Deutsche Verteidigungsausgaben und Truppenstärke im weltweiten Vergleich

© REUTERS / Fabian BimmerZwei Scharfschützen der Bundeswehr präsentieren ihre Waffen während des Besuchs von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht auf dem Militärstützpunkt Münster am 7. Februar 2022
Zwei Scharfschützen der Bundeswehr präsentieren ihre Waffen während des Besuchs von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht auf dem Militärstützpunkt Münster am 7. Februar 2022 - SNA, 1920, 25.02.2022
Bundesfinanzminister Christian Lindner will die Ausgaben für die Bundeswehr erhöhen. Sinkende Verteidigungsausgaben passen ihm zufolge nicht mehr in die Zeit. Ob diese tatsächlich sinken, welche Ausgabenbereiche der Verteidigungshaushalt hat und welchen Platz das Land unter den Nato-Staaten nach deren Truppenstärke belegt, finden Sie im Weiteren.
„Die Bundeswehr muss für ihren Auftrag gestärkt werden - das ist seit langer Zeit meine Überzeugung“, so Bundesfinanzminister Christian Lindner in seinem Twitter-Account am Donnerstagabend nach dem Gespräch mit André Wüstner, dem Vorsitzenden des Deutschen Bundeswehrverbandes (DBwV). Das Treffen sei lange geplant gewesen, aber aktueller denn je.
„Sinkende Verteidigungsausgaben passen nicht mehr in die Zeit“, erklärte Lindner in der ARD-Talksendung „maischberger. die woche“.
In diesem Zusammenhang haben wir einige Zahlen zusammengefasst und präsentieren Ihnen die Entwicklung des deutschen Verteidigungshaushalts, die Übersicht seiner Ausgabenbereiche und zeigen, welchen Platz Deutschland unter den Nato-Ländern nach der Truppenstärke belegt.

„Mehr als nur die Verteidiger unseres Landes sein“

Das Wachstum der Verteidigungsausgaben soll sich weiter fortsetzen und das Budget 2022 insgesamt 50,3 Milliarden Euro erreichen, teilte das Bundesministerium der Verteidigung mit, nachdem im Sommer der Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2022 beschlossen worden war. Damit können demnach vor allem wichtige Rüstungsprojekte realisiert werden. Der Deutsche Bundestag wird den Haushalt 2022 voraussichtlich erst bis Mitte 2022 abschließend beraten und beschließen können.
Die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wies damals an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg im Hinblick auf den beschlossenen Etat 2022 darauf hin, dass dies sehr viel Geld sei – aber dennoch nötig. Denn der Verteidigungshaushalt sei der „Haushalt für das Leben in Frieden und Freiheit“, zitiert das Verteidigungsministerium AKK.
Der Verteidigungshaushalt sei ein Fürsorgehaushalt. Der Etat sichere die Rechte künftiger Generationen.
„Er ist ein Anzeichen dafür, ob wir es mit dem Recht auf Zukunft, das heute oft beschworen wird, wirklich ernst meinen“, so Kramp-Karrenbauer. „Unsere Soldatinnen und Soldaten können mehr sein als nur die Verteidiger unseres Landes. Sie können im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsträger für Deutschland sein“, so AKK weiter.

Entwicklung des deutschen Verteidigungshaushaltes

In den letzten vergangenen Jahren sind die Verteidigungsausgaben Deutschlands stets angestiegen:
46,9 Milliarden Euro im Jahr 2021
45,7 Milliarden Euro im Jahr 2020
43,2 Milliarden Euro im Jahr 2019
38,5 Milliarden Euro im Jahr 2018
37,0 Milliarden Euro im Jahr 2017
34,3 Milliarden Euro im Jahr 2016
33,0 Milliarden Euro im Jahr 2015
32,4 Milliarden Euro im Jahr 2014

Ausgabenbereiche des Verteidigungshaushaltes

Mit dem Verteidigungshaushalt 2022 kann dem Bedarf der Bundeswehr besonders in den Bereichen Rüstungsbeschaffung und Digitalisierung Rechnung getragen werden, so das Ministerium. Der Etat ermögliche die Fortsetzung der laufenden, wichtigen Rüstungsprojekte.
Der Verteidigungshaushalt unterteilt sich in vier grundlegende Kategorien. Das sind insgesamt aktuell elf Kapitel mit rund 300 Titeln. Im Jahr 2021 waren sie wie folgt unterteilt:
1.
Betriebsausgaben – 25,78 Milliarden Euro
Dazu zählen die Personalausgaben (13,23 Milliarden Euro), Materialerhaltung (4,53 Milliarden Euro) sowie sonstige Betriebsausgaben wie zum Beispiel Bewirtschaftung der Liegenschaften, Betriebsstoff, Geschäftsbedarf (8,02 Milliarden Euro).
2.
Betreiberverträge zur Weiterentwicklung der Bundeswehr – 3,40 Milliarden Euro
Hierzu zählen laut dem Verteidigungsministerium unter anderem die Ausgaben für die vorhandenen privatrechtlichen Gesellschaften. Diese decken zum großen Teil den Bedarf der Bundeswehr an Mobilität, an Bekleidung und persönlicher Ausrüstung, an Instandsetzung landgebundenen Materials sowie an Informationstechnik.
3.
Investive Ausgaben – 12,23 Milliarden Euro
bestehend aus Forschung, Entwicklung und Erprobung (1,66 Milliarden Euro), militärischen Beschaffungen (8,69 Milliarden Euro), militärischen Anlagen (1,33 Milliarden Euro) und sonstigen Investitionen (0,56 Milliarden Euro).
4.
Versorgungsausgaben – 6,14 Milliarden Euro
Dabei handelt es sich um Ausgaben für ehemalige Soldaten und Beamte aus dem Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums sowie deren Hinterbliebene.
Die globale Minderausgabe betrug demnach 0,63 Milliarden Euro.

Top-11 der größten Streitkräfte der Nato-Länder

Laut dem Bundesverteidigungsministerium sind im Entwurf des Bundeshaushalts 2022 „eine Vielzahl an Verbesserungen im Personalhaushalt“ sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich vorgesehen. Die neue Veranschlagungsstärke der Bundeswehr liege bei 176.500 Soldaten. Die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden bleibe bei 12.500, die der Reservistendienstleistenden bei 4.500.
Im Jahr 2021 umfassten die Streitkräfte der Nato nach vorläufigen Angaben eine Truppenstärke von insgesamt rund 3,3 Millionen Soldaten, so das Portal Statista Ende Januar 2022. Demnach stellten die folgenden Länder die meisten Streitkräfte:
1.
USA 1.351.500 Personen
2.
Türkei 445.400 Personen
3.
Frankreich 208.000 Personen
4.
Deutschland 189.100 Personen
5.
Italien 174.200 Personen
6.
Großbritannien 156.200 Personen
7.
Spanien 123.900 Personen
8.
Griechenland 106.700 Personen
9.
Polen 121.000 Personen
10.
Rumänien 76.300 Personen
11.
Kanada 71.100 Personen

Top-10 der Länder mit den weltweit höchsten Militärausgaben

Die Vereinigten Staaten geben am meisten Geld für das Militär aus, teilte das Portal Statista unter Verweis auf das Stockholmer internationale Friedensforschungsinstitut (Stockholm International Peace Research Institute, SIPRI) Ende Januar 2022 mit. Demnach beliefen sich die weltweiten Ausgaben für das Militär im Jahr 2020 insgesamt auf rund 1,96 Billionen US-Dollar. Hier sind die Staaten mit den größten Militärausgaben:
1.
USA 778 Milliarden US-Dollar
2.
China 252 Milliarden US-Dollar
3.
Indien 72,9 Milliarden US-Dollar
4.
Russland 61,7 Milliarden US-Dollar
5.
Vereinigtes Königreich 59,2 Milliarden US-Dollar
6.
Saudi-Arabien 57,5 Milliarden US-Dollar
7.
Deutschland 52,8 Milliarden US-Dollar
8.
Frankreich 52,7 Milliarden US-Dollar
9.
Japan 49,1 Milliarden US-Dollar
10.
Südkorea 45,7 Milliarden US-Dollar
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Lesen Sie zum Thema auch: „Erschreckende Mängel“: Frierende Bundeswehr im Baltikum soll Nato-Ostflanke stärken
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