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Marnie & Karli – Suspense by Hitchcock & Made in Austria

© BKA/Florian SchrötterAm 21. Juli 2021 präsentierte Innenminister Karl Nehammer (m.), gemeinsam mit General Reinhard Schnakl (l.), stv. Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, sowie dem Polizeischüler und Spitzensportler, Karim Mabrouk (r.), den Bericht zur „Vorurteilskriminalität in Österreich“.
Am 21. Juli 2021 präsentierte Innenminister Karl Nehammer (m.), gemeinsam mit General Reinhard Schnakl (l.), stv. Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, sowie dem Polizeischüler und Spitzensportler, Karim Mabrouk (r.), den Bericht zur „Vorurteilskriminalität in Österreich“. - SNA, 1920, 12.02.2022
Unsere österreichische Gastkolumnistin Daniela Kickl hat für uns den Hitchcock-Klassiker "Marnie" umgeschrieben. Inspiriert vom "Chat-Gate", das gegenwärtig in Österreich für Empörung und Fremdschämen sorgt. Und so kommt Kanzler Karl Nehammer ganz nebenbei auch noch zur zweifelhaften Ehre einer Hauptrolle in einer Hitchcock-Adaptation.
Alfred Hitchcock war ein Meister des Suspense. Die Spannung baute er unter anderem dadurch auf, dass er uns als Zuschauer Dinge zeigte, die der Protagonist nicht sehen konnte. Nicht nur das! Wir dürfen letzteren auch noch dabei beobachten, wie er seine Dinge erledigt, während wir gleichzeitig das Unheil nahen sehen!
So ähnlich ist es momentan mit dem Protagonisten der ÖVP, dem neuen Parteichef und Bundeskanzler Karl Nehammer. Wir dürfen beides beobachten, den Karli und auch das hausgemachte Unheil, das die Partei niederzuringen droht. Doch bevor wir hier den Karli beobachten, ein kurzer Ausschnitt aus Hitchcocks Marnie.

Marnie und der Tresor

Sie geht zum Schreibtisch, öffnet mit einem Schlüssel die Schublade und liest die Kombination:
4-turns-left-to-36; 4-turns-right-to-20; 2-turns-left-to-16; 2-turns-right-to-8; 1-turn-left-to-5.
Die Türe zum Raum mit dem Safe ist unverschlossen, sie tritt ein, lässt die Türe geöffnet. Marnie kniet nieder, stellt die Kombination ein und öffnet den Safe. Der Tresorraum ist in ein Großraumbüro eingebettet, zwischen ihm und den vielen Schreibtischen, die ordentlich hintereinander aufgestellt sind, befindet sich ein kleiner Korridor für den täglichen Durchgangsverkehr. Wir sehen eine Putzfrau, die unvermutet mit einem Kübel und dazugehörigem Wischmopp am Ende des Korridors auftaucht. Sie steckt den Mopp in den Kübel und beginnt, den Boden zu wischen. Marnie sehen wir auch, sie ist immer noch damit beschäftigt, Bargeld in ihrer Aktentasche zu verstauen. Die Putzfrau wischt weiter, sie nimmt den Kübel, geht weiter, sie ist bald auf der gleichen Höhe wie Marnie. Endlich kann Marnie den Safe schließen, die Aktentasche ist voll. Sie geht voller Bedacht aus dem Tresorraum, sieht sich um. Und entdeckt die Putzfrau!
Vorsitzender der Grünen in Österreich Werner Kogler (links) und Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer (rechts) (Archivbild) - SNA, 1920, 03.02.2022
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Praxistipp: Was wir vom Sideletter der türkis-grünen Regierung für das tägliche Leben lernen können!

Marnies Schuhe

Vorsichtig zieht Marnie ihre Halbschuhe aus. Sie weiß, diese würden bei jedem Auftreten einen verräterischen Ton erzeugen. Sie steckt den ersten Schuh in ihre linke, den zweiten in die rechte Manteltasche. Der Fluchtweg ist nicht lang, sie muss es nur unbemerkt die wenigen Meter bis zur Treppe schaffen, die sie in die Freiheit führt. Die Putzfrau ist weiter vornüber gebeugt und wischt den Boden. Marnie behält sie genau im Auge, während sie behutsam auf Zehenspitzen einen Fuß vor den anderen setzt. Wir sehen, wie der Schuh in der linken Manteltasche langsam herausgleitet. Aber Marnie bemerkt es nicht! Marnie schaut die ganze Zeit auf die Putzfrau und geht einfach weiter! Das darf doch nicht wahr sein! Marnie! Der Schuh gleitet immer weiter aus der Tasche. Und fällt zu Boden! Marnie blickt erschrocken auf den Schuh, dreht sich zur Putzfrau! Die wischt tatsächlich weiter. Als wäre nichts geschehen. Marnie hebt den Schuh auf und geht rasch zur Treppe. Gerade noch rechtzeitig, denn aus der anderen Ecke des Büros taucht ein Wachmann auf. Er geht zur Putzfrau und schreit ihr irgendwelche Neuigkeiten ins Ohr.
Und damit Auftritt Karli in der österreichischen Version von "Marnie".

Karli auf der Suche nach Korruption

Er geht zum Schreibtisch, öffnet mit einem Schlüssel die Schublade und liest die Kombination:
Neuen, amikalen¹ Ton anschlagen; so tun, als würde er Sebastian Kurz nicht einmal kennen; Wähler einlullen; Sideletter verurteilen; junge Frau als Generalsekretärin engagieren.
Die Türe zum Raum mit dem Safe ist unverschlossen, er tritt ein, lässt die Türe geöffnet. Karli kniet nieder, stellt die Kombination ein und öffnet den Safe. Der Tresorraum ist in ein Großraumbüro eingebettet, zwischen ihm und den vielen Schreibtischen, die ordentlich hintereinander aufstellt sind, befindet sich ein kleiner Korridor für den täglichen Durchgangsverkehr. Wir sehen Thomas Schmid², der unvermutet mit einem Handy am Ende des Korridors auftaucht. Er schaut begeistert drauf und beginnt zu tippen.
„Ich bin so glücklich :-)))! Ich liebe meinen Kanzler“
Karli sehen wir auch, er ist damit beschäftigt, den Tresor nach Parteifreunden abzusuchen, die möglicherweise korrupt sein könnten. Was er da alles findet! Wobei, was gilt als Korruption? Einem Freund einen schicken Posten verschaffen schon mal sicher nicht! Sicher nicht! Sollte er dennoch ein bisschen aufräumen? Karli ist verunsichert.
Thomas Schmid wischt weiter am Handy herum, geht weiter, er ist bald auf der gleichen Höhe wie Karli. Karli sieht seinen Klubchef August Wöginger³ im Tresor sitzen, über ihm kreist der Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft! Dann auch noch die niederösterreichische Landeshauptfrau Mikl-Leitner⁴, die sich zum Skifahren fertig macht und dabei „Rote bleiben Gsindl“ brüllt.
Flagge Österrreichs - SNA, 1920, 12.01.2022
Durchseuchung in Rot-Weiß-Rot

Was tun, Karli?

Karli ist verunsichert, er weiß nicht wirklich, was er tun soll. Er schließt den Safe und geht voller Bedacht aus dem Tresorraum, sieht sich um. Und entdeckt Thomas Schmid, der mit freudiger Miene auf sein Handy starrt. Karli geht langsam weiter, setzt mit Bedacht einen Schritt vor den anderen. Aus dem Augenwinkel bemerkt er, dass Peter Pilz⁵, bekannt als Aufdecker der Nation, ebenfalls das Großraumbüro betritt. Auch er starrt freudig auf sein Handy. Immerhin kann ihn keiner sehen, weil alle mit ihren Nachrichten beschäftigt sind! Lange wird das alles nicht mehr gut gehen, das zumindest weiß Karli ganz sicher. Was also tun? Karli hat die rettende Idee. Während er weiter in Richtung Treppe geht, setzt er eine SMS an alle türkis-schwarzen Landeshauptleute ab.
„Sofort Debatte zur Impfpflicht starten! JETZT!“
Kaum ist die Nachricht verschickt, erscheinen bereits die ersten Schlagzeilen in allen Medien. „Impfpflicht aussetzen - bei neuen Erkenntnissen“ oder „Kritik aus Ländern an Impfpflicht wird lauter“ steht geschrieben. Uff! Karli ist erleichtert! Jetzt noch ganz geschwind zur Treppe und schon ist alles wieder gut. Fast.

In den Iden des März⁶

Karli hat es zur Treppe geschafft. Während er hinabsteigt, sieht er eine dunkle Wolke auf sich zukommen. Sie schwebt unheilschwanger wenige Zentimeter über dem Boden, nähert sich ihm langsam. Sie donnert und grummelt vor sich hin, sendet Blitze aus, auf denen „ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss“ geschrieben steht!
Wie wird es weitergehen mit unserem Karli? Kann er die Wolke bändigen? Wird seine neue, schmeichelhafte Art ausreichen, um Sebastian Kurz zur Persona Non Grata zu degradieren und ihm selbst die neue Erlöserrolle zukommen lassen? Hat Thomas Schmid sein Handy noch und speichert er weiterhin brav alle Nachrichten in einer Cloud ab? Was weiß Peter Pilz, was wir noch nicht wissen? Wird August Wöginger dem Safe und damit der Auslieferung entfliehen können? Und warum startet der Untersuchungsausschuss ausgerechnet am 2. März?
Stay Tuned!
Anmerkungen:
¹ amikal: österreichisch für freundschaftlich
² Thomas Schmid: ehemaliger Mitarbeiter österreichischer Ministerien und Vorstand der staatlichen Beteiligungsagentur ÖBAG
³ August Wöginger: ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat und Fraktionsvorsitzender, Obmann des Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbundes (ÖAAB), einer Teilorganisation der ÖVP
⁴ Miki Leitner: Landeschefin der ÖVP in Niederösterreich, frühere Bundesinnenministerin Österreichs
⁵ Peter Pilz: Autor, Journalist und ehemaliger linkspopulistischer Politiker (JETZT, Liste Peter Pilz, Die Grünen)
In den Iden des März: eine in vielen Sprachen gebräuchliche Metapher für bevorstehendes Unheil
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