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Ein "Zukerl" für Zwentendorf

© Wikipedia / Bwag / CC BY-SA 4.0Ostansicht des nie ans Netz gegangenen österreichischen Kernkraftwerkes Zwentendorf (Bundesland Niederösterreich)
Ostansicht des nie ans Netz gegangenen österreichischen Kernkraftwerkes Zwentendorf (Bundesland Niederösterreich) - SNA, 1920, 23.02.2022
Politiker sein ist anstrengend. Auch in Österreich. Vor allem wenn man - so wie Bundeskanzler Nehammer - durch einen Untersuchungsausschuss in Bedrängnis gerät und vor scheinbar unlösbaren Aufgaben der Tagespolitik steht. Doch Politik in Österreich hat ein Zaubermittel. Unsere Gastkolumnistin Daniela Kickl erklärt es - und seine Wirkung.
Zwentendorf ist ein kleines Kaff im Bezirk Tulln, Niederösterreich, das genau niemand außer den etwa 4000 Einwohnern kennen würde. Aber es hat etwas, das sonst niemand auf der ganzen weiten Welt hat, nämlich ein 1:1 Modell eines Atomkraftwerkes!
Das AKW Zwentendorf, das sich seit seiner Nicht-Inbetriebnahme dank der Volksabstimmung am 5. November 1978 als Museum und Veranstaltungsort herausgeputzt hat, bekommt nun eine neue Aufgabe! Nein, nicht als Stromproduzent, weil Atomkraft in Österreich als unheiliges Teufelszeug betrachtet wird.
Ich darf Ihnen hier und heute das seriöse, wenn auch nicht gänzlich ernst gemeinte, und vor allem noch streng geheime Vorhaben der türkis-grünen Regierung präsentieren! Künftig, so der Plan, werden nämlich alle Vorhaben, die bereits im Ansatz nach „österreichischer Lösung“ riechen, an jenem Ort präsentiert, der diese rot-weiße-rote Vorgehensweise in jedem Stück Beton, in jedem ungenutzten Schalter und leeren Reaktor symbolisiert.

Was ist die „österreichische Lösung“?

Jeder kennt sie, keiner mag sie wirklich, aber sie gehört zum Land wie Alpen und Donau. Eine Definition der österreichischen Lösung, besonders für Außenstehende, ist gar nicht so einfach. Wikipedia beschreibt das Phänomen so:
„Österreichische Lösung ist ein geflügeltes Wort, das meist mit negativer bzw. kritischer Konnotation medial gebraucht wird um Formelkompromisse, also Entscheidungen und vermeintliche Lösungen von Problemen als unzufriedenstellend für alle Beteiligten zu identifizieren.“
Wikipedia
Auszug aus dem Artikel "Österreichische Lösung"
Auf gut Wienerisch kann man sie mit „schau ma mal, dann sehn ma scho“ (schauen wir einmal, dann sehen wir schon) oder auch „i wü, oba i kon ned“ (ich will, aber ich kann nicht) andenken. Auf philosophisch-wissenschaftlicher Basis kann man sie als Antithese zum binären System für Entscheidungen betrachten. Wenn nur Ja oder Nein zu einem befriedigenden Ergebnis führen, so erstrahlt die österreichische Lösung als „Jein“ genau in der Mitte!

Operation ZUKERL

Apropos „erstrahlt“ - Unter dem Codenamen "ZUKERL" (Zwentendorf - Unsere Kompetenz Erstrahlt Regionen und Land) hat die Regierung nachstehende Veranstaltungen bereits eingeplant. Bitte lesen Sie hier Auszüge der Protokolle zur Vorbereitung der jeweiligen Pressekonferenz:
1) Wolfgang Sobotka und das Wunder im ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss
Bundeskanzler Nehammer: Wie erklären wir, dass der Sobotka* als ÖVPler wieder den Vorsitz in diesem Untersuchungsausschuss übernimmt?
Mitarbeiter: Gar nicht!
Nehammer: Diese Journalisten werden wieder Fragen stellen! Das machen die immer! Also, wofür werden Sie eigentlich bezahlt?
Mitarbeiter: Ich bin der Schwager vom Cousin Ihrer Schwiegermutter!
Nehammer: Ah so. Passt! Und was sag ich jetzt?
Mitarbeiter: Nutzen Sie die Location! Das AKW ist ein Ort der Wissenschaft! So wie Schrödingers Katze gleichzeitig tot und lebendig sein kann, so kann der Wolferl gleichzeitig den Vorsitz übernehmen und auch nicht!
Nehammer: Das geht?
Mitarbeiter: Aber ja doch! Wenn irgendwelche Chats auftauchen, in denen er vorkommt, dann wechselt er einfach den Sessel! Ein klares Jein zum Vorsitz!
Nehammer: Potzblitz! Das ist fast genial! So mache ich das!
2) Der Energiebonus
Nehammer: Pah! Es ist alles so anstrengend. Nicht nur diese depperte Pandemie, jetzt wollen die Leute auch noch finanzielle Hilfe beim Heizen!
Mitarbeiter: Ja, Sie haben es nicht leicht!
Nehammer: Sie sagen es! Wie machen wir das denn am blödesten? Also am gescheitesten?
Mitarbeiter: Nun ja, es gibt hier einige Möglichkeiten, die aber ein bisserl Aufwand bedeuten!
Nehammer: Hat das irgendwas mit Computern zu tun?
Mitarbeiter: Im weitesten Sinne, ja.
Nehammer: Ich kann mir kein zweites Kaufhaus Österreich leisten! Vom Geld her warat’s** wurscht, aber vom Image her nicht!
Mitarbeiter: Versenden Sie einfach Gutscheine an alle! Die Post scheint ja soweit gut zu funktionieren.
Nehammer: An alle? Da regen sich dann wieder die Sozen auf, weil „Gießkannenprinzip“! Na sicher nicht!
Mitarbeiter: Wir sagen einfach dazu, dass der Gutschein nicht eingelöst werden darf, wenn wer zu viel verdient!
Nehammer: Die Leute werden mich für verblödet halten!
Mitarbeiter: Sagen’s halt dazu, dass das überprüft wird. Stichprobenartig!
Nehammer: Das hat dann wieder was mit Computern zu tun, oder?
Mitarbeiter: Ach, ein paar Rote oder Blaue, die zufälligerweise in der Stichprobe sein werden, finden sich schnell.
Nehammer: Das ist mir zu blöd!
Mitarbeiter: Genaugenommen ist das gar nicht Ihr Ressort. Sie sind Kanzler, nicht der Finanzminister!
Nehammer: Stimmt! Magnus!!!!!!***
Brunner: Ja, Karli?
Nehammer: Du machst jetzt einen Gutschein, der nicht eingelöst werden darf! Zum Energiebonus!
Brunner: Und dieses Prozedere erklär ich wie?
Mitarbeiter: Volksnah!
Brunner: Bescheißen ist bescheißen?
Mitarbeiter: Ein klares Jein zur sozialen Gerechtigkeit! Perfekt!
Anmerkung:
* Wolfgang Sobotka, ÖVP, Präsident des Österreichischen Nationalrates (das Wiener Gegenstück zum Bundestag)
** österreichisch für: wäre es
** Magnus Brunner: ÖVP, Österreichs Finanzminister
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