Der lange Weg in die EU: Wartezeit der Beitrittskandidaten in Zahlen

© REUTERS / MICHELE TANTUSSIFlagge der Europäischen Union
Flagge der Europäischen Union - SNA, 1920, 02.03.2022
Der ukrainische Präsident Wladimir Selenski hat die Aufnahme seines Landes in die Europäische Union gefordert. In diesem Zusammenhang haben wir eine Liste vorbereitet, in der wir zeigen, wie lange die Wartezeit vor der europäischen Tür für die Beitrittskandidaten dauern kann.
Ein Beitrittsgesuch, ein Kandidatenstatus, eine EU-Zusage für die Verhandlungen sowie Gespräche selbst können viele Jahre dauern, was sich am Beispiel mehrerer Länder zeigt:

Türkei

Den türkischen Antrag auf Vollmitgliedschaft in der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG), den das Land 1987 gestellt hatte, wurde 1989 abgelehnt. Der EU-Gipfel in Luxemburg 1997 entschied, dass die Türkei für einen Beitritt in Frage käme.
Die Türkei erhielt den Status eines offiziellen Beitrittskandidaten der Europäischen Union im Jahr 1999. Im Dezember 2002 entschied die EU, Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Diese begannen in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober 2005. Die Verhandlungen sind bis heute kaum vorangekommen.
Einwohnerzahl: 83.614.362 Menschen (Stand: 31.12.2021, Quelle: Statistikinstitut der Türkei)
Bruttoinlandsprodukt: 720,1 Milliarden US-Dollar (Stand: 2020, Quelle: Weltbank)

Nordmazedonien

Den Status als EU-Beitrittskandidat hat Nordmazedonien seit dem 15. Dezember 2005. Es gab aber ein Hindernis für den EU-Beitritt, das mit dem Namensstreit zwischen dem Land und dem EU-Mitglied Griechenland verbunden war, das den Namen „Mazedonien“ für sich beanspruchte. Nach der Einigung der beiden Länder empfahl die EU-Kommission Beitrittsverhandlungen im Jahr 2009. Diese wurden später an Reformbedingungen geknüpft.
Im März 2020 wurden Verhandlungen zugesagt, Bulgarien aber hat sich später wegen der schwierigen Beziehungen mit Nordmazedonien gegen die Aufnahme der Verhandlungen mit diesem Land ausgesprochen. Nach langen Vermittlungen erklärte Bulgarien 2021, dass die europäische Perspektive Nordmazedoniens seitens Bulgariens unterstützt und gefördert wird. Das Land befinde sich jedoch in Verhandlungen mit Nordmazedonien über die Umsetzung des Vertrags über Freundschaft und gute Nachbarschaft.
Einwohnerzahl: 2.072.531 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 12,264 Milliarden US-Dollar

Albanien

Albanien führt Gespräche mit der EU über seinen Beitritt seit 2003. Im Jahr 2009 reichte das Land das offizielle Beitrittsgesuch ein. Am 24. Juni 2014 verlieh die EU dem Land den Status als Beitrittskandidat der Europäischen Union. Im März 2020 wurden Beitrittsverhandlungen mit Albanien zugesagt und den Mitgliedstaaten der Entwurf des Verhandlungsrahmens vorgelegt. Die Verhandlungen hatten bis Ende 2021 noch nicht begonnen.
Einwohnerzahl: 2.837.743 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 14,888 Milliarden US-Dollar

Montenegro

Im Jahr 2008 beantragte Montenegro den Beitritt zur Europäischen Union. Die Europäische Kommission hat anerkannt, dass Montenegro erhebliche Fortschritte bei der Aufnahme von Gesprächen über die EU-Mitgliedschaft gemacht hat, und am 9. November 2010 eine Empfehlung für dessen Kandidatenstatus abgegeben. Am 17. Dezember 2010 verlieh die EU Montenegro den offiziellen Status eines Kandidatenlandes. Die Beitrittsverhandlungen wurden mit Montenegro am 29. Juni 2012 eröffnet.
Einwohnerzahl: 621.310 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 4,77 Milliarden US-Dollar

Serbien

Serbien stellte den Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union am 22. Dezember 2009. Den offiziellen Status als Beitrittskandidat erhielt das Land am 1. März 2012. Die Verhandlungen begannen am 21. Januar 2014.
Einwohnerzahl: 6.908.220 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 53,335 Milliarden US-Dollar

Bosnien-Herzegowina

Bosnien-Herzegowina wird seit Juni 2003 als „potenzieller Beitrittskandidat“ betrachtet. Das Land hat mit der EU das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) am 16. Juni 2008 nach dreijähriger Verhandlungsdauer unterzeichnet. Die Ratifizierung des SAA wurde erst im April 2015 abgeschlossen. Seinen Antrag auf EU-Mitgliedschaft reichte Bosnien-Herzegowina am 15. Februar 2016 ein. Es steht ebenso wie bei Kosovo kein Verhandlungstermin.
Einwohnerzahl: 3.280.815 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 19,946 Milliarden US-Dollar

Kosovo

Zwischen Kosovo, das nicht von allen EU-Mitgliedern als Staat anerkannt ist, und der EU ist seit dem 1. April 2016 das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) in Kraft. Kosovo gilt als „potenzieller Beitrittskandidat“. Einen konkreten Verhandlungstermin gibt es nicht.
Einwohnerzahl: 1.775.378 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 7,717 Milliarden US-Dollar

Ukraine

Die Ukraine ist laut der Europäischen Union ihr vorrangiger Partner. Zwischen dem Land und der EU wurde 2014 ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet. Das war das erste Abkommen neuen Typs im Rahmen der so genannten Östlichen Partnerschaft (ÖP) der Nachbarschaftspolitik der EU. Das Dokument unterscheidet sich von früheren Abkommen, die im Rahmen der Erweiterung der EU in Form von Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen geschlossen wurden. Die Ukraine stellte ihr Beitrittsgesuch am 28. Februar 2022.
Einwohnerzahl: 40.997.699 Menschen
Bruttoinlandsprodukt: 155,499 Milliarden US-Dollar
Entsprechende Abkommen wurden von der EU im Rahmen der ÖP auch mit den fünf weiteren postsowjetischen Staaten Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldau geschlossen. Im Jahr 2021 beschloss allerdings die EU wegen der politischen Situation in Belarus Sanktionen gegen das Land zu verhängen, das seinerseits Ende Juni seinen Gesandten aus Brüssel abzog und ankündigte, „die belarusische Beteiligung an der ‚Östlichen Partnerschaft‘ ruhen zu lassen“.
Ob der EU-Beitritt der Ukraine im Eilverfahren erfolgen kann und welche Hürden das Land überwinden müsste, lesen Sie hier.

Soll die Ukraine EU-Mitglied werden?

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