WHO-Studie: Jede vierte Frau erlebt Gewalt in der Partnerschaft

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Gewalt (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.02.2022
Rund um den Globus erleben viele Frauen in ihren Beziehungen Gewalt. Eine Studie der WHO bekräftigt das Ausmaß des Problems.
Etwa jede vierte Frau auf der Welt hat der Studie „Global, regional, and national prevalence estimates of physical or sexual, or both, intimate partner violence against women in 2018“ (Globale, regionale und nationale Prävalenzschätzungen von körperlicher oder sexueller oder beidem Gewalt durch Partner gegen Frauen im Jahr 2018) zufolge mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in einer Partnerschaft erfahren. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach der Auswertung von Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Betroffen seien auch Mädchen und Frauen zwischen 15 und 19 Jahren, berichten die Forscher im Fachmagazin „The Lancet“.

Dringender Handlungsbedarf

„Es ist von entscheidender Bedeutung und dringend notwendig, Gewalt in der Partnerschaft von vornherein zu verhindern“, sagt Studienleiterin Claudia Garcia-Moreno von der WHO. Regierungen, Gesellschaften und Gemeinschaften müssten aufhorchen, mehr investieren und dringend handeln, um die Gewalt gegen Frauen zu verringern.
Das Team um Garcia-Moreno hatte Angaben einer WHO-Datenbank ausgewertet, die auf mehr als 300 Studien und Umfragen aus 161 Ländern und Regionen mit Daten von rund zwei Millionen Frauen zurückgehen. Berücksichtigt wurden Daten von Frauen ab 15 Jahren aus den Jahren 2000 bis 2018. Mit statistischen Methoden ermittelten die Forscher die Verbreitung von Gewalt in verschiedenen Regionen und Altersgruppen.

Dauerhafte Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden

Weltweit hatten demnach 27 Prozent aller Frauen mindestens einmal seit dem Alter von 15 Jahren körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft erlebt. Allein 2018 waren es rund 492 Millionen Frauen (13 Prozent), die in den vergangenen zwölf Monaten Gewalt erfahren hatten. In der jüngsten Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren waren es etwa 24 Prozent.
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„Die hohe Zahl junger Frauen, die Gewalt in Paarbeziehungen erleben, ist alarmierend, denn die Jugend und das frühe Erwachsenenalter sind wichtige Lebensabschnitte, in denen die Grundlagen für gesunde Beziehungen gelegt werden“, sagt die federführende Wissenschaftlerin Lynnmarie Sardinha von der WHO. „Die Gewalt, die diese jungen Frauen erleben, hat lang anhaltende Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden.“

Regierungen auf schlechtem Weg

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Regierungen auf keinem guten Weg sind, das von den Vereinten Nationen formulierte Entwicklungsziel zu erreichen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis 2030 zu beenden. „Obwohl diese Studie vor der Covid-19-Pandemie durchgeführt wurde, sind die Zahlen alarmierend. Und die Forschung hat gezeigt, dass die Pandemie-Probleme, die zu Gewalt in der Partnerschaft führen, wie Isolation, Depressionen und Angstzustände sowie Alkoholkonsum, verschärft und den Zugang zu Hilfsdiensten erschwert hat“, sagt Studienleiterin Garcia-Moreno.
Am weitesten verbreitet ist Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft der Studie zufolge in Ozeanien (49 Prozent), am geringsten in Zentraleuropa (16 Prozent). In ärmeren Ländern ist sie generell häufiger als in reicheren. Für Deutschland sind in der Studie keine Zahlen genannt. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums wird auch hierzulande etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch ihren aktuellen oder ihren früheren Partner.
Als Schwächen ihrer Studie nennen die Forscher die regional unterschiedliche Verfügbarkeit und Qualität der Daten, Untergruppen wie Menschen mit Behinderungen und ethnische Minderheiten seien nicht voll erfasst. Zudem beruhten viele Daten auf Selbstauskünften etwa zur Art der Beziehung.
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