Ökonom: Eskalation der Ukraine-Krise „Gift“ für deutsche Konjunktur

CC BY-SA 2.0 / Kiefer / Wikimedia CommonsEZB-Zentrale in Frankfurt (Archivfoto)
EZB-Zentrale in Frankfurt (Archivfoto) - SNA, 1920, 22.02.2022
Angesichts der eskalierenden Ukraine-Krise erwarten Volkswirte eine langsamere Erholung der deutschen Wirtschaft nach dem Abebben der Omikron-Welle. Zugleich wird mit einem weiteren Anstieg der Energiepreise gerechnet.
„Die Gefahr, dass die Frühjahrserholung stocken wird, nimmt stündlich zu“, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Aktuell schlage sich die Russland-Ukraine-Krise vor allem über den Vertrauenskanal und die Energiepreise auf die deutsche Konjunktur nieder.
„Der bilaterale Handel mit Russland ist natürlich nicht groß genug, um ein allgemeines Anziehen der Industrie wegen verbesserter Lieferketten aufzuhalten“, sagte der Ökonom.
„Eine weitere Eskalation der Situation bringt allerdings neue Unsicherheit, die Gift ist für die Konjunktur.“ Hinzu kämen noch zu erwartende Sanktionen des Westens gegen Russland.
Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, pflichtete bei: „Ein russischer Angriff auf die Ukraine würde die Erholung um ein bis zwei Monate verschieben.“ Aber der kräftige Anstieg von Stimmungsindikatoren wie zuletzt dem Einkaufsmanagerindex zeige, wie stark die Auftriebskräfte aktuell seien. Der Experte rechnet wegen des Konfliktes mit einem weiteren Anstieg der Energiepreise. Aber Europa sei hier nicht mehr so anfällig, da die Wintersaison weitgehend vorbei sei.
Auf Russland entfallen nur rund zwei Prozent des deutschen Außenhandels. 2021 hat der deutsche-russische Warenhandel knapp 60 Milliarden Euro betragen. Unter den wichtigsten Handelspartner Deutschlands nimmt damit Russland den 13. Platz ein. Aus Russland bezieht Deutschland vor allem Erdgas, Rohöl und Rohstoffe. Nach Russland werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge und Elektrotechnik.
Belarussische und russische Soldaten bei gemeinsamen Übungen  - SNA, 1920, 21.02.2022
Putin ordnet Entsendung von Truppen in DVR und LVR an
Die Ukraine-Krise war am Montagabend weiter eskaliert, nachdem der russische Präsident Putin die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk im Osten der Ukraine als unabhängig anerkannt hatte. Zuvor hatten ihn die beiden von Kiew seit Jahren abtrünnigen Regionen sowie das russische Parlamentsunterhaus, die Staatsduma, darum gebeten. Seine Entscheidung begründete Putin unter anderem damit, dass die Ukraine die Minsker Abkommen ignoriere. Die international vermittelten Vereinbarungen von 2015 haben eine friedliche Beilegung des Konflikts zum Ziel.
Die international nicht anerkannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk werden seit fast acht Jahren nicht mehr von der Regierung in Kiew kontrolliert. Die beiden im Kohlerevier Donbass liegenden Regionen hatten bereits nach dem Umsturz in Kiew Anfang 2014 ihre Unabhängigkeit erklärt. Die ukrainische Regierung reagierte mit der Entsendung von Truppen. Der seitdem schwelende militärische Konflikt im Osten der Ukraine hat nach UN-Angaben mindestens 13.000 Menschen das Leben gekostet.
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