Kolumbien erlaubt Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche

© AP Photo / Fernando VergaraMenschenrechtsaktivistinnen in Bogota feiern das Urteil des Verfassungsgerichts über die Entkriminalisierung von Abtreibungen bis zur 24. Woche
Menschenrechtsaktivistinnen in Bogota feiern das Urteil des  Verfassungsgerichts über  die Entkriminalisierung von Abtreibungen  bis zur 24. Woche - SNA, 1920, 22.02.2022
Abtreibungen in Kolumbien sind nicht mehr strafbar, falls sie bis zur 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Dies geht aus einem Urteil des Verfassungsgerichts des Landes hervor, die am Montag (Ortszeit) bekannt gegeben wurde.
Nach der Entscheidung, die auf der Webseite der Behörde veröffentlicht wurde, darf eine Abtreibung nach der 24. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden, wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Frau gefährdet. Er ist auch erlaubt, wenn es sich um eine mit dem Leben unvereinbare Fehlentwicklung des Embryos handelt, oder wenn die Schwangerschaft als Ergebnis eines nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs, einer nicht einvernehmlichen künstliche Befruchtung eines Inzests eingetreten ist.
Diese Voraussetzungen, die eine Abtreibung erlauben, gelten in Kolumbien seit 2006. Das Verfassungsgericht hat den Nationalen Kongress und die Regierung des Landes aufgefordert, das Urteil mit Hilfe von erforderlichen legislativen und Administrativen Maßnahmen umzusetzen. Dabei sollten sowohl die Würde und die Rechte der schwangeren Frauen sowie das Leben der Ungeborenen geschützt werden.
Nach Angaben der Frauenrechtsorganisation „Mesa por la Vida y la Salud de las Mujeres de Colombia“ werden durchschnittlich 400 Frauen in Kolumbien wegen des illegalen Schwangerschaftsabbruchs vor Gericht gestellt. Laut einem Bericht der Organisation, der 2021 vorgelegt wurde, sind 12,5 Prozent der Frauen, die wegen illegaler Abtreibung von der Justiz verfolgt werden, Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Unter den verurteilten Frauen betrage der Anteil der Mädchen unter 18 Jahren 24 Prozent.
Die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ hat die Entscheidung des kolumbianischen Verfassungsgerichts begrüßt: „Wir feiern dieses Urteil als einen historischen Sieg für die Frauenbewegung in Kolumbien, die seit Jahrzehnten für die Anerkennung ihrer Rechte gekämpft hat“ äußerte Erika Guevara-Rosas, Amerika-Direktorin der AI.
„Nach der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Argentinien im vergangenen Jahr und der jüngsten Entkriminalisierung in Mexiko ist dieses Urteil ein weiteres Beispiel für die unaufhaltsame Dynamik der grünen Welle in Lateinamerika.“
In Argentinien waren Ende 2020 die Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche entkriminalisiert worden. Grüne Tücher sind das Erkennungsmerkmal der Kampagne für legale, sichere und kostenlose Abtreibungen. „Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis die sexuellen und reproduktiven Rechte aller Frauen, Mädchen und gebärfähigen Menschen auf dem gesamten Kontinent anerkannt sind, ohne Ausnahmen“, fügte Guevara-Rosas hinzu.
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Nach Schätzungen der Organisation werden derzeit in Kolumbien jährlich 400.400 Abtreibungen durchgeführt. Der Anteil der legalen Eingriffe betrage weniger als zehn Prozent. Die überwiegende Mehrheit der Frauen, die in Kolumbien wegen illegaler Abtreibungen angezeigt würden, lebe in ländlichen Gebieten, und fast ein Drittel von ihnen würden unter häuslicher Gewalt, sexueller Gewalt oder Körperverletzung leiden.
In der vergangenen Woche hatte das Parlament in Ecuador ein Gesetz verabschiedet, das die Abtreibung nach einer Vergewaltigung erlaubt. In Chile war ein Gesetz zur Liberalisierung der Abtreibung Ende 2021 gescheitert. Uruguay, Kuba, Guyana, Französisch-Guyana und in einigen Bundesstaaten von Mexikos dürfen Frauen selbständig über eine Abtreibung entscheiden. In El Salvador gilt das totale Abtreibungsverbot.
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