„Vom Nachzügler zu einem Vorreiter“ – Experten zur Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro

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Hartz IV-Geld (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.02.2022
Untersuchungen des Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung haben ergeben, dass Deutschland durch die geplante Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro einer der Vorreiter in Europa werden könnte.
Das WSI veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht, laut welchem nach der geplanten Anhebung auf zwölf Euro voraussichtlich nur das luxemburgische Mindestlohnniveau besser abschneiden wird als das deutsche. In Luxemburg liegt der Mindestlohn momentan bei 13,05 Euro.

Die Autoren der Studie betonten, dass die Bundesrepublik mit der geplanten Anhebung sogar „vom bisherigen Nachzügler in der Mindestlohnpolitik zu einem Vorreiter“ werden könnte.

Zurzeit beträgt der Mindestlohn in Deutschland 9,82 Euro und liegt somit unter dem Niveau vieler Nachbarländer. In den Niederlanden liegt er beispielsweise bei 10,58 Euro, in Frankreich bei 10,57 Euro und in Belgien bei 10,25 Euro. Mit der für Anfang Juli beschlossenen Anhebung auf 10,45 Euro, könne Deutschland somit den Stand seiner Nachbarländer aufholen.
Medikamente (Symbolbild) - SNA, 1920, 08.02.2022
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Mindestlohnniveau in EU-Ländern

Laut der Studie seien große Unterschiede beim Mindestlohn in Europa erkennbar.
Deutlich niedriger als in Westeuropa seien die Mindestlöhne nach wie vor in Süd- und Osteuropa. Der Mindestlohn in Bulgarien beträgt aktuell zwei Euro, in Rumänien 3,10 Euro und in Ungarn 3,21 Euro. Auch in Griechenland (3,83 Euro), Portugal (4,26 Euro) und Spanien (6,06 Euro) sei er relativ niedrig. Der europaweite Unterschied spiegle laut WSI zum Teil auch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider.
Der Studie zufolge erhöhten die meisten europäischen Staaten ihre Mindestlöhne zum Jahreswechsel durchschnittlich um vier Prozent. Inflationsbereinigt bedeute dies ein Plus von 1,4 Prozent.

Die Anhebung des Mindestlohns war ein zentrales Wahlversprechen der SPD. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) legte einen Gesetzentwurf vor und forderte die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Oktober dieses Jahres in einem Schritt auf zwölf Euro. Dies würde eine Lohnerhöhung für etwa 6,2 Millionen Beschäftigte bedeuten.
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