Wie rassistisch sind Behörden? – Studie

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Formular (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.02.2022
Gesellschaftlich verbreitete rassistische Vorstellungen sind auch in deutschen Behörden zu finden, zeigt eine neue Studie. Für die Betroffenen heißt das: Sie erfahren Stigmatisierungen und erhalten nicht dieselben sozialstaatlichen Leistungen wie Angehörige der Mehrheitsbevölkerung.
Die Forscherinnen vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) Alexandra Graevskaia, Katrin Menke und Andrea Rumpel, haben drei Kurzstudien für das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) verfasst. Das Zentrum ist laut einer Pressemitteilung dabei, einen Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (Nadira) aufzubauen. Mit den Studien wollen die Forscherinnen zeigen, inwiefern Rassismus in der Polizei, der Gesundheitsversorgung und der Arbeitsverwaltung institutionell verankert ist.

„Wissen“ über andere

„Rassismus ist ein strukturelles Phänomen in unserer Gesellschaft und geht über individuelle Vorurteile und Einstellungen hinaus. Er zeigt sich beispielsweise daran, dass in der Mehrheitsbevölkerung ‚Wissen‘ über andere existiert. Dieses Wissen beinhaltet stereotype Zuschreibungen und gruppiert Menschen nach Kategorien wie Nationalität, Ethnie, Kultur und/oder Religion“, erklärte Graevskaia laut der Pressemitteilung bei der Vorstellung der Studie. „Uns hat interessiert, wie sich solch rassistisches Wissen durch formale Regeln und eingeschliffene Routinen in Behörden institutionell verankert hat.“
Alexanderplatz in Berlin  - SNA, 1920, 16.11.2021
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Die Forscherinnen führten in verschiedenen Bundesländern qualitative Interviews mit Führungskräften in der Polizei, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Jobcentern und Gesundheitsbehörden. Sie stellten fest, dass es Handlungsunsicherheiten im Umgang mit ‚den Anderen‘ gibt. Um diese zu bewältigen, wird auf weit verbreitete Zuschreibungen zurückgegriffen, etwa welche Länder oder Religionen welche Werte haben, dass muslimische Frauen generell ungebildet seien oder es ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Motive zur Flucht gibt. „Das ist ein typisches Merkmal von gesellschaftlichem Rassismus: Man konstruiert Gruppen, unterstellt ein bestimmtes Verhalten und verallgemeinert es“, erklärte Menke.

Behörden haben machtvolle Stellung

Die Studien zeigen zum Beispiel, dass in Jobcentern muslimische Geflüchtete nach dem Modell eines männlichen Familienernährers vermittelt werden; die Frauen werden entweder nicht als (potenzielle) Erwerbstätige adressiert oder sie werden in niedrigentlohnte Zuverdienst-Tätigkeiten gelotst. Die Behörden, betonten die IAQ-Forscherinnen, haben eine machtvolle Stellung. Sie entscheiden, wem welche medizinische Behandlung (nicht) genehmigt wird, welche Arbeitsmarktmaßnahmen für geflüchtete Frauen (nicht) geeignet sind und welche Personen aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit gezielt kontrolliert werden (Racial Profiling). Rumpel wies darauf hin: „Institutioneller Rassismus funktioniert auch dann, wenn einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rassistische Denk- und Handlungsweisen ablehnen“.
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Die IAQ-Forscherinnen empfahlen, dass Behörden sich dem Thema Rassismus als gesellschaftliches Phänomen aktiv annehmen und die eigene Rolle darin anerkennen. Auch schlugen sie eine Vielzahl an Maßnahmen vor: So müssen etwa in Behörden Routinen kritisch hinterfragt und die Entscheidungen systematisch geprüft werden, zudem sollte es rassismuskritische Schulungen geben.
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