Russischer EU-Botschafter nennt Bedingung für größere Gaslieferungen nach Europa

© SNA / Alexej Witwizki / Zur BilddatenbankVerdichterstation Sayda (Deutschland) an der Pipeline Gazela, über die russisches Gas weiter nach Tschechien gepumpt wird (Archivbild)
Verdichterstation Sayda (Deutschland) an der Pipeline Gazela, über die russisches Gas weiter nach Tschechien gepumpt wird (Archivbild) - SNA, 1920, 09.02.2022
Eine Erweiterung der Gaslieferungen in europäische Länder ist bei einer entsprechenden Nachfrage möglich, diese ist jedoch wegen hoher Gaspreise nicht zu beobachten, sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow gegenüber SNA.
Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr hervorgehoben, dass die Preise für den blauen Brennstoff zyklisch seien und durch den globalen Markt festgelegt würden. Eine der Ursachen für den starken Preisaufschwung sei eine Wiederherstellung der Weltwirtschaft. Im Oktober hieß es bei der EU-Kommission auch, dass Gazprom, der Hauptlieferant von Gas für die Europäische Union, langfristige Verträge mit Käufern zwar erfülle, jedoch eine höhere Nachfrage nicht befriedigt habe im Unterschied zu den vergangenen Jahren. EU-Chefdiplomat Josep Borrell verwies Anfang Februar darauf, dass die Energieträgerpreise wegen Problemen mit Nachfrage und Angebot auf globalem Niveau angestiegen seien.

„Für den Verkauf von Gas ist notwendig, dass jemand im Voraus seine Bereitschaft meldet, Gas zu kaufen. Denn das durch eine Rohrleitung transportierte Gas kann nicht mehr zurückgepumpt werden. Dabei berechnen potentielle Käufer in Europa die Kosten in Loko-Preisen und denken natürlich, dass es besser wäre, den heutigen Preisgipfel vorübergehen zu lassen. Früher oder später werden die Preise sinken – niemand zweifelt daran“, erläuterte Tschischow.

In den Speichern Europas gibt es Gas, und der jetzige Winter ist recht mild, so Tschischow weiter. „Wäre der Winter rauer und wären die Vorräte schneller erschöpft, würden europäische Unternehmen selbst zu höheren Preisen zusätzlich Gas kaufen. Jetzt aber (…) liegen keine Einkaufsaufträge vor; da es keine Bestellungen gibt, gibt es auch keine Lieferungen“, sagte der Diplomat.
Die spürbare Gasverteuerung in Europa hat im Frühjahr 2021 begonnen, als der durchschnittliche Loko-Preis nach dem TTF-Index im Bereich zwischen 250 und 300 Dollar je 1000 Kubikmeter schwankte. Ein „Next-Day“-Liefervertrag hatte in den letzten Sommertagen einen Wert von mehr als 600 Dollar und Anfang Oktober bereits die Grenze von 1000 Dollar überschritten. Im Dezember stiegen die Notierungen auf das Doppelte und erreichten ein historisches Hoch von 2190,4 Dollar. In der ganzen Geschichte der Gashubs Europas – seit 1996 – hat es keine so stabilen Spitzenpreise gegeben.
Das Logo des russischen Gasriesen Gazprom  - SNA, 1920, 25.12.2021
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Wie der russische Präsident Wladimir Putin erläuterte, hat Russland mit der entstandenen Situation um die Preise nichts zu tun – denn die Europäer hätten selbst Probleme in diesem Bereich für sich geschaffen.
Vizepremier Alexander Nowak erläuterte, dass die EU-Kommission einen zielgerichteten Kurs auf den Wechsel von langfristigen Verträgen zu Loko-Verträgen gesteuert habe. Doch solche Lieferungen kämen dorthin, wo die Preise höher seien, und ermöglichten nicht einmal eine mittelfristige Voraussagbarkeit. Seinen Worten nach ist Russland bereit, die Förderung und die Lieferungen von Gas nach Europa zu steigern, aber Gazprom brauche hierfür langfristige Verträge, denn in einem solchen Fall würden höhere Investitionen erforderlich sein.
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