„Ein Witz“: Expertin kommentiert britische Sanktionen gegen russische Superreiche

© AP Photo / Sergei KarpukhinGennadi Timtschenko (hier ein Archivfoto) wurde von Großbritannien mit Sanktionen belegt.
Gennadi Timtschenko (hier ein Archivfoto) wurde von Großbritannien mit Sanktionen belegt. - SNA, 1920, 23.02.2022
Die Sanktionen, die Großbritannien wegen der Eskalation der Ukraine-Krise gegen drei russische Oligarchen verhängt hat, werden nach Ansicht einer Expertin kaum etwas bewirken. Die Betroffenen seien in Großbritannien nur wenig aktiv, sagte Elisabeth Schimpfössl im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
„Das ist ein Witz. Das signalisiert den Oligarchen hier, dass nichts passiert, und dass das Lobbying der letzten Tage geglückt ist“, betonte Schimpfössl, die an der London School of Economics den Einfluss reicher Russen im Vereinigten Königreich erforscht.
Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Dienstag Sanktionen gegen fünf russische Banken und drei extrem reiche russische Staatsbürger verhängt. Bei den sanktionierten Oligarchen handelt es sich um Gennadi Timtschenko sowie Boris und dessen Neffe Igor Rotenberg. Alle drei Geschäftsleute gelten als enge Verbündete von Russlands Präsident Wladimir Putin.
Die russische Botschaft in London - SNA, 1920, 22.02.2022
Nach Donbass-Anerkennung: London verhängt Sanktionen gegen Moskau – Botschafter einbestellt
Die Vermögenswerte der sanktionierten Personen in Großbritannien würden eingefroren, die Einreise in das Vereinigte Königreich werde für die betroffenen Personen unterbunden, sagte Johnson. Britische Firmen und Privatpersonen dürften keine Geschäfte mehr mit ihnen abwickeln.
Putin hatte am Montagabend die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk in der Ostukraine per Dekret als unabhängige Staaten anerkannt. Der Entscheidung war eine Eskalation der Kämpfe der ukrainischen Armee mit den beiden seit 2014 von Kiew als abtrünnig betrachteten Regionen vorausgegangen.
Seine Entscheidung begründete Putin unter anderem damit, dass die Ukraine die Minsker Abkommen über eine friedliche Beilegung des Konflikts jahrelang ignoriert habe. Als Reaktion darauf kündigten westliche Staaten neue Sanktionen gegen Russland an. Die deutsche Regierung etwa stoppte vorläufig das Genehmigungsverfahren für die bereits betriebsbereite Ostseepipeline Nord Stream 2, durch die russisches Erdgas unter Umgehung der Ukraine direkt nach Deutschland strömen sollte.
In Großbritannien werden die Aktivitäten russischer Superreicher schon seit Langem von Parlamentariern, Journalisten und Experten mit Sorge betrachtet. Laut DPA reichen die Geschäftsbeziehungen der Oligarchen jedoch bis in die höchsten Kreise von Politik und Gesellschaft.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала