Zwölf erstaunliche Aberglauben aus aller Welt und was dahintersteckt

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Ein vierblättriges Kleeblatt - SNA, 1920, 21.02.2022
Fast jeder dritte Deutsche bezeichnet sich laut Statistiken als abergläubisch. Ein vierblättriges Kleeblatt wird hierzulande von den meisten Menschen als Glücks- und die Zahl 13 als Unglücksbringer angesehen. Wir haben für Sie eine Auflistung aus einem Dutzend Aberglauben zusammengestellt, die aus aller Welt stammen und sich leicht erklären lassen.
Der Großteil (66 Prozent) der Deutschen bezeichnet sich als nicht abergläubisch. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, die im vorigen Jahr durchgeführt worden ist. Fast jeder Dritte (30 Prozent) gab demnach aber an, abergläubisch zu sein. Dabei seien Frauen deutlich abergläubischer als Männer (39 Prozent gegenüber 21 Prozent). Ob schwarze Katzen oder vierblättrige Kleeblätter, Schornsteinfeger oder die Zahl 13 – abergläubische Sitten gibt es nicht nur in Deutschland. Wir präsentieren Ihnen ein Dutzend interessante und auf den ersten Blick erstaunliche Aberglauben, deren mögliche Herkunft sich leicht erklären lässt.

Deutschland. Auf Holz klopfen.

Dieser Aberglaube geht auf das Mittelalter zurück. Damals behaupteten viele Kirchen, Teile des Kreuzes Jesu zu besitzen. Man glaubte deswegen, dass das Klopfen auf Holz Glück bringen sollte.
Eine andere Erklärung ist mit den Bergarbeitern verbunden. Früher klopften sie auf Holz, bevor sie einen Stollen betraten. So konnten sie sich vergewissern, ob es sicher ist. Ein heller Ton signalisierte gutes, trockenes und tragfähiges Holz. Ein dumpfer Ton bedeutete dagegen nasses, faules und morsches Holz. Davon hing praktisch das Leben ab.

Russland. Keine leeren Flaschen auf dem Tisch stehen lassen.

Dieser Aberglaube ist in Russland unter vielen Menschen verbreitet, leere Flaschen werden vom Tisch genommen. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen für den Ursprung dieses Glaubens.
Als die russischen Soldaten während des Sechsten Koalitionskrieges (der Feldzug gegen Napoleon) Paris erreichten, besuchten sie dort nun auch die örtlichen Trinklokale. Vor dem Ausstellen der Rechnung zählten damals die Kellner die leeren Flaschen auf dem Tisch. Damit die Rechnung kleiner wurde und um Geld zu sparen, versteckten die russischen Soldaten einige leere Flaschen unter dem Tisch, bevor der Kellner zur Abrechnung kam.
Einer anderen Legende nach ließen die Soldaten im Russischen Zarenreich niemals leere Flaschen auf dem Tisch stehen. Es wurde angenommen, dass dies zum Tod eines der am Tisch sitzenden Kameraden führen könnte und sich die Gesellschaft nie wieder in voller Zahl an einem Tisch versammeln würde.
Ein weiterer Volksglaube besagt, dass eine leere Flasche neben dem Essen böse Geister anziehen kann, die in die leeren Behälter eindringen, das Essen „unrein“ machen und den Hausbesitzern Ärger bereiten könnten.
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Japan. Die Zahl 4 vermeiden.

Abergläubische Menschen in Deutschland haben wie auch in vielen anderen Ländern Angst vor der Zahl 13. Die Japaner fürchten sich aber eher vor der Zahl Vier. Die Sache liegt darin, dass in der japanischen Sprache die Wörter „vier“ (shi 四) und „der Tod“ (shi 死) ähnlich ausgesprochen werden. Und die Erwähnung des Todes vermeidet man wohl in jeder Kultur.

Indien. Keine Nägel nachts schneiden.

Dieser Aberglaube lässt sich leicht erklären. Früher haben die Menschen es vermieden, nachts scharfe Gegenstände zu verwenden, um sich bei dem schwachen Licht nicht zu verletzen. Dies entwickelte sich nun zu einer Form eines Aberglaubens.

Die Philippinen. Keine rote Kleidung bei Regen tragen.

Bei einem Unwetter auf den Philippinen sollte man lieber keine rote Kleidung tragen. Einem örtlichen Aberglauben zufolge würde man damit Blitze anziehen. Hans von Hentig, der als einer der Väter der Kriminalpsychologie und der Viktimologie gilt, hat einst in seinem Buch „Die Strafe“ die bösen Vorzeichen des Todes erwähnt. Darunter gelte bei einigen Völkern auch die rote Farbe. Dies ersetze im Zauber das Blut. Die Farbe hänge mit Tod und allem Schrecklichen zusammen.

Türkei. Keinen Kaugummi nach Sonnenuntergang kauen.

Man sollte abends keinen Kaugummi kauen, denn das bedeutet, dass man Fleisch von Verstorbenen kaut, erläutert das Portal „Türkei-Reiseleiter”. Aus diesem Grund wird den Menschen in der Türkei empfohlen, nach Einbruch der Dunkelheit auf Kaugummi zu verzichten. Der genaue Ursprung dieses Aberglaubens ist unklar, obwohl manche davon ausgehen, dass dies sich mit Sicherheitsgründen erklären lässt. Mit einem Kaugummi im Mund einzuschlafen kann gefährlich sein und zum Ersticken führen.
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Vietnam. Nicht ohne Abschminken einschlafen.

In Vietnam kann Einschlafen ohne Abschminken ganz schlimme Folgen haben. Die abergläubischen Menschen warnen, dass die Dämonen so eine Person nachts für einen der ihren halten können. Das lässt sich eventuell mit hygienischen Gründen erklären: Schlaf ohne Abschminken führt zu Problemen mit der Gesichtshaut.

Japan. Den Daumen beim Friedhofsbesuch in die Faust stecken.

Wenn man sich auf einem Friedhof befindet oder beim Anblick eines Leichenwagens verstecken die abergläubischen Japaner ihren Daumen in der Faust. Wieso? Ganz einfach. Der Daumen wird auf Japanisch „Elternfinger“ (oya-yubi 親指) genannt und auf diese Weise beschützt man seine Eltern vor dem Tod.

Schweden. Kanaldeckel mit „A“ und „K“ nicht verwechseln.

In Schweden glauben einige Leute, dass die Symbole auf Kanaldeckeln entweder Glück oder Unglück bringen können. Einem Aberglauben nach bringt das Betreten eines Gullydeckels mit dem Buchstaben „K“ Glück, denn das schwedische Wort „kärlek“ bedeutet „Liebe“. Wenn auf dem Deckel aber der Buchstabe „A“ steht und Sie auf den Deckel zufällig mit dem Fuß getreten sind, seien Sie auf etwas Schlimmes vorbereitet, denn das A soll für das Wort „avbruten“ stehen, was „unterbrochen“ bedeutet und so viel wie Herzschmerz oder Unglück in der Liebe signalisieren soll. In Wirklichkeit aber steht „K“ für „kallvatten“, was „sauberes Wasser“ bedeutet, und „A“ steht für „avloppsvatten“, also Abwasser.
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Niederlande. Beim Essen nicht singen.

Laut einem Aberglauben in den Niederlanden wird davon abgeraten, beim Essen zu singen. Denn damit lockt man den Teufel an und zieht Unglück an. Übrigens, selbst wenn man nicht an dämonische Kräfte glaubt, wird von Ärzten nun auch empfohlen, beim Essen tatsächlich nur zu essen. „Wer es beim Essen nicht gemütlich nimmt, sondern immer wieder im Stehen noch hastig etwas herunterschlingt, oder während des Essens viel redet, schluckt dabei gleichzeitig viel Luft. Das Resultat – Luftansammlung im Darm“, zitiert das Portal „Sprechzimmer“ die diplomierte medizinische Praxisassistentin Doris Zumbühl.

Schottland. Nicht in Grün auf Hochzeit erscheinen.

In Schottland darf man nicht in grüner Kleidung zu einer Hochzeit gehen. Laut einem Volksglauben bringt das Pech für die neugebackene Familie. Manche Schotten sind davon überzeugt, dass die grüne Farbe den Elfen vorbehalten ist, und die Gäste haben ja natürlich keinen Wunsch, es sich mit den Fabelwesen zu verscherzen.

Deutschland. Ein vierblättriges Kleeblatt finden.

43 Prozent der Deutschen messen aus einem persönlich bedeutsamen Aberglauben dem vierblättrigen Kleeblatt eine besondere Bedeutung bei, besagen Statistiken. Laut einem Volksglauben soll ein solches Kleeblatt den Träger vor Unglück schützen. Näht man es in die Kleidung ein, soll es generell vor Bösem schützen. Eine Legende über ein vierblättriges Kleeblatt erläutert, dass die biblische Gestalt Eva es als Andenken aus dem Paradies mitnahm, als sie zusammen mit Adam von Gott von dort vertrieben wurde. So heißt es laut einem Volksglauben, dass der Besitzer solch eines Kleeblattes ein Stück vom Paradies besitzt. Andere Erklärungen sind auch mit der christlichen Religion verbunden – vier Blätter sollen nämlich an das Kreuz Christi erinnern, deswegen verfügt das Kleeblatt angeblich über die Eigenschaft, das Böse zu vertreiben.
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