.
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