„Aus Hanau sollten Lehren gezogen werden“ – Terroropfer-Beauftragter fordert mehr Opferschutz

© SNA / Lisa MeyerGedenkdemo Hanau Wedding
Gedenkdemo Hanau Wedding - SNA, 1920, 18.02.2022
Der Beauftragte der Bundesregierung für Opfer und Hinterbliebene von terroristischen Straftaten, Pascal Kober, hat sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) für einen besseren Umgang mit von Terror betroffenen Menschen in Deutschland ausgesprochen. Der rassistische Anschlag in Hanau habe Defizite im Umgang mit Terroropfern aufgewiesen.
Im Januar übernahm der FDP-Bundestagsabgeordnete das Amt des Beauftragten für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland. Am Sonntag plant Kober Gespräche mit Betroffenen des Anschlags in Hanau.

„Aus den Erfahrungen von Hanau sollten Lehren gezogen werden, etwa was einen sensiblen Umgang mit kulturellen und religiösen Anforderungen an eine würdige Bestattung angeht“, forderte der Opferbeauftragte.

Es sei wichtig, dass Polizeibeamte Zeugen, Betroffene und Angehörige in einer solch schwierigen Situation nicht zusätzlich belasten. Es mache bei solchen Einsätzen einen enormen Unterschied, „ob Polizeibeamte einen vergessenen Ausweis rügen oder ob sie erklären, dass die verantwortungsvolle Feststellung von Identitäten eine sehr wichtige Frage ist“.

„Die Ermittler, die am Tatort sind und mit Betroffenen in Kontakt treten, müssen in ihrer Aus- und Fortbildung gelernt haben, dass im Umfeld eines Anschlags eine besondere Herangehensweise notwendig ist, damit Verletzte, Hinterbliebene und Augenzeugen nicht in ihrer schwierigen Situation noch weitere belastende Erlebnisse erfahren“, so Kober.

Aber auch die Kenntnis kultureller Besonderheiten und deren Beachtung sei für den Opferschutz wichtig. Es müsse Rücksicht auf die Vorstellungen der Angehörigen genommen werden, so zum Beispiel, wenn diese eine Beisetzung des getöteten Menschen innerhalb einer bestimmten Frist fordern. Sollte dies im Einzelfall aufgrund der Ermittlungen nicht möglich sein, sollten die Ermittler das Verfahren gut erklären. Es sei wichtig, Angehörige aufzuklären und beispielsweise Gründe für eine Obduktion zu nennen.

Auf Twitter teilte Kober mit, dass Terrorismus und Extremismus nur wirksam bekämpft werden könnten, „indem man sich immer an die Menschen erinnert, die ihre Opfer wurden“.
Die DPA berichtete, dass Angehörige der Opfer in einem Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags die Arbeit der Behörden teils heftig kritisierten. Die Polizei sei am Tatabend völlig überfordert gewesen, Beamte hätten teils „genervt, ängstlich und sogar aggressiv“ reagiert. Kritisiert wurde auch, dass Angehörige nicht die Gelegenheit für einen würdigen Abschied von den Verstorbenen erhalten hätten.
Deutsche Polizei (Symbolbild) - SNA, 1920, 06.02.2022
13 Anschläge seit 2011 in Deutschland vereitelt
Neun Menschen mit Migrationshintergrund wurden am 19.02.2020 bei einem rassistisch motivierten Anschlag getötet. Fünf weitere Personen wurden durch den 43-jährigem Täter teils schwer verletzt. Der Rechtsextremist tötete anschließend seine Mutter und nahm sich selbst das Leben.
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