Autokraten und Kriminelle: Enthüllungen über Kunden der Credit Suisse – Zeitungsbericht

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Das Logo der Credit Suisse - SNA, 1920, 21.02.2022
Die Schweizer Bank Credit Suisse soll Jahre lang Konten von Autokraten und mutmaßlichen Kriminellen geführt haben. Dies berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Verweis auf interne Daten aus dem Geldinstitut, die von einer anonymen Quelle zugespielt worden sein sollen.
Die Daten, die laut der Zeitung vor mehr als einem Jahr über einen anonymen digitalen Briefkasten bereitgestellt wurden, sollen Aufschluss über die Konten von mehr als 30.000 Kunden aus aller Welt geben. Zu den Kunden der Bank sollen unter anderem Staats- und Regierungschefs, Geheimdienstler und Minister, Unternehmer mit fragwürdigen Geschäftspraktiken sowie Personen gehört haben, die wegen Straftaten verurteilt wurden.
Mehr als ein Dutzend früherer Geheimdienstchefs aus aller Welt, darunter auch „Folterer und enge Vertraute von Diktatoren“, sollen „geheime Konten mit Millionensummen“ bei der Schweizer Kreditanstalt unterhalten haben. Dabei hätten Kriminelle Konten eröffnen oder behalten können, selbst wenn die Bank darüber Bescheid gewusst habe, dass es sich bei diesen Kunden um Straftäter gehandelt habe.
Die zugespielten Bankdaten enthalten laut den Recherchen unter anderem Informationen über sechs Konten eines früheren Siemens-Managers, die er bei der Credit Suisse eröffnet habe. Auf einem Konto soll im Jahr 2006 als Höchststand ein Vermögen im Wert von mehr als 54 Millionen Schweizer Franken (aktuell rund 51,66 Millionen Euro) eingetragen gewesen sein. Die Summe sei mit dem Gehalt des Managers nicht zu erklären. Auf Anfrage des Rechercheverbunds habe der ehemalige Siemens-Mitarbeiter Fehlverhalten abgestritten. Eine Erklärung zur Herkunft des Geldes habe es nicht abgegeben.
Die Zeitung habe die Unterlagen zusammen mit dem NDR und WDR aus sowie mit mehreren weiteren internationalen Medienpartnern wie „The Guardian“, „Le Monde“ und „The New York Times“ und dem Journalisten-Netzwerk „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) ausgewertet.

Credit Suisse bestreitet die Anschuldigungen

Die Bank habe als Reaktion auf Anfragen der Zeitung die Vorwürfe des Blatts in mehreren Stellungnahmen zurückgewiesen. Die vorgetragenen Sachverhalte seien „überwiegend historisch“ und würden „einen Zeitraum über mehrere Jahrzehnte“ abdecken, und die Darstellungen der Vorgänge würden „auf einseitigen, selektiven und aus dem Zusammenhang gerissenen Informationen“ beruhen.
Das Management der Credit Suisse habe sich inzwischen mehrmals geändert, es gebe keine Hinweise darauf, dass „irgendwelche Unternehmensrichtlinien, -praktiken oder die Kultur diese Führungswechsel überdauert haben. Vorkommnisse, die historisch sind, können somit nicht mit der aktuellen Unternehmensführung in Verbindung gebracht werden“, zitiert die Zeitung aus einer Stellungnahme des Finanzinstituts.
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Auch die geltenden Compliance-Vorschriften, vor allem im Bereich der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung, hätten sich „beträchtlich weiterentwickelt“. Aus der Sicht der Bank muss das Handeln der Credit Suisse unter Berücksichtigung der regulatorischen Anforderungen der jeweiligen Zeit betrachtet – und „nicht nach heutigen Standards beurteilt“ werden. Die von der Zeitung angeführten Anschuldigungen würden „nur einen kleinen Teil der Geschäftstätigkeit der Credit Suisse betreffen“. „Die Credit Suisse hält bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit die geltenden globalen und lokalen Gesetze und Bestimmungen ein“, heißt es in einer der Stellungnahmen der Kreditanstalt. In den letzten Jahren habe die Bank eine Reihe bedeutender Maßnahmen in Einklang mit Finanzreformen in der Schweiz umgesetzt.
„Die Credit Suisse toleriert oder unterstützt Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere illegale Handlungen nicht“.
Auf eine detaillierte Widerlegung der Anschuldigungen habe sich die Bank unter Verweis auf die Vertraulichkeits- und Sorgfaltspflicht verzichtet.
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In einer ihrer Stellungnahmen habe die Credit Suisse den Journalisten eine Absicht vorgeworfen, „den Schweizer Finanzplatz, der sich seit der globalen Finanzkrise grundlegend gewandelt hat, in Verruf zu bringen“.
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