Keine Statements für Seppelt & Co. – Claudia Pechstein schließt ARD von Sammelinterview aus

© REUTERS / PHIL NOBLERekord-Olympionikin Claudia Pechstein
Rekord-Olympionikin Claudia Pechstein - SNA, 1920, 22.02.2022
Bei ihrer Rückkehr von den Olympischen Spielen in Peking hat die fünffache Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, Claudia Pechstein, das Team der ARD von einem Sammelinterview ausgeschlossen. Grund dafür sind offenbar die Recherchen der ARD-Dopingredaktion aus dem Jahr 2012, die Pechstein in die Nähe des Erfurter Sportarztes Funke gerückt hatten.
Mit insgesamt 27 olympischen Medaillen, davon 16 goldenen, und einem hervorragenden Rang zwei im Medaillenspiegel ist Team Deutschland von den Olympischen Winterspielen in Peking zurückgekehrt. Entsprechend groß war der Medienrummel um die deutschen Athleten, darunter auch Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Für die Ausnahmeathletin waren es die achten Olympischen Winterspiele gewesen und bei der Eröffnungsfeier hatte sie Team Deutschland als Fahnenträgerin angeführt. Die fünffache Olympiasiegerin konnte sich mit Platz neun in Peking zwar kein weiteres Edelmetall sichern, eine Wintersportlegende ist sie aber allemal, war sie doch bis zum Olympia-Gold von Rennrodlerin Natalie Geisenberger in Peking die erfolgreichste deutsche Olympiateilnehmerin unter Frauen und Männern gleichermaßen.
Wenig erstaunlich also, dass sich bei ihrer Ankunft am Sonntag am Frankfurter Flughafen die Journalisten um Pechstein scharten. Bei einem Sammelinterviewtermin schloss Pechstein einem Bericht des Portals „Meedia“ zufolge aber ein prominentes Reporterteam kurzerhand aus: Das Team der ARD. Ein ARD-Mitarbeiter hatte dies über Twitter mitgeteilt.
Seit Jahren weigert sich Claudia Pechstein, mit der ARD zu sprechen. Grund dafür sind die Doping-Vorwürfe, die die ARD-Dopingredaktion um Hajo Seppelt seinerzeit gegen Pechstein ins Spiel gebracht hatte.
Vor zehn Jahren hatte Seppelt zusammen mit einem Kollegen zu Dopingvorwürfen gegen den Erfurter Sportarzt Andreas Funke recherchiert und in der „Sportschau“ 30 Namen von mutmaßlich mit ihm in Verbindung stehenden Athletinnen und Athleten veröffentlicht, darunter auch den von Claudia Pechstein.
Daraufhin verklagte Pechstein die ARD auf Schadenersatz und warf ihr Rufmord vor. "Der Reporter Hajo Seppelt hat mich in der 'Sportschau' öffentlich denunziert. Er hat die Behauptung aufgestellt, an mir sei eine verbotene Blutbehandlung durchgeführt worden. Diese Behauptung ist falsch und hat mir erheblichen Schaden zugefügt", sagte die Eisschnellläuferin damals. Auch finanziell habe sie die „fehlerhafte Doping-Berichterstattung der ARD“ geschädigt, denn es sei deswegen nicht zum Vertragsabschluss mit einem Sponsor gekommen, der sie hatte zu den Olympischen Spielen von Sotschi begleiten wollen. Dabei habe sie „kurz vor der Unterschrift“ der „lukrativen Vereinbarung“ gestanden. Die ARD kommentierte damals, man sehe dem Ganzen entspannt entgegen und habe sich „nichts vorzuwerfen“.
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Offenbar sitzt der Groll bei Pechstein, die wegen Dopingvorwürfen mehrere Jahre aussetzen musste, noch tief – die ARD darf auch weiterhin nicht auf Interviews hoffen. Wer will es Pechstein aber auch verdenken? Und sie ist auch nicht verpflichtet, einem Medium, und sei es die große ARD, Rede und Antwort zu stehen. Das sieht auch der Deutsche Olympische Sportbund so: „Grundsätzlich entscheiden Athleten selbst, ob sie Interviews geben. Wir hätten es jedoch begrüßt, wenn Frau Pechstein die Situation im Sinne des Team D gelöst hätte.“ Anders sieht es der Deutsche Journalisten-Verband, der Pechstein ein „seltsames Verständnis von Pressefreiheit“ vorwarf.
Am 22. Februar ist Claudia Pechstein 50 Jahre alt geworden.
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