Zahl der Kirchenaustritte in Bayern steigt nach Missbrauchsgutachten – Umfrage

© AP Photo / ANDREW MEDICHINIPapst Benedikt XVI. (Archivbild)
Papst Benedikt XVI. (Archivbild) - SNA, 1920, 20.02.2022
Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hat ergeben, dass die Zahl der Kirchenaustritte in bayerischen Städten nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens vor einem Monat förmlich explodiert ist.
Im Rahmen der Umfrage wurden Daten aus verschiedenen Städten im Freistaat ausgewertet.
Nach Angaben eines Sprechers des Kreisverwaltungsreferates verdoppelte sich die Zahl der Kirchenaustritte in München. Vor dem Gutachten in der ersten Januarhälfte wäre es in München pro Arbeitstag zu etwa 80 Kirchenaustritten gekommen. Seit Veröffentlichung des Gutachtens seien es zwischen 150 und 160 Austritte.

„Die Nachfrage ist sicherlich dreimal so hoch wie Anfang des Jahres“, so der Sprecher.

Trotz erweiterter Öffnungszeiten und Personalumschichtungen sei es nicht möglich, „alle Austrittswünsche zeitnah zu bedienen“. Es gäbe nicht genügend Personal:

„Das Limit ist hier unsere Kapazitätsgrenze, vor allem beim Personal.“

Auch in anderen Städten in Bayern seien die Austrittszahlen gestiegen. Das Standesamt Nürnberg berichtete von 617 Kirchenaustritten nach der Vorstellung des Gutachtens im Zeitraum bis zum 14. Februar. Vor zwei Jahren wurden in diesem Zeitraum nur 372 Austritte registriert.
Geld (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.02.2022
Opfer sexuellen Missbrauchs bekamen 2021 9,4 Millionen Euro von katholischer Kirche
In Ingolstadt traten 170 Personen mehr aus der Kirche aus als im selben Zeitraum 2021.
„Das Standesamt meldet eine weiterhin große Nachfrage nach Austrittsterminen“, teilte ein Sprecher der Stadt mit.
Nach dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gab das Erzbistum München und Freising ein Gutachten bei der Anwaltskanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ in Auftrag. Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden. Sie berichteten von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern, die Dunkelziffer sei jedoch deutlich höher.
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