Karnevalsstart in Köln und Kämpfe in der Ukraine

© REUTERS / THILO SCHMUELGENKölner Karneval am 24. Februar 2022
Kölner Karneval am 24. Februar 2022 - SNA, 1920, 25.02.2022
Die bunten Bilder aus Köln stehen in scharfem Kontrast zur aktuellen Weltlage. In der Ukraine herrscht Krieg – und in Köln feiern verkleidete Menschen Karneval. Weiberfastnacht konnte nicht mehr abgesagt werden, Rosenmontag aber schon.
Karneval im Schatten des Krieges: In den rheinischen Hochburgen hat am Donnerstag der Straßenkarneval begonnen. Doch während an Weiberfastnacht in Köln noch Zehntausende kostümierter Jecken in der Innenstadt schunkelten, hat das Festkomitee seinen geplanten Rosenmontagszug im Rhein-Energie-Stadion abgesagt. Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine sei ein unbeschwertes Feiern kaum noch denkbar, sagte ein Sprecher. Stattdessen werde es eine Friedensdemonstration mit Persiflage-Wagen auf Plätzen in der Kölner Innenstadt geben.

Reker: „Ich feiere nicht“

Um Punkt 11:11 Uhr an Weiberfastnacht hatte das Dreigestirn mit dem traditionellen Countdown und dreimal „Kölle Alaaf“ auf einer Bühne in der Altstadt den Karneval eröffnet. „Mir ist wirklich nicht zum Feiern zumute, aber weder ich noch das Festkomitee können und wollen den Karneval absagen“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei einem Empfang im Rathaus. „Jede und jeder muss das für sich selbst entscheiden, ob das der richtige Augenblick ist zu feiern“, sagte die parteilose Reker. „Ich feiere nicht.“
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Das Festkomitee Kölner Karneval erklärte am Donnerstagmorgen, der Beginn des Straßenkarnevals bedeute für die Jecken hauptsächlich individuelles Feiern. „Nach zwei Jahren Pandemie ist die Sehnsucht danach sehr groß – und das Absagen mit so kurzem Vorlauf rein organisatorisch auch gar nicht möglich. Es wäre aus unserer Sicht auch das falsche Signal.“

Wüst: „Krieg und Karneval in Europa passen nicht zusammen"

Für Rosenmontag sehe das anders aus, entschied das Festkomitee dann am frühen Nachmittag. Ein Rosenmontagszug sei angesichts der aktuellen Ereignisse nicht mehr denkbar, eine Absage noch möglich. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich ebenfalls dafür, aus, die Karnevalszüge abzusagen. „Krieg und Karneval in Europa passen nicht zusammen“, sagte er in Düsseldorf.
Am Abend wurde die Kölner Polizei vermehrt wegen Schlägereien, Diebstählen oder Delikten wie sexueller Belästigung gerufen. Es gebe erste Abwanderungstendenzen, es werde aber auch reichlich Alkohol konsumiert. „Wir sind noch lange nicht am Ende“, sagte ein Polizeisprecher. In Düsseldorf war die Altstadt mit vielen kostümierten Jecken belebt. Im Großen und Ganzen gehe es friedlich zu, berichtete ein Sprecher. Es sei weniger los als sonst an Weiberfastnacht, aber auch sehr kalt.
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Wie in anderen Jahren, bildeten sich an Weiberfastnacht schon morgens vor vielen Kölner Kneipen Warteschlangen. Auch im Studentenviertel wurde es nach Angaben der Stadt rasch voll. In der Altstadt und auf anderen Partymeilen sei jedoch deutlich weniger los gewesen als sonst.

2G-Plus in „Brauchtumszonen“

Laut Corona-Schutzverordnung ist das Karnevalfeiern in NRW draußen in sogenannten Brauchtumszonen unter 2G-Plus-Bedingungen erlaubt. Köln hat für die Karnevalstage das gesamte Stadtgebiet zur „Brauchtumszone“ erklärt, so dass für Jecken überall im öffentlichen Raum 2G-Plus gilt. Das heißt: Genesene oder zweifach Geimpfte brauchen einen aktuellen negativen Test oder eine dritte Impfung (Booster). In Kneipen müssen auch Geboosterte einen aktuellen Schnelltest vorweisen.
In Düsseldorf strömten Tausende überwiegend junge Kostümierte in die Altstadt, wo Absperrgitter die „Brauchtumszone“ markieren. Sicherheitspersonal kontrollierte Taschen auf Glas, die Impfnachweise wurden nur stichprobenhaft nachgesehen.
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Anders als sonst herrschte auf dem Platz vor dem Rathaus gähnende Leere. Während dort normalerweise traditionell die „Möhnen“ zum Sturm auf das Rathaus blasen, blieben die Rathaustüren dieses Mal zu.
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