US-Magazin nennt neues Datum für Russlands Einmarsch in die Ukraine

© AP Photo / Roland BalikWaffenlieferungen von den USA in die Ukraine
Waffenlieferungen von den USA in die Ukraine - SNA, 1920, 17.02.2022
Die Zeitschrift „Politico“ aus den USA hält eine Invasion der russischen Armee in die Ukraine ab dem 20. Februar für möglich. Das Blatt hatte bereits einen Angriff Russlands auf sein Nachbarland für den 16. Februar prognostiziert.
„Politico“ hatte mit Verweis auf „informierte Quellen“ berichtet, US-Präsident Biden habe in einer Videoschalte mit den Staats- und Regierungschefs der Nato und der Europäischen Union einen Angriff der russischen Streitkräfte auf die Ukraine für den 16. Februar vorausgesagt. Dieses Datum wurde dann auch in Deutschland kolportiert.
Die russische Führung reagierte auf die Prognose mit Humor. Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, sagte, man könne Berichte solcher Art nicht wirklich ernst nehmen. Präsident Putin frage inzwischen, ob aus den westlichen Medien auch die genaue Uhrzeit des vermeintlichen russischen Angriffs auf die Ukraine zu erfahren sei.

Und täglich droht der Angriff

Die Uhrzeit wurde im Vorfeld des 16. Februars tatsächlich angegeben – von den britischen Zeitungen. „The Sun“ und „The Mirror“ schrieben am Dienstag, den 15. Februar, entgegen der bereits erfolgten offiziellen Ankündigung des Teilabzugs russischer Truppen aus den Gebieten nahe der ukrainischen Grenze, die Invasion in die Ukraine stehe in der Nacht auf den Mittwoch bevor. Als der russische Einmarsch am Mittwoch ausblieb, schrieb „The Sun“ seinen Artikel einfach um: Der Angriff könne „jeder Zeit“ erfolgen, heißt es darin inzwischen.
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Nun nennt auch „Politico“ ein neues Datum der russischen Invasion. „Die Aussicht auf den russischen Einmarsch in die Ukraine am 16. Februar wurde stets überschätzt“, heißt es in einem Artikel vom 16. Februar mit der Überschrift „Warum der 20. Februar Russland-Experten beunruhigt“. Analysten hätten der Zeitschrift mitgeteilt, dass die Fokussierung auf den 16. Februar die Aufmerksamkeit von echten Schlüsselereignissen abgelenkt habe.
„Der Zeitrahmen, den man wirklich im Auge behalten muss, ist das, was bald nach dem 20. Februar geschieht.“
Denn, so das US-Magazin, am 20. Februar ende die Münchener Sicherheitskonferenz, an der unter anderem der ukrainische Präsident Selenski und der US-Außenminister Blinken teilnehmen.
„Den Einmarsch an einem Tag zu beginnen, an dem hochrangige US-Politiker sich in Europa aufhalten und der ukrainische Präsident sich außerhalb seines Landes befindet, wäre eine absolute Erniedrigung oder eine Art geopolitisches Trolling, was Präsident Putin ziemlich toll findet.“
Als weiteren Grund dafür, dass der russische Einmarsch in die Ukraine am 20. Februar stattfinden solle, führt „Politico“ das Ende der Olympischen Spiele in Peking an: „Vor der Abschlusszeremonie wird Russland keinen Angriff starten, um den chinesischen Staatschef Xi Jinping glücklich zu machen.“ Dabei lässt das Magazin bei seiner Prognose eine Hintertür für sich offen. Sollte bis 1. März keine Invasion in die Ukraine erfolgen, könnten alle erleichtert aufatmen, wobei geheimdienstliche Quellen davor warnten, leichtgläubig anzunehmen, die Gefahr sei gebannt.

Westen spricht von Kriegsabsichten

Die US-Regierung und die von ihr geführte Nato werfen Russland seit Monaten vor, einen Überfall auf die Ukraine vorzubereiten. Tatsächlich finden Truppenbewegungen im Rahmen von Manövern statt, damit verletze Russland aber keine Vereinbarungen, wie das Außenministerium mitteilt. Anders die Regierung in Kiew, die nach russischen Angaben sich weigere, die Minsker Vereinbarungen umzusetzen.
Diese Vereinbarungen sehen unter anderem vor, dass die ukrainische Zentralregierung den Beschuss an der Kontaktlinie mit den selbsternannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk einstellt und schwere Waffensysteme aus dem Gebiet abzieht. Stattdessen hat die Kiewer Führung rund die Hälfte ihrer regulären Streitkräfte dort zusammengezogen und beschießt Berichten zufolge Ortschaften östlich der Kontaktlinie.
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Gleichzeitig werfen westliche Staats- und Regierungschefs Russland Kriegsabsichten vor – ein Vorwand für die Entsendung zusätzlicher Truppen in den Osten und die Aufrüstung der Ukraine, erklärte das russische Außenministerium. Dieses westliche Verhalten führe nur dazu, dass Kiew sich ermutigt fühle, die innerukrainische Krise mit gewaltsamen Mitteln lösen zu wollen.
Seinerseits hat Moskau den westlichen Staaten im Dezember vergangenen Jahres Vorschläge unterbreitet, wie eine verlässliche Sicherheit in Europa aufgebaut werden könne. Dazu gehört die Aufforderung an die Nato, sich auf Positionen von 1997 zurückzuziehen sowie keine Stützpunkte und keine Angriffswaffen auf dem Gebiet ehemaliger Sowjetrepubliken in der Nähe russischer Grenzen zu stationieren. Zwar ist bereits eine schriftliche Antwort auf diese Vorschläge im russischen Außenministerium eingegangen, doch die fundamentalen Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation seien in dem Schreiben unberücksichtigt geblieben, erklärte das Außenministerium in Moskau.
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