Youtube warnt: EU-Gesetz über digitale Dienste kann Bekämpfung von Fake News behindern

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Logo der Video-Hosting-Plattform YouTube - SNA, 1920, 23.02.2022
Das geplante europäische Gesetz über digitale Dienste kann nach Einschätzung von Youtube die Bekämpfung von Hassrede und Fehlinformationen verlangsamen.
In seiner jetzigen Fassung könne der Digital Services Act (DSA) verlangen, dass Youtube zuerst „eine systematische und detaillierte Bewertung durchführen“ müsse, bevor ein Produkt oder ein Dienst eingeführt wird. Das erklärte der Chief Product Officer, Neal Mohan, zur Vorlage des vierteljährlichen Transparenz-Berichtes von Youtube.

Je größer die Plattform, desto strenger die Regeln

Mit den geplanten Vorgaben sollen Verbraucher im Netz besser vor Desinformation, Hassrede und Produktfälschungen geschützt werden. Außerdem soll geregelt werden, wie Digital-Riesen wie Google oder Facebook mit illegalen Inhalten oder Hassrede umgehen sollen, so Mohan. Dabei soll gelten: je größer die Plattform, desto strenger die Regeln.
Youtube befürchtet laut dem Manager, dass jede Anpassung der Algorithmen zur Eindämmung schädlicher Inhalte unter die Bestimmung des DSA fallen, über den derzeit zwischen der EU-Kommission, dem Europäischen Parlament und den EU-Staaten verhandelt wird. Wenn eine neue Bedrohung durch Fehlinformationen auftaucht, müsse aber schnell gehandelt werden, sagte Mohan.

Falschinformationen zur Corona-Pandemie

Als Beispiel führte er die Bekämpfung von Falschinformationen zur Corona-Pandemie an. Dieses Thema habe in den vergangenen zwei Jahren zu einem starken Anstieg von Fehlinformationen geführt. „Wir waren eine der ersten Plattformen, die eine Covid-19-Richtlinie für medizinische Fehlinformationen einführte, und wir haben sie allein im Jahr 2020 zehnmal aktualisiert, um die Zuschauer vor schädlichen Inhalten zu schützen.“
Im vierten Quartal 2021 habe Youtube weltweit mehr als 58.000 Videos wegen vermeintlichen Verstoßes gegen die Covid-19-Richtlinie entfernt. Weltweit hat Youtube zwischen Oktober und Dezember 2021 über 3,7 Millionen Videos gelöscht, weil sie gegen die Community-Richtlinien des Dienstes verstoßen haben. In Deutschland wurden über 48.000 Videos entfernt, deutlich mehr als in Frankreich (knapp 32.000), Spanien (knapp 22.000) und Niederlanden (knapp 20.000). 92 Prozent dieser Videos weltweit seien zuerst von Maschinen entdeckt und nicht von Menschen markiert worden.
Mohan erklärte, Youtube unterstütze die allgemeinen Ziele der DSA. „Wir sind uns sicher, dass langsamere Reaktionszeiten bei der Bekämpfung von Fehlinformationen nicht das sind, was alle Beteiligten an diesen Verhandlungen wollen. Aber es besteht ein echtes Risiko, wenn dieser spezielle Vorschlag bestehen bleibt.“
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