Ukraine mit Atomwaffe: Witz der Woche – Experten

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Rakete (symbolbild) - SNA, 1920, 22.02.2022
In der Münchner Sicherheitskonferenz hat der ukrainische Präsident, Wladimir Selenski, erklärt, dass sein Land aus dem Budapester Abkommen, mit dem es auf seinen Anteil an dem sowjetischen Kernwaffenerbe verzichtet hat, aussteigen und eine Atommacht werden könne. Alexej Fenenko von der Moskauer Lomonossow-Universität, bezeichnete das als Witz.
Erstens sei dazu die vollständige Brennstoffkette notwendig, von der Uranförderung bis zur Wiederaufbereitung von verbrauchtem Kernbrennstoff zur Gewinnung von spaltbarem Plutonium, so der Experte für internationale Sicherheit. „Die Ukraine dürfte noch Überreste aus der Sowjetzeit bewahrt haben, aber die Technologie zur Herstellung eigenen Brennstoffes bereitet ihr große Schwierigkeiten. Folglich fehlt der Kette zumindest ein Glied.“
Zweitens gehöre dazu eine Schule der theoretischen Physik, „und zwar nicht einfach Physiker, sondern Atomphysiker, die nukleare Sprengkörper entwerfen können. Dazu gehört mehr als die Beschreibung der Kettenreaktion, wie sie in jedem Physikschulbuch zu finden ist. Man muss nämlich das richtige Verhältnis der Legierungen treffen und die Möglichkeiten des einschlägigen Kalibers kennen. In der Ukraine gibt es gegenwärtig kaum solche Fachleute.“
„Ferner braucht man zur Herstellung von nuklearen Sprengkörpern Produktionskapazitäten“, urteilt der Politikwissenschaftler. „Wie groß wäre der erforderliche Zeitaufwand, selbst mit internationaler Unterstützung? Mindestens zwölf Jahre. Aber die Sache wäre damit nicht erledigt. Darüber hinaus wäre die Produktion von Trägern erforderlich, die mit den Sprengkörpern im Einklang stehen. Die Ukraine verfügt wiederum über gewisse Überreste des sowjetischen Erbes, mit ihnen lässt sich aber keine vollständige Brennstoffkette betreiben. Hat man nur einen Sprengkopf produziert, ist das noch lange keine Atomwaffe. Dazu gehört ein Bestand von Trägern, an denen man die Atomsprengköpfe installieren kann. In Wirklichkeit hat die Ukraine heutzutage keine Chancen, eigene Atomwaffen zu bauen“, schlussfolgert Fenenko.

Ukraine will Nuklearabschreckung betreiben

Dmitri Danilow, Leiter der Abteilung für europäische Sicherheit des Europa-Instituts in Moskau, äußerte, Selenski verlange vom Westen Sicherheitsgarantien mittels Nuklearabschreckung. „Man muss sich dessen bewusst sein. Kiew hat bei seinen westlichen Partnern schwere Besorgnis ausgelöst, weil es somit den Rahmen der bedeutenden völkerrechtlichen Atomwaffenabkommen zu brechen droht, einschließlich des Atomwaffensperrvertrages.“
Der ukrainische Präsident Wladimir Selenski auf der Münchner Sicherheitskonferenz, 19. Februar 2022 - SNA, 1920, 19.02.2022
Selenski droht mit Revision von Beschluss zum Verzicht der Ukraine auf Atomwaffen
Daraus folgt, dass die Ukraine selbstständig keine Atomwaffen entwickeln kann. War es aber nicht so gemeint, dass diese von den USA geliefert werden sollen? Beabsichtigen sie nicht etwa, ihre Atomwaffen in der Ukraine zu stationieren? Der Politologe Sergei Sudakow gibt zu bedenken, dass sich bestimmte amerikanische Kernwaffenmuster bereits in einer Reihe von Ländern befinden würden, die nicht zu dem großen Atomklub gehörten, und zwar in Italien, den Niederlanden, auch in der Türkei und in Deutschland. „Das sind Atomsprengkörper, die im Notfall auf das Territorium des Gegners gebracht werden können. Dies wäre ein völlig anderer Fall. Ist die europäische Öffentlichkeit bereit, eine Atomkonfrontation in der Ukraine auf sich zu nehmen?“

US-Raketen jetzt in der Ukraine?

„Der INF-Vertrag, aus dem die USA einseitig ausgestiegen sind, hat sie daran gehindert, größere Stützpunkte für Mittel- und Kurzstreckenraketen zu bauen, die mit kleineren Splitter-, Kassetten- oder Atomgefechtsköpfen bestückt werden können“, so Sudakow. „In den USA hält man es für wünschenswert, im Grenzbereich zwischen Russland und Europa bzw. der Ukraine bis zu 5.000 Raketen mit unterschiedlich großer Ladung zu stationieren. Russland muss unmissverständlich erklären, dass die Stationierung von Atomwaffen, die sein Territorium anpeilen, seine nationale Sicherheit gefährdet. Diese Atomwaffen sind zu entfernen, sonst werden sie von Russland vernichtet. Im Dokument über Russlands Sicherheitsgarantien heißt es ausdrücklich, dass es die Stationierung von US-Waffen außerhalb des Staatsgebiets der Vereinigten Staaten höchst negativ bewertet.“
Der deutsche Politologe Alexander Rahr hat geäußert, Deutschland und Frankreich müssen das Moratorium zum Nato-Beitritt der Ukraine, das beim Gipfeltreffen in Bukarest 2008 verhängt worden war, mit großem Nachdruck bekräftigen. Auf diese Weise wäre Zeit gewonnen für sehr wichtige Diskussionen über die europäische Sicherheit.

MSK ist eine Versammlung eingefleischter Transatlantiker

Sonst bezeichnete Rahr die Konferenz in München als „eine Versammlung eingefleischter Transatlantiker, die mit dem amerikanischen Establishment eng verbunden sind. Sie versuchen irgendwie eine ziemlich schroffe Nato-Politik zu formulieren, um die monopolare Welt zu retten bzw. die Multipolarität zu verhindern, wobei sie China, Russland, Indien und andere Länder ausschalten. Das ist auch vor der Ukraine-Krise der Fall gewesen.“
Er hat auf der Konferenz Falken gesehen, die die neue westliche Finanzwaffe auch an Russland gern versuchen würden. „Vor zehn Jahren ist es gelungen, mit Sanktionen Iran zu erwürgen. Nun möchten sie auch Russland in die Schranken weisen und sehen, wie es funktionieren wird, wenn sie seine Wirtschaft von der Finanz- und Wirtschaftswelt abschalten.“
„In München wurde so gut wie mit keinem Wort erwähnt, dass man sich einigen und russische Vorschläge anhören solle, dass trotz allem ein Kompromiss möglich bleibt“, bedauert der Politologe. „Allerdings versuchen die Franzosen und die Deutschen, die Politik des Dialogs auf höchster Ebene wiederzubeleben. Ihre Position ist nicht scharf antirussisch. Sie reden weniger von Sanktionen als vielmehr davon, dass eine Form von Dialog zu finden ist, die hinsichtlich der Korrektur des europäischen Sicherheitssystems auch nur ein Minimum an gegenseitigem Verständnis herstellen könnte.“
Bürger legen Blumen am Grab des 2018 von ukrainischen Terroristen ermordeten damaligen Donezker Republikchef  Alexander Sachartschenko nieder. Donezk, 22. Februar 2022 - SNA, 1920, 22.02.2022
Minsker Vereinbarungen gibt es nicht mehr – Putin
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