Gabriele Krone-Schmalz in der Berliner Zeitung: „Ich habe mich geirrt“

CC BY-SA 4.0 / Superbass / Wikimedia Commons (cropped)Autorin und Journalistin Gabriele Krone-Schmalz
Autorin und Journalistin Gabriele Krone-Schmalz - SNA, 1920, 28.02.2022
Die frühere ARD-Fernsehkorrespondentin in der Sowjetunion, Gabriele Krone-Schmalz, hat sich in einem Beitrag für die Berliner Zeitung zum Krieg in der Ukraine geäußert. Sie räumte ein, dass sie die Lage falsch eingeschätzt habe, blieb aber bei ihrer Position mit Blick auf die Nato-Osterweiterung und die Notwendigkeit diplomatischer Bemühungen.
Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, die in Büchern und Interviews regelmäßig um Verständnis für die russische Position wirbt, hat sich in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“irritiert über die russische Militäroperation der Ukraine gezeigt. Krone-Schmalz schreibt:
„Ich war fest davon überzeugt, dass der Aufbau dieser gigantischen russischen Drohkulisse in den letzten Wochen und Monaten, so riskant und überzogen er auch sein mochte, einem einzigen Zweck diente: nämlich ernstzunehmende Verhandlungen mit dem politischen Westen zu erzwingen, um Russlands Sicherheitsinteressen endlich zum Thema zu machen. Ich habe mich geirrt.“

„Schlag ins Gesicht“ für „Russlandversteher“

Dies sei auch ein „Schlag ins Gesicht“ für all diejenigen, die sich immer wieder „auf den Weg nach Moskau gemacht haben, um diplomatische Lösungen für die tatsächlich vorhandenen Probleme zu finden“, schreibt die ehemalige Moskau-Korrespondentin.
Allerdings weist es die Journalistin von sich, ihre bisherigen Ansichten vollständig zu revidieren oder sich gar persönlich verantwortlich zu fühlen:
„Bin ich für den russischen Einmarsch mitverantwortlich? Es wäre schrecklich, wenn es so wäre. Doch überzeugend finde ich diesen Vorwurf nicht. Er setzt voraus, dass die Idee der Verständigung, der Entspannungspolitik grundverkehrt war, und dass eine Abschreckungspolitik Putin hätte im Zaum halten können. Beide Punkte halte ich nicht für richtig.“

NATO-Osterweiterung – „tragischer Fehler“

Krone-Schmalz verweist auf die Worte des bekannten Diplomaten George Kennan, der bereits 1998 – also noch bevor Polen, Tschechien und Ungarn 1999 in die NATO aufgenommen wurden – die NATO-Osterweiterung als „tragischen Fehler“ bezeichnete. Krone-Schmalz zitiert Kennan mit den Worten: „Natürlich wird es auch darauf zukünftig eine böse Reaktion durch Russland geben und dann werden sie (also die NATO-Erweiterer) sagen: So sind die Russen, wir haben es Euch immer gesagt, aber das ist komplett falsch.“
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Die Journalistin ergänzt mit eigenen Worten:
„Ich denke nach wie vor, dass die NATO-Osterweiterung und die Missachtung russischer Sicherheitsinteressen durch den Westen stark dazu beigetragen haben, dass wir uns heute einem Russland gegenübersehen, das uns als Feind betrachtet und sich auch so verhält. Ich teile nicht die These, dass Putin schon immer der gewesen sei, der er jetzt ist. Vielmehr gehe ich davon aus, dass wir diesen Putin mitgeschaffen haben.“

Ostpolitik und Diplomatie wiederbeleben

Krone-Schmalz sieht ihre eigene Arbeit „in Trümmern“ liegen. Trotzdem spricht sie sich für Diplomatie aus und erinnert an die Anstrengungen des damaligen deutschenBundeskanzlers Willy Brandt und seines Beraters Egon Bahr Ende der 1960er Jahre am Beginn der sogenannten Ostpolitik. Nach wie vor bedarf es einer umfassenden Sicherheitsarchitektur, „die den Bewohnern des europäischen Kontinents allen gleichermaßen Sicherheit bietet“, meint die ehemalige Fernsehjournalistin.
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Gabriele Krone-Schmalz ist sowohl Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, als auch der Puschkin-Medaille, einer hohen staatlichen russischen Auszeichnung, die ihr 2008 „in Anerkennung ihres Beitrages zur Festigung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland“ verliehen wurde. In Bestsellern wie „Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens“ oder „Eiszeit. Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist“ hat sie sich ausführlich zu Russland und zum Ukraine-Konflikt der letzten acht Jahre geäußert.
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