„Wir bedrohen niemanden“: Russlands Botschafter in USA weist Invasions-Vorwürfe zurück

© AFP 2022 / Mandel NganRussische Botschaft in Washington
Russische Botschaft in Washington - SNA, 1920, 21.02.2022
Russlands Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, hat Befürchtungen des Westens und insbesondere des US-Präsidenten Joe Biden bezüglich eines sich angeblich abzeichnenden Einmarsches russischer Truppen in die Ukraine zurückgewiesen. Nach seiner Ansicht ist es vor allem die Nato, die mit der Stationierung ihrer Truppen die Situation anheize.
„Es gibt keine Invasion, und es gibt auch keine solchen Pläne“, sagte Antonow dem US-Sender CBS am Sonntag. Dies sei auch in den Dokumenten festgehalten worden, die Moskau an das US-Außenministerium übermittelt habe. Hiermit habe Russland öffentlich seine Bereitschaft bekundet, „die diplomatischen Bemühungen zur Lösung aller offenen Fragen fortzusetzen“.
Dabei hob er hervor, dass jeder Staat das Recht habe, seine Grenzen zu schützen – ein solches hätten auch die Russische Föderation, die Vereinigten Staaten sowie jeder andere Staat. Russische Truppen befänden sich auf seinem „souveränen Territorium“ – „wir bedrohen niemanden“. Was dem Land hingegen Sorgen bereite, seien es die „Aktivitäten der Nato“, deren Militärkräfte bereits an die russische Grenze gekommen seien, sagte Antonow.
Russland seinerseits ziehe viele seine Truppen etwa aus dem Kaliningrader Gebiet ab – und sehe gleichzeitig fünf Möglichkeiten der Nato-Osterweiterung. Nun habe das Bündnis mit der „militärisch-technischen Erforschung der Ukraine“ begonnen. Mit Blick auf Moskaus Forderung an den Westen über Sicherheitsgarantien erklärte er, Russland würde gerne alles auf Papier festhalten.

„Wir möchten rechtlich verbindliche Garantien für die russische Sicherheit sehen.“

Die Nato sei keine „friedliebende NGO“, so Antonow, sondern eine „eine politische Militärmaschinerie“. Russland wolle nicht, dass die nächste Welle der Nato-Erweiterung stattfinde, sagte er hinsichtlich der Bestrebungen der Ukraine, der Militärallianz beizutreten. Genauso möchte sein Land dem Botschafter zufolge nicht, dass die ost- und mitteleuropäischen Länder sowie die baltischen Nato-Mitglieder dazu benutzt werden, neue Waffen einzusetzen und zu testen.
In Bezug auf „viele Falschnachrichten“ über eine angebliche russische Invasion in den amerikanischen Medien machte Antonow nochmals deutlich: Russland beabsichtige nicht, einen militärischen Konflikt zu beginnen. „Wir wollen keinen Krieg.“

Ukrainische Botschafterin verspricht Reaktion

Die ukrainische Botschafterin in den USA, Oksana Markarowa, erklärte dem Sender in Bezug auf die russischen Pläne: „Nun, wir erwarten leider alles“.
„Wir werden Tag und Nacht daran arbeiten, jede Möglichkeit zu nutzen, um Russland noch von einer Invasion abzuhalten.“
Die vergangenen Tage hätten aber gezeigt, dass Russland mit Provokationen in den Gebieten Donezk und Lugansk begonnen habe. „Sie haben begonnen, unsere zivilen Objekte zu beschießen. Wir haben bereits zwei Tote, elf Verwundete, und es geht weiter“, sagte Markarowa.
Der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow - SNA, 1920, 19.02.2022
Russlands US-Botschafter ruft Autoren von Fake News über Donbass-Evakuierung zu Gebietsbesuch auf

Angespannte Situation rund um die Ukraine

Die US-Regierung und die von ihr geführte Nato werfen Russland seit Monaten vor, einen Einmarsch in die Ukraine vorzubereiten. Tatsächlich finden Truppenbewegungen im Rahmen von Manövern statt – damit verletzt Russland aber keine Vereinbarungen, wie das Außenministerium mitteilt. Anders die Regierung in Kiew, die sich nach russischen Angaben weigert, die Minsker Vereinbarungen umzusetzen.
Gleichzeitig werfen westliche Staats- und Regierungschefs Russland Kriegsabsichten vor – ein Vorwand für die Entsendung zusätzlicher Truppen in den Osten und die Aufrüstung der Ukraine, erklärte das russische Außenministerium.
In der vorigen Woche hat sich die Lage an der Trennlinie in der Konfliktregion Donbass bedrohlich zugespitzt. Kiew ignoriert inzwischen alle zuvor erzielten Vereinbarungen und hat einen Großteil seiner Armee an der Grenze zu den selbsternannten Republiken Donezk und Lugansk zusammengezogen. Die von der Volksmiliz kontrollierten Territorien werden regelmäßig unter massiven Beschuss genommen, darunter unter Einsatz von durch die Minsker Abkommen verbotenen Waffen.
Wegen der akuten Gefahr eines möglichen Einmarsches der ukrainischen Armee auf das Territorium der beiden Republiken hatten deren Behörden angeordnet, die Zivilbevölkerung – insbesondere Kinder, Frauen und ältere Menschen – nach Russland zu evakuieren. Am Samstagmorgen haben die Chefs der Republiken Donezk und Lugansk die allgemeine Mobilmachung angeordnet.
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