Ukraine-Konflikt: Russische Musikstars unter Druck – Droht Auftrittsverbot im Westen?

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Oper (Symbolbild) - SNA, 1920, 27.02.2022
Der russische Stardirigent Valery Gergiev und die weltberühmte Operndiva Anna Netrebko geraten angesichts des Ukraine-Konflikts weltweit unter Rechtfertigungsdruck. Sie werden aufgefordert, sich von Präsident Wladimir Putin zu distanzieren. Widrigenfalls droht ihnen internationales Auftrittsverbot.
Gergiev, der unter anderem als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker unter Vertrag steht, ist auch als enger Freund des russischen Staatschefs bekannt. Er hat den Präsidenten bei etlichen politischen Kampagnen unterstützt und auch die Angliederung der Halbinsel Krim 2014 ausdrücklich begrüßt. Nun stellte aber der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter dem prominenten Musiker ein Ultimatum: Er soll sich bis Montag „eindeutig und unmissverständlich“ vom Ukraine-Konflikt distanzieren.
„Sollte sich Valery Gergiev hier bis Montag nicht klar positioniert haben, kann er nicht länger Chefdirigent unserer Philharmoniker bleiben“, hieß es.
Zuvor hatte die Mailänder Scala Gergiev zu einer ähnlichen Stellungnahme aufgefordert. „Wir bitten den russischen Maestro, klare Position gegen die russische Invasion zu beziehen“, teilte Mailands Bürgermeister Beppe Sala im Namen der weltberühmten Opernbühne mit. „Tut er das nicht, sind wir gezwungen, diese Zusammenarbeit aufzugeben."
Gleichlautende Forderungen hatte der international gefragte Dirigent bereits von den Wiener Philharmonikern, vom Festspielhaus Baden-Baden und von der Hamburger Elbphilharmonie erhalten.
Bereits am vergangenen Wochenende wurden Gergiev sowie der russische Klaviervirtuose Denis Matsuev, die zusammen mit den Wiener Philharmoniker im New Yorker Carnegie Hall hätten auftreten sollen, von den Veranstaltern ausgeladen und durch andere Musiker ersetzt. Matsuev hatte 2014 genauso wie Gergiev die Angliederung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim eindeutig begrüßt.

Anna Netrebko: "Ich hoffe und bete"

Auch die weltberühmte Sopranistin Anna Netrebko wurde mittlerweile von Medien und internationalen Vertretern der Musikwelt nachdrücklich aufgefordert, zu den dramatischen Ereignissen in der Ukraine Stellung zu nehmen. Nach einer mehrtägigen Denkpause schrieb sie ihren Instagram-Followern:
„Erstens: Ich bin gegen diesen Krieg. Ich bin Russin und ich liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine und der Schmerz und das Leiden bricht mir gerade das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg endet und dass die Menschen in Frieden leben können. Das ist es, wofür ich hoffe und bete."
Zugleich betonte die Sängerin, deren Familienname ukrainische Wurzeln aufweist, darauf, dass sie die an Kunstschaffende gerichtete Forderung, politische Statements abzugeben, deplatziert findet:
„Künstler oder irgendeine Person des öffentlichen Lebens zu zwingen, ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern und ihre Heimat zu denunzieren, ist nicht richtig. Dies sollte eine freie Entscheidung sein. Wie viele meiner Kollegen bin ich kein politischer Mensch. Ich bin keine Expertin in Sachen Politik. Ich bin eine Künstlerin und meine Aufgabe ist es, Menschen über politische Trennungen hinweg zu vereinen."
Die aus Südrussland stammende Sängerin hatte ebenfalls mehrmals ihre Unterstützung für Wladimir Putins Politik bekundet. Als die Sopranistin im vergangenen Jahr im Moskauer Kremlpalast ihren 50. Geburtstag mit einer großen Gala feierte, verlast Kreml-Sprecher Dmitri Peskow von der Bühne ein Glückwunschtelegramm des russischen Präsidenten, der darin Netrebkos „weltweit bewunderte Gesangskunst“ lobpries, sie aber auch als einen „offenen, bezaubernden und gutherzigen Menschen mit einem lebensbejahenden Charakter und einer klaren Position als Bürgerin“ würdigte.
Netrebkos nächster Konzerttermin in Deutschland ist der 2. März in der Hamburger Elbphilharmonie.
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