Volksabstimmung: Schweizer lehnen radikales Tierversuchsverbot ab

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Maus, Säugetier, Symbolbild  - SNA, 1920, 13.02.2022
Tierversuche bleiben in der Schweiz weiterhin erlaubt. Nur 21 Prozent der Schweizer sprachen sich am Sonntag in einer Volksabstimmung gegen den Vorschlag von Tierschützern aus, solche Experimente in der Verfassung als Quälerei und Verbrechen einzustufen.
Bei einer Annahme wäre die Schweiz das erste Land weltweit geworden, das Tierversuche bedingungslos verboten hätte. Auch der Import von neuen Medikamenten, die mit Tierversuchen entwickelt wurden, sowie die Forschung am Menschen wären untersagt worden.
Einer Statistik der Regierung zufolge starben 2020 in der Schweiz mehr als 550.000 Tiere bei Laborversuchen, darunter 400.000 Mäuse und Ratten, fast 4600 Hunde, 1500 Katzen und 1600 Pferde. Auch Primaten, Kühe, Schweine, Fische und Vögel wurden während und nach Versuchen getötet.
Die Befürworter der Initiative vertraten die Meinung, dass Medikamente auch ohne Tierversuche entwickelt werden können. Die Regierung und das Parlament lehnten den Vorschlag dagegen ab. Forschung und Entwicklung würden sehr stark eingeschränkt und Arbeitsplätze gefährdet, so die Begründung. Die Schweiz habe schon jetzt eines der strengsten Gesetze für Tierversuche.
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Aufatmen dürfte auch die Schweizer Pharmabranche, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Die Konzerne Roche und Novartis gehören weltweit zu den führenden Arzneimittel-Herstellern. Die im Großraum Basel konzentrierte Industrie, die mit rund einem Drittel der Warenexporte der Wachstumsmotor des Landes ist, drohen aber noch andere Gefahren wie etwa der Ausschluss der hiesigen Universitäten aus Forschungsprogrammen der Europäischen Union oder Steuererhöhungen.
Abgelehnt wurden auch zwei geplante Gesetzesänderungen. So wollte die Regierung eine Steuer für Unternehmen auf Kapitalerhöhungen streichen sowie die Fördermaßnahmen für die unter finanziellem Druck stehenden Medien des Landes verstärken. „Ja“ sagten die Schweizer indes zu einem Verbot von Tabakwerbung überall dort, wo Kinder und Jugendliche sie sehen können.
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