Mit welchen Waffen Deutschland sich selbst und die Ukraine ausstatten will

© REUTERS / FABIAN BIMMERBundeswehr-Soldaten
Bundeswehr-Soldaten - SNA, 1920, 28.02.2022
Der Bundeshaushalt 2022 soll laut dem Bundeskanzler Olaf Scholz mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro ausgestattet werden. Deutschland will nun die Bundeswehr modernisieren und Waffen an die Ukraine liefern. Was genau Berlin nun an Kiew liefern will und welche Projekte für die Bundeswehr oberste Priorität haben, finden Sie im Weiteren.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat einen massiven Ausbau der Bundeswehr angekündigt. Das Sondervermögen für die Bundeswehr solle im Grundgesetz abgesichert werden und die Mittel sollten für notwendige Investitionen und Rüstungsvorhaben genutzt werden, erklärte er am Sonntag in einer Regierungserklärung im Bundestag. „Wir werden von nun an – Jahr für Jahr – mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in unsere Verteidigung investieren“, so Scholz. „Wir tun dies auch für uns, für unsere eigene Sicherheit.“

„Das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro wird es uns ermöglichen, die Bundeswehr stark aufzustellen und als verlässlicher und leistungsfähiger Bündnispartner unsere angemessene Rolle in der Allianz zu übernehmen. Dieser Aufgabe widme ich mich mit aller Kraft“, zitiert das Verteidigungsministerium seine Chefin Christine Lambrecht am 27. Februar 2022.

Deutschland hat demnach entschieden, der Ukraine Waffen zu liefern. Darunter wird laut der Behörde Folgendes gemeint:
1000 Panzerabwehrhandwaffen vom Typ Panzerfaust 3
500 Boden-Luft-Raketen Stinger
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck hatten zuvor mitgeteilt, die Bundesregierung habe der Lieferung an die Ukraine von folgenden Militär- und anderen Gütern zugestimmt, teilte die Agentur Reuters am 26. Februar mit:
400 ursprünglich in Deutschland produzierte Panzerfäuste (durch die Niederlande)
14 gepanzerte Fahrzeuge
bis zu 10.000 Tonnen Treibstoff (über Polen)
Hier sind einige technische Daten zu den ersten zwei erwähnten Waffenarten, die auf der Seite des Bundesverteidigungsministeriums aufgeführt werden:

Die Panzerfaust 3

Einen Auftrag für die Entwicklung einer neuen Panzerabwehrhandwaffe für die Infanterie erhielt 1978 die damalige Dynamit-Nobel AG, das deutsche Chemie- und Rüstungsunternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Troisdorf. Im Jahr 1986 wurden die ersten Truppenversuche durchgeführt. Offiziell wurde die Panzerfaust 3 eingeführt und ist seitdem in vielen Bereichen der Bundeswehr im Einsatz.
Panzerfaust 3 - SNA, 1920, 28.02.2022
Panzerfaust 3
Ziele: Sie wird mit unterschiedlichen Munitionsarten geladen und gegen stehende oder fahrende gepanzerte Ziele sowie Ziele hinter Deckungen und in Bunkern eingesetzt.
Bedienung: Die Panzerfaust 3 kann aus geschlossenen Räumen oder auch von Fahrzeugen abgefeuert werden. Sie ist rückstoßarm und kann von einem Soldaten bedient werden.
Durchschlagsleistung: Die Durchschlagsleistungswerte sind unterschiedlich – von 240 mm bei Stahlbeton bis 700 mm bei Panzerstahl.
Kampfentfernung: Mit der Waffe können fahrende Ziele auf bis zu 300 und stehende Ziele auf bis zu 400 Metern Entfernung bekämpft werden.
Gewicht: Je nach Munition ist die Panzerfaust 3 ungefähr 13 Kilogramm schwer. Zum Schießen wird die Waffe von einem Soldaten auf die rechte Schulter genommen.

Boden-Luft-Raketen Stinger

Die Fliegerfaust 2 Stinger ist eine Ein-Mann-Lenkwaffe zur Flugabwehr. Bisher wurden in der Bundeswehr drei Modelle als Fliegerfaust bezeichnet: Fliegerfaust 1 West (eingeführt im Jahr 1973), die Fliegerfaust 2 Stinger (eingeführt im Jahr 1992) und die Fliegerfaust 1 Ost aus den DDR-Beständen.
Ziele: Die Fliegerfaust 2 Stinger wird gegen Flugziele im Tiefstflug und in mittleren Flughöhen eingesetzt.
Bedienung: Diese Waffe wird auch von einem Soldaten getragen. Genauso wie bei der Panzerfaust 3 wird sie zum Schießen auf die rechte Schulter genommen. Die Flugabwehrrakete des Typs Stinger hat ein störfestes Lenksystem, das Infrarot- und Ultraviolettsignale nutzt.
Flugzeit: Die Flugzeit einer solchen abgefeuerten Rakete beträgt ungefähr 8 Sekunden bis circa 4000 Meter.
Kampfentfernung: Die Raketen des Typs Stinger werden in Flughöhen bis 3 Kilometern und in einer Entfernung von bis zu 6 Kilometern eingesetzt.
Gewicht: Die abschussbereite Waffe wiegt 15,8 Kilogramm.
Der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell - SNA, 1920, 27.02.2022
EU wird Kiew Waffen für 500 Millionen Euro liefern

Modernisierung der Bundeswehr

Wichtig sei, dass Europa technologisch mithalte und die nächste Generation von Kampfflugzeugen und Panzern gemeinsam mit europäischen Partnern – und insbesondere mit Frankreich - baue.

„Diese Projekte haben oberste Priorität für uns“, so Scholz am Sonntag in einer Regierungserklärung im Bundestag.

Für eine moderne Armee sind laut dem Bundeskanzler nun einige wichtige Projekte vorgesehen, von denen mehrere bereits entwickelt werden:
Bau der nächsten Generation von Kampfflugzeugen
Bau der nächsten Generation von Panzern
Anschaffung der bewaffneten Heron-Drohne aus Israel
Befähigung des Kampfjets Eurofighter zur elektronischen Kampfführung
Beschaffung eines moderneren Ersatzes für die veralteten Tornado-Jets im Rahmen der Nuklearen Teilhabe. Das Kampfflugzeug F-35 komme dabei als Trägerflugzeug in Betracht.
Entwicklung der Eurodrohne, eines multinationalen Rüstungsprojekts
Lesen Sie zum Thema auch: Deutsche Verteidigungsausgaben und Truppenstärke im weltweiten Vergleich
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