118 Tatvorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern – Zwölf Jahre Haft für Priester

© Depositphotos / AmbrozinioKatholischer Priester und Kinder (Symbolbild)
Katholischer Priester und Kinder (Symbolbild) - SNA, 1920, 25.02.2022
Das Landgericht Köln hat am Freitag einen katholischen Priester zu zwölf Jahren Haft wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.
Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtete von dem Fall. Demnach missbrauchte der Pfarrer über viele Jahre hinweg Kinder und Jugendliche, die Anklage einhielt 118 Tatvorwürfe.
Der 70-Jährige wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung maximal acht Jahre. Der Täter wurde außerdem verpflichtet, an drei Nebenklägerinnen Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt rund 50.000 Euro zu zahlen.

Der Prozess läuft seit November. Die Anklage sei erweitert worden, als sich weitere Opfer meldeten. Vor dem Prozess kam der Priester wegen Wiederholungsgefahr in Haft, sein jüngstes Opfer sei ein neun Jahre altes Mädchen gewesen. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass der Priester Kinder zum Geschlechtsverkehr, zu Oralsex und zu vielen anderen sexuellen Handlungen zwang.

Der Täter habe besondere Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt. Laut Zeugenaussagen missbrauchte er etwa ein Mädchen, als dieses in einer Ferienfreizeit Heimweh bekam. Ein weiteres Kind missbrauchte er, nachdem er als Krankenhausseelsorger das Vertrauen der Eltern erlangt hatte. In einem anderen Fall erweckte er den Eindruck, sich um die Tochter einer alkoholkranken Mutter kümmern zu wollen.
Geld (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.02.2022
Opfer sexuellen Missbrauchs bekamen 2021 9,4 Millionen Euro von katholischer Kirche

Reaktion des Erzbistums Köln

Der Täter habe immer wieder die Gelegenheit gehabt, mit Kindern allein zu sein, obwohl den Verantwortlichen des Erzbistums Köln immer wieder Vorwürfe und Gerüchte zugetragen worden seien. Das Erzbistum habe sogar seine Anwaltskosten bezahlt, nachdem vorübergehend gegen ihn ermittelt worden war.

„Wir haben konsequent gehandelt“, beteuerte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, früher Personalchef in Köln, in seiner Zeugenvernehmung.

Der Vorsitzende Richter, Christoph Kaufmann, zeigte sich irritiert über die Haltung der Amtsträger. Man könne einen Missbrauchsfall schwerlich durch Herumblättern in der Personalakte aufdecken, Untersuchungen hätten durch die Kirche vorgenommen werden müssen.
2010 wurde erstmals eine größere Zahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Seitdem kam es zu einer Reihe von Missbrauchsskandalen in verschiedenen Teilen des Landes.
So gab beispielsweise das Erzbistum München und Freising ein Gutachten in Auftrag, welches zu dem Ergebnis kam, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden. Sie berichteten von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern, die Dunkelziffer sei jedoch deutlich höher.
Auch die Zahl der Kirchenaustritte ist seit der Offenlegung des Skandals gestiegen, die Kirche hat einen schwerwiegenden Imageschaden erlitten.
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