Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps

© SNA / Sputnik ArabicFlüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps
Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps - SNA, 1920, 21.02.2022
Seit dem Beginn der Evakuierung von Einwohnern der Volksrepubliken Donezk und Lugansk nach Russland wurden in den russischen Grenzgebieten umgehend Zufluchtsstätten eingerichtet. Aus einem der Orte unmittelbar an der Grenze zwischen der Volksrepublik Donezk und Russland stammt dieser Lagebericht eines "Sputnik Arabic"-Korrespondenten.

Urlaubsort

Das Ferienlager „Sputnik“ liegt in einem Vorort von Taganrog – der ersten größeren Stadt an der Grenze zwischen der Volksrepublik Donezk und Russland. Hier können bis zu 700 Menschen untergebracht werden. Am 19. Februar war das Ferienlager bereits voll belegt. Neue Flüchtlinge können nicht mehr aufgenommen werden. Da das Lager ganzjährig geöffnet ist, können selbst im Winter Flüchtlinge hier unterkommen. Im Freien gibt es viel Platz, breite Strände, zahlreiche Kinderspielplätze. Hier werden normalerweise Jugendtreffen veranstaltet – jetzt werden Menschen aufgenommen, die nicht mehr zu Hause bleiben können.

Kinderheim

Zuerst wurden Waisenkinder in Sicherheit gebracht. Im „Sputnik“-Camp wurden Kinder aus einem Donezker Kinderheim einquartiert, zusammen mit ihren Erziehern.
„Ja, zuerst waren die Waisenkinder an der Reihe – und wir, die Erzieher, können die Kinder natürlich nicht allein lassen. Wir kamen gestern an, nahmen nur Dokumente und einige Bedarfsgüter mit. Jetzt überlegen wir, nach Taganrog zum Markt zu fahren – einige Dinge für uns und für die Kinder müssen besorgt werden. Wir wurden hier untergebracht, es wird Essen ausgegeben. Wir hoffen, dass es nicht für lange Zeit ist“, sagt eine Erzieherin.

“Männer haben hier nichts zu tun”

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Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps - SNA, 1920, 21.02.2022
Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps
In die Aufnahmestellen treffen die Flüchtlinge nicht nur mit Bussen, sondern auch mit eigenen Autos ein. Der Rentner Andrej Petrowitsch brachte seine Schwester, Nichte und Enkelin aus Telmanowo hierher. Er selbst wird wieder nach Hause zurückfahren.
„Ich habe nur die Frauen gebracht, denn wegen der Mobilmachung werden aus der Volksrepublik Donezk nur Männer im Rentenalter rausgelassen. Sie werden hier untergebracht, und ich fahre zurück, die Männer sollten nicht in den Camps sitzen. In Telmanowo wird schon geschossen, doch ich muss auf das Haus aufpassen“, sagt er.
Auf die Frage, wie lange diese Eskalation dauern kann, antwortete er: „Wer kann das jetzt schon sagen? Bislang gibt es Gott sei Dank nirgendwo eine massive Offensive, es wird nur geschossen. Menschen werden aber organisiert in Sicherheit gebracht: 2014 gab es so etwas nicht. Ich befürchte, dass die Kämpfe vor acht Jahren wie Kinderspiele wirken werden, sollte etwas Ernsthaftes geschehen“.

Evakuierungs-Konvois

In dem Lager gibt es sehr viele Frauen mit Kindern im Alter von ein bis drei Jahren. Jelena kam mit ihrer Familie aus der Stadt Jenakijewo in der Nähe von Donezk.
„Wir kamen mit der gesamten Familie am 19. Februar aus Jenakijewo an. Genauer gesagt folgten wir den Evakuierungsbussen: Wir fuhren mit dem eigenen Auto, aber im Konvoi. Zunächst hatten wir den Anschluss an den Konvoi verloren, uns beinahe verfahren. Es war gut, dass wir uns näher an der Grenze wieder anschließen konnten. Wir fuhren mit der ganzen Familie – ich, vier Kinder, darunter ein Säugling, die Mutter, ein behinderter Bruder und der Großvater, der ohne Hilfe nicht mehr gehen kann“, sagte sie.
Über die Grenzkontrolle zwischen der Volksrepublik Donezk und Russland sagt sie folgendes:
„Wir erreichten die Grenze am Kontrollposten Uspenka ungefähr um Mitternacht, erst um 14.00 Uhr am nächsten Tag waren wir in Russland – wir gerieten in einen 22 Kilometer langen Stau“.
Die Aufnahme in die Behelfsunterkunft verlief schnell und unkompliziert:
„Hier wurden alle sofort empfangen und untergebracht. Unsere Freiwilligen sind super. Die Unterbringung ist toll – die Zimmer sind sauber, renoviert. Dreimal am Tag gibt es eine Mahlzeit. Ich habe absolut nicht damit gerechnet, dass wir so gut empfangen werden“.
Ihre Familie hatte sich auf die Evakuierung gründlich vorbereitet:
„Wir haben sehr viele Sachen mitgenommen, sogar Decken. Wir dachten, wir werden auf Feldbetten in Zelten schlafen müssen – aber immerhin ohne Beschuss. Doch in unserer Unterkunft ist alles vorhanden, die Bedingungen sind sehr gut. In den Zimmern ist es sogar etwas zu warm, was im Winter selten vorkommt“
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Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps - SNA, 1920, 21.02.2022
Flüchtlinge aus Donezk suchen Schutz in russischen Feriencamps
Jelena hofft, dass sie mit ihrer Familie bald nach Hause zurückkehren kann.
„Ich hoffe, dass das alles nicht lange dauert. Wir werden alles schnell durchstehen. Bei uns in Jenakijewo wird bislang nicht geschossen, das ist sehr erfreulich. Wir haben uns sicherheitshalber evakuiert“, ergänzt Jelena.
Während der Gefechte im Jahr 2014 blieb ihre Familie trotz der Gefahren zuhause:
„Vor acht Jahren beschlossen wir, nicht wegzufahren, blieben in Jenakijewo. Dort haben wir sehr viel gesehen: Explosionen, Beschuss, Raketen. Wir versteckten uns mit den Kindern in den Kellern, waren oft hungrig. In den schwersten Tagen während der Eskalation im Sommer bei Donezk sammelten wir mit den Kindern Äpfel. Jetzt wollten wir kein Risiko eingehen und sind weggefahren“.
Auf dem Hof des Feriencamps sind kaum Menschen zu sehen. Einige Erwachsene stehen an, um die Finanzhilfe zu bekommen, die Präsident Wladimir Putin angekündigt hatte. Kinder laufen herum und tummeln sich auf den Spielplätzen. Die Menschen lächeln und sind optimistisch gestimmt.
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