Modellierer: Ende Februar erneuter Anstieg der Infektionszahlen durch Omikron-Subtyp BA.2

CC0 / geralt / Pixabay / Coronavirus-Variante Omikron (Symbolbild)
Coronavirus-Variante Omikron (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.02.2022
Modellierer von der Technischen Universität Berlin (TU) haben errechnet, dass simultan zum Abflachen der Omikron-Untervariante BA.1 die neue Untervariante BA.2 wieder für einen Anstieg der Infektionszahlen sorgen wird. Diese Entwicklung sähe man bereits im benachbarten Dänemark.
In einem Bericht, den das Team um Kai Nagel am Mittwoch vorlegte, schreiben die Modellierer, bei der aktuellen Omikron-Welle handle es sich um die Überlagerung verschiedener Untervarianten, hauptsächlich BA.1 und BA.2. Dabei sei BA.2 noch einmal ansteckender als ihre Vorgängerin. Der Scheitelpunkt von BA.1 sei Mitte Februar überschritten worden und das spiegele sich in den rückläufigen Hospitalisierungszahlen wider. Jedoch stiegen die Anteile von BA.2-Infektionen an allen Covid-Infektionen seit Wochen kontinuierlich an, sodass davon auszugehen sei, dass bis zum Ende des Monats diese Untervariante für die Mehrheit der Covid-Infektionen verantwortlich sein werde. „Höhe und Zeitpunkt des Maximums lassen sich hingegen kaum vorhersagen, weil sie unter anderem von der (zurzeit unbekannten) Stärke der Kreuzimmunität zwischen BA.1 und BA.2 abhängen sowie vom nicht vorhersagbaren Freizeitaktivitätsniveau der Bevölkerung“, heißt es in dem Bericht.
In den vergangenen Wochen sei in Berlin an den Wochenenden ein „sichtbarer Anstieg der aushäusigen Aktivitätendauern“ zu beobachten, noch höher sei das aushäusige Aktivitätsniveau in Köln, wo die Menschen bis zu sieben Stunden täglich außer Haus verbracht hätten. Für die Erhebung der Daten sind anonymisierte Mobilfunkdaten ausgewertet worden.
Coronavirus-Variante Omikron (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.02.2022
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Um die erwartete Infektionsdynamik durch BA.2 vorhersagen zu können, müsste Annahmen über die sogenannte Kreuzimmunität und das Freizeitaktivitätsniveau in der Bevölkerung getroffen werden, so die Forscher. Bei einer hohen Kreuzimmunität, bei der davon auszugehen ist, dass eine durchgemachte Infektion mit der BA.1-Variante relativ gut vor einer Ansteckung mit BA.2 schützt, und einem gleichzeitig niedrigen Niveau an Freizeitaktivitäten, ergebe sich den Berechnungen zufolge eine BA.2-Welle mit Maximalwerten, wie denen von BA.1 Mitte Februar. Bei niedriger Kreuzimmunität und einem hohen Niveau an Freizeitaktivitäten könne die BA.2-Welle jedoch das 2,5-fache erreichen. Das bedeute unter Umständen auch 2,5-mal mehr Belastung der Normal- und Intensivstationen.
Die Modellierer sehen sich bei ihren Berechnungen durch die Entwicklungen in Dänemark bestätigt. Dort seien die Inzidenzen in den ersten beiden Januarwochen zunächst auf einem gleichbleibenden Niveau geblieben, danach aber stark angestiegen. Die Berliner Modellierer sagen: Mitte Januar hatte die BA.2-Untervariante die 50-Prozent-Marke beim Anteil der Infektionen überschritten und für den Anstieg der Inzidenzen gesorgt.
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Dass die Omikron-Welle trotz hoher Inzidenzen nicht zu einer Überbelastung des Gesundheitssystems geführt hat, führen die Forscher darauf zurück, dass die Impfung und die Auffrischungsimpfung die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs reduzieren. Zudem seien Omikron-Infektionen im Verlauf milder als bei vorangegangenen Varianten. Doch sie warnen: „Zurzeit ist noch unklar, ob die Omikron BA.1-Inzidenzen stärker als bisher auf die älteren Jahre übergreifen werden und dies in der Folge erneut zu einer erhöhten Anzahl schwerer Verläufe führt.“
Bezüglich der von der Bundesregierung geplanten Lockerungen, die beispielsweise den Verzicht auf Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel bei gleichzeitiger Beibehaltung der Maskenpflicht vorsehen, kommen Kai Nagel und seine Kollegen zu dem Ergebnis: Das Tragen einer FFP2-Maske schützt im Einzelhandel deutlich besser als 2G. Die meisten Lockerungen betreffen jedoch den Freizeitbereich. Hier sagen die Modellierer: Sollte die Bevölkerung von derzeit 75 Prozent des normalen Freizeitaktivitätenniveaus auf volle 100 Prozent zurückkommen, würden die Inzidenzen um 50 Prozent steigen.
Eine Krankenschwester wacht über einen Covid-19-Patienten an einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation im Krankenhaus La Timone in Marseille, Südfrankreich, Freitag, 31. Dezember 2021. - SNA, 1920, 22.02.2022
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