Belgrad wird zu Sanktionen gegen Russland gezwungen – Präsident Vucic

© AP Photo / Darko VojinovicSerbiens Präsident Aleksandar Vucic spricht auf einer Pressekonferenz in Belgrad, Serbien (Archivbild)
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic spricht auf einer Pressekonferenz in Belgrad, Serbien (Archivbild) - SNA, 1920, 22.02.2022
Serbien wird vom Westen laut Präsident Aleksandar Vucic gewaltig unter Druck gesetzt, nachdem Russland die Volksrepubliken Donezk und Lugansk anerkannt hat. Die Forderung lautet demnach, die westlichen Sanktionen gegen Moskau mitzutragen.
Man könne es sich gar nicht vorstellen, welchem Druck Serbien „in Bezug auf das Verhängen von Russland-Sanktionen und alles andere“ jetzt ausgesetzt sein werde. „Ich hatte schon Anrufe“, sagte der serbische Präsident dem Fernsehsender „TV pink“ am gestrigen Abend.
Damit sei aber nicht das Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gemeint. Offiziellen Angaben zufolge haben Vucic und Macron am gestrigen Montag die Lage im Osten Europas und auf dem Westbalkan besprochen. Dabei habe der serbische Präsident bekräftigt, den Frieden seines Volkes wahren zu können.

Außenpolitische Zwangslage

In seinem TV-Auftritt zeigte sich Vucic besorgt darüber, was nach der Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk durch Russland jetzt auf Serbien zukommen könne. „Ich bin natürlich beunruhigt. Wir haben keinen leichten Stand“, so der serbische Präsident. „Das bringt Serbien in eine Situation mit vielen Herausforderungen im Bereich der Politik, der Sicherheit und der Wirtschaft.“
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Im Übrigen ist Vucic der Ansicht, die Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk zerstöre die jetzige Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. „Niemand kann mehr sagen, wer sich wie verhalten wird.“
Für Belgrad bedeute die gestrige Entscheidung der russischen Regierung, dass der politische Druck stärker zunehmen werde als jemals zuvor, sagte Vucic:
„Was ich in den vergangenen drei Tagen erleben musste, bestätigt meine Aussage. Dabei bin ich schon seit zehn Jahren in der Regierung, habe vieles durchmachen und unterschiedlichen Zwängen standhalten müssen.“

Volksrepubliken Donezk und Lugansk

Die Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk wurde in Moskau am Abend des 21. Februar 2022 vollzogen, nachdem der russische Sicherheitsrat in einer außerordentlichen Sitzung darüber beraten hatte. Russlands Präsident Putin und die Regierenden der beiden Volksrepubliken haben die entsprechenden Dokumente im Kreml unterzeichnet.
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In einer Fernsehansprache erklärte Putin die Notwendigkeit einer „unverzüglichen Anerkennung“ der beiden Volksrepubliken. Denn die Weltöffentlichkeit ignoriere den Horror und Genozid, die dort herrschten: Es vergehe kein Tag ohne Beschuss durch ukrainische Truppen, ohne Verbrechen an wehrlosen Zivilisten. Die Schuld für das Blutvergießen im Donbass habe die Kiewer Führung auf sich geladen.
Nach Berichten aus der DVR und LVR, hatte die ukrainische Armee wenige Tage zuvor das Feuer eröffnet und mit dem Beschuss von Ortschaften in den Volksrepubliken angefangen – auch mit schweren, in den Minsker Vereinbarungen verbotenen Waffen. Daraufhin haben die Behörden der Volksrepubliken eine Evakuierung der Bevölkerung eingeleitet. Bis gestrigen Montag sind offiziellen Angaben zufolge mehr als 60.000 Zivilisten – hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen – nach Russland gebracht worden, wo sie weiter versorgt werden.
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