Medienbericht: So hat Top-Diplomat Ischinger an der Münchner Sicherheitskonferenz verdient

© AP Photo / Michael SohnChef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger (Symbolbild)
Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.02.2022
Seit 14 Jahren ist Wolfgang Ischinger Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz. Vertrauliche Dokumente zeigen laut dem „Spiegel“, wie eine von ihm gegründete Firma offenbar im Rahmen der Konferenz fragwürdige Waffendeals vermitteln wollte. Der Diplomat streitet alles ab.
Die von Wolfgang Ischinger gegründete Beratungsfirma „Agora Strategy Group“ hat offenbar Termine und Kontakte auf der Münchner Sicherheitskonferenz (Munich Security Conference – MSC) zum Verkauf angeboten. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen, die dem Blatt vorliegen. Demnach soll die von ihm im Jahr 2015 mitgegründete Beratungsfirma Agora Strategy Group der Rüstungsfirma „Hensoldt“ im Oktober 2021 angeboten haben, wichtige Personen „aus dem Teilnehmerkreis der MSC“ für sogenannte Side Events, also Hinterzimmertreffen auf der Konferenz, auszuwählen.

Provision „von 0,8 bis 1,6 Prozent“

Die Agora Group wollte Hensoldt wohl dabei helfen, Geschäfte in „Zielregionen“ wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Libyen einzufädeln.
Für ihre Beratungstätigkeit sollte die Agora Group ein monatliches Grundhonorar von 27.860 Euro erhalten. Darüber hinaus sollten weitere Leistungen mit bis zu 600 Euro pro Stunde vergütet und im Erfolgsfall eine Provision „von 0,8 bis 1,6 Prozent“ fällig werden. Bei Waffendeals von mehreren Millionen Euro eine lukrative Summe.
Natalie Amiri, Master of Ceremony, und Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz 2021 - SNA, 1920, 12.02.2022
„Klub der einheitlichen Meinung“ – Kreml-Sprecher über Münchner Sicherheitskonferenz
Ischinger wies alle Vorwürfe zurück. „Ich habe ein absolut reines Gewissen. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“, sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (DPA).
Laut „Spiegel“ gehören Ischinger 30 Prozent an Agora. Die Anteile würden von einem Treuhänder gehalten – dies ändere aber nichts daran, dass er von den Geschäften des Unternehmens bis heute profitiere.

Ischinger: „keinerlei Einfluss auf die Aktivitäten von Agora“

In einer Stellungnahme Ischingers dazu heißt es unter anderem: „Mir war es wichtig, jeden Eindruck eines möglichen Interessenkonflikts (...) zu vermeiden. Ich habe das durch die Übergabe meiner Anteile an einen Treuhänder (blind trust) sichergestellt.“ Er habe „keinerlei Einfluss auf die Aktivitäten von Agora“. Und Agora teilt mit: „Es besteht weder eine operative noch eine strukturelle Verbindung zwischen Agora Strategy und der Münchner Sicherheitskonferenz.“ Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Auch Agora Strategy veranstaltet im eigenen Namen und vereinzelt im Auftrag von Kunden derartige Side Events anlässlich der MSC.“ Selbstverständlich fielen für solche Events Kosten an, etwa für Raummiete und Catering.
Außenministerium Russlands (Archivfoto) - SNA, 1920, 09.02.2022
Russland wird an Münchner Sicherheitskonferenz nicht teilnehmen – Außenamt
Ein Gehalt oder andere finanzielle Zuwendungen habe er von Agora nie erhalten, betont Ischinger. Er werde aber „von Zeit zu Zeit von Agora, wie von anderen Organisationen und Partnern auch, zu Vortrags- oder anderen Veranstaltungen eingeladen, für die ich dann gegebenenfalls ein übliches Honorar in Rechnung stelle“. Zudem fördere er gelegentlich Agora-Veranstaltungen dadurch, dass er Einladungen an bestimmte internationale Persönlichkeiten unterstütze.
Am Freitagmittag will Ischinger die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz eröffnen, seine letzte als Vorsitzender. Er übergibt die Leitung dann an den Diplomaten Christoph Heusgen. Zu den prominentesten Rednern in den nächsten drei Tagen zählen unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und US-Vizepräsidentin Kamala Harris.
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