Ukrainischer Botschafter: Gesprächsbereitschaft mit Moskau, aber keine Kapitulation

CC BY-SA 2.0 / Stephan Roehl / Wikimedia CommonsAndrej Melnyk (Archivbild)
Andrej Melnyk (Archivbild) - SNA, 1920, 25.02.2022
Die Regierung in Kiew ist zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereit, aber von einer Kapitulation ist keine Rede, sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrej Melnyk, gegenüber dem TV-Sender N24.
„Die ukrainische Regierung ist bereit, mit Putin zu sprechen, um diesen Wahnsinn zu stoppen, (…) obwohl wir gestern die diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben. Aber es geht jetzt nicht darum, dass wir (…) kapitulieren, dass die Ukraine eine weiße Flagge hisst und Putins Bedingungen akzeptiert. Das wird nie passieren. Es kann nicht passieren, dass wir durch diese Militäraktionen gezwungen werden, das zu tun, was die Menschen nicht wollen“, sagte Melnyk.
Die russische Seite habe bisher Forderungen vorgebracht, welche „undurchführbar“ seien. Trotz der katastrophalen Lage müssten diplomatische Wege zur Lösung des Konflikts offen bleiben.
„Es kommt normalerweise vor, dass die Parteien in einer Kriegssituation keine direkten Verhandlungen führen, wie es jetzt der Fall ist, es ist praktisch unmöglich. Aber im Moment kann nichts ausgeschlossen werden. Der Punkt ist, dass wir jede Gelegenheit nutzen sollten, um das Blutvergießen zu stoppen“, betonte der Botschafter.
Am Donnerstagmorgen hatte der russische Präsident Wladimir Putin eine Spezialoperation zum Schutz der Donbass-Republiken Lugansk und Donezk angekündigt. Dies sei eine Antwort auf entsprechende Bitten der Volksrepubliken, Beistand bei der Abwehr der Aggression der ukrainischen Streitkräfte zu leisten. Dabei versicherte Putin, dass Moskau keine Pläne habe, die Ukraine zu besetzen. Es gehe nur um ihre „Demilitarisierung und Denazifizierung“. „Russland kann sich nicht sicher fühlen, sich entwickeln und mit einer ständigen Bedrohung seitens der Ukraine existieren“, sagte der russische Präsident am frühen Donnerstagmorgen.
Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge werden zivile Objekte auf dem Territorium der Ukraine nicht angegriffen. Zu den Zielen zählten ausschließlich Objekte der Militärinfrastruktur, die friedliche Bevölkerung habe nichts zu befürchten, hieß es.
Später teilte die Behörde mit, dass die ukrainischen Grenzschutzbeamten „keinen Widerstand leisten“ würden. In einigen Fällen würde sich das ukrainische Militär ergeben und habe dann die Möglichkeit, zu ihren Familien zurückzukehren.
Die ukrainischen Luftabwehrsysteme sei unterdrückt und die militärische Infrastruktur von Militärflugplätzen lahmgelegt worden. Insgesamt seien 118 Militärobjekte (Stand Freitagmorgen) außer Betrieb gesetzt worden, auch das Kernkraftwerk Tschernobyl werde inzwischen kontrolliert.
Die in ukrainischen sozialen Netzwerken und Medien veröffentlichten Videos deuten darauf hin, dass die russischen Truppen bereits die Kontrolle über verschiedene Landesteile, darunter die Außenbezirke von Kiew, übernommen haben. Eine detaillierte Ukraine-Karte mit Hinweis auf die Regionen, in denen das russische Militär operiert, wurde noch nicht offiziell veröffentlicht.
Russlands Präsident Wladimir Putin hält eine Ansprache an die Bürger Russlands und an die Landsleute im Ausland. Moskau, 21. Februar 2022 - SNA, 1920, 25.02.2022
Nationalisten in Ukraine hetzen örtliches Militär auf – Putin
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